Drama um die Folgen eines Schul-Amoklaufs, geschildert aus der Sicht eines vor Ort recherchierenden jungen Anwalts.

Kinostart: 30.01.2014

Friedrich Mücke

Friedrich Mücke
als Roman Weissner

Liv Lisa Fries

Liv Lisa Fries
als Laura

Dominic Raacke

Dominic Raacke
als Prof. Dr. Schadt

Handlung

Der an seinem Leben und anderen Menschen reichlich desinteressierte Roman jobbt für einen Staatsanwalt, dem er polizeiliche Unterlagen als Audiodatei einliest. Sein aktueller Wochenendauftrag betrifft einen Schulamoklauf im Allgäu, bei dem ein Schüler 17 Menschen erschossen hat. Noch fehlende Akten muss der Münchner direkt aus der Ortschaft in den bayerischen Bergen abholen, wo er einige Tage mit Warten verbringt und die Schülerin Laura kennenlernt, die das Massaker überlebte. Beide freunden sich an, wodurch Roman erschreckende Details über die Tat erfährt.

Kritik

Sensible Annäherung an einen Amoklauf: Eine heilsame und lange nachwirkende Begegnung mit dem Grauen.

Wie man ganz ohne Betroffenheit und simple Erklärungsmuster die seelischen Verletzungen nach einem Schulamoklauf mit 17 Toten offenlegt und sanft kuriert, haben Thomas Sieben ("Distanz") und Produzent wie Ko-Autor Christian Lyra ("Jasmin") mit einem unkonventionellen, in nüchterner Stille sich ein großes Maß an Empathie erarbeitenden Ansatz vollbracht. Was als Kammerspiel beginnt, weitet sich aus zum Zwei-Personenstück vor herbstlichem Alpenpanorama während eines Wintereinbruchs; anspruchsvolles Kopfkino, das durch Einfühlsamkeit und eine zarte Romanze berührt.

Die findet zwischen Roman (Friedrich Mücke aus "Friendship!" und einigen "Tatort"-Folgen) und Laura (Liv Lisa Fries aus "Die Welle" - beeindruckt wieder einmal) statt. Der Münchner, der für einen Staatsanwalt (Dominic Raacke) jobbt, indem er polizeiliche Unterlagen für ihn einspricht, muss für den aktuellen Fall, einen Amoklauf an einem Allgäuer Gymnasium, fehlende Akten von den örtlichen Behörden abholen. Als er dafür in die bayerischen Berge fährt, vertröstet man ihn dort Tag um Tag, wodurch der an seinem Leben und anderen Menschen bislang desinteressierte Mittzwanziger die Schülerin Laura kennenlernt, die das Massaker überlebt hat.

Über Bande nähert sich Sieben einer unfassbaren Tat an, zunächst durch einzelne sachlich-nüchterne Berichte, die Roman einliest, wobei er auch auf jene über Laura stößt. Durch die unbedachte Perspektive eines Fremden schleicht sich das Grauen an, zeigt eine traumatisierte junge Frau, die sich nach Normalität sehnt und als Bewältigungsstrategie das leer stehenden Schulgebäude immer wieder fotografiert. Ihre Schädigung registriert Sieben sensibel, beide Figuren heilen sich gegenseitig, ganz ohne Psychologisierungen und Didaktik. Dieser Verzicht auf Dramatisierung wirkt durch seine subtile Art ungemein intensiv, handelt von äußerlicher Harmlosigkeit, die etwas unbegreiflich Grausames verdeckt. Dorf und Tatort, Winnenden und Erfurt ähnlich, schlummern in friedlicher Unschuld. Aber wenn Laura Roman das (auf Aufzeichnungen aus Columbine beruhende) Manifest des nicht sonderlich als Außenseiter verschrienen Täters gibt, wo er mit Menschheit und Gesellschaft abrechnet, bringt einen die Banalität des Bösen ins Wanken. Eine intellektuelle Studie, die Emotionen weckt und als Diskussionsgrundlage hervorragt. tk.

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Info

Plakat des Films: Staudamm
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 30.01.2014

Deutschland 2013

Länge: 1 h 29 min

Genre: Drama

Originaltitel: Staudamm

Regie: Thomas Sieben

Drehbuch: Thomas Sieben, Christian Lyra

Musik: Eckart Gadow

Produktion: Christian Lyra, Felix Parson

Kostüme: Diana Dietrich

Kamera: Jan Vogel, Christian Pfeil

Schnitt: Manuel Reidinger

Ausstattung: Daniel Volckamer

Website: http://www.staudamm-film.de

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