Nach Wenders' "Der Himmel über Berlin" innovativ fotografierte Liebesgeschichte als kunstvoller Spagat zwischen Anspruch und Kommerz.

Kinostart: 23.07.1998

Nicolas Cage

Nicolas Cage
als Seth

Meg Ryan

Meg Ryan
als Maggie

Andre Braugher

Andre Braugher
als Cassiel

Dennis Franz
als Messinger

Colm Feore
als Jordan

Robin Bartlett
als Anne

Joanna Merlin
als Teresa

Sarah Dampf
als Susan

Handlung

Seth gehört zu einer Gruppe von Engeln, die über die Geschicke der Bürger von Los Angeles wachen. Nachdem er sich in die Herzspezialistin Maggie verliebt, die nicht über den Verlust eines Patienten hinwegkommt, gibt er im Namen der Liebe seine Unsterblichkeit auf, um der Angebeteten immer nahe sein zu können. Doch das Schicksal holt die Liebenden schnell ein.

Der Engel Seth lernt während der Erfüllung seiner himmlischen Pflichten - er muß Sterbende ins Jenseits begleiten - die Herzchirurgin Maggie Rice kennen. Die hübsche junge Frau zieht ihn derart an, daß er beschließt, ihr sichtbar gegenüberzutreten - aus einem körperlosen Geist wird ein undurchschaubarer Fremder. Trotz gewisser Zweifel fühlt auch Maggie sich zu dem mysteriösen Seth hingezogen. Allmählich entwickelt sich ihre Freundschaft zu einer tiefen Liebe. Nun muß Seth sich zwischen Unsterblichkeit und dem Chaos des Lebens entscheiden...

Nach Wenders' "Der Himmel über Berlin" innovativ fotografierte Liebesgeschichte als kunstvoller Spagat zwischen Anspruch und Kommerz.

Kritik

Dem Himmel sei Dank! Wahrhaft himmlischer Intervention bedurfte es, um Warner nach einer beinahe einjährigen Durststrecke wieder einen reinrassigen Kassenschlager zu schenken. Daß es sich dabei ausgerechnet um das mehrmals verschobene US-Remake von Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" handelt, verblüfft nur auf den ersten Blick. Denn die brillant und innovativ fotografierte Liebesgeschichte eines Engels und einer von Lebenszweifeln geplagten Chirurgin bietet eben nicht nur den kunstvollsten Majorfilm-Spagat zwischen Arthouse-Ambititon und massenkompatibler Unterhaltung seit langem, sondern mit Nicolas Cage und Meg Ryan auch das erste Traumpaar, das es in diesem romantischen Kinofrühjahr mit Leo und Kate aufnehmen kann.

"Stadt der Engel" markiert einen Quantensprung für Brad Silberling. Vor drei Jahren reüssierte der Regisseur mit "Casper" und beschwor kommerziell erfolgreich erstmals überirdische Wesen. Keinen Hinweis gab dieser eher belanglose Ausflug ins Popcorn-Universum von Spielbergs Amblin Entertainment, daß Silberling bereits mit seiner zweiten Kinoarbeit ein Film gelingen könnte, der hinlänglich bekannte Melo-Motive modern und erwachsen aufbereitet und sich zudem mutig Fragen über die Vergänglichkeit allen Seins stellt. Von Wenders' Vorlage blieb in Silberlings Ode an das Leben freilich nur das Handlungsgerüst übrig. Wieder gibt ein Engel, der in der Stadt der Engel unsichtbar für die Augen der Menschen über ihre Geschicke wacht, im Namen der Liebe seine Unsterblichkeit auf, nachdem er sich in eine Herzspezialistin verliebt, die nicht über den Verlust eines Patienten hinwegkommt.

Wie Wenders' Film ist aber auch Silberlings himmlischer Streifzug durch die Millionenmetropole von Südkalifornien vor allem eine Hommage an die Stadt, in der er spielt. Seit "L.A. Story" und vielleicht "Grand Canyon" wurde die City of Angels nicht mehr in so fantasie- und liebevollen Bildern eingefangen wie hier. Mit der gleichen Zärtlichkeit, dem gleichen Verlangen, mit dem Nicolas Cage als Schutzengel Seth jede Bewegung von Meg Ryan geradezu in sich aufsaugt, streicht Silberling mit der Kamera durch die Straßen und nimmt L.A. jeglichen Nimbus des Großstadtmolochs. Ähnlich viel Poesie investiert er in die Handlung, die sich langsam zu einem sinnlichen Pas de deux zwischen Cage und Ryan steigert und ihren bewegenden Höhepunkt findet, wenn sich Cage von einem Hochhaus stürzt, um sein Dasein als Engel aufzugeben und den Mantel der Sterblichkeit überzustreifen. Daß "Stadt der Engel" im letzten, hochdramatischen Akt in die Welt des Melos driftet und emotionale Kniffe bemüht, wie man sie im Oeuvre von Douglas Sirk findet, schmälert die Wirkung dieses sinnlichen, entwaffnend naiven Ritt auf den hohen Wogen des prallen Lebens nicht im geringsten.

Wie schon in "Im Körper des Feindes" findet Nicolas Cage, Hollywoods jüngster Umsatzgarant (ob Action oder Lovestory: zur Zeit ist der Oscar-Gewinner unfehlbar), einen ungewöhnlichen darstellerischen Ansatz für seine Rolle. Mit "traumhaft" ist sein Auftritt am besten beschrieben, wenn er im Comme-de-Garcon-Look mit weit ausholenden Bewegungen und ungeahnter Sensibilität immer ein wenig over the top durch den Film wandelt und Vorgänger-Engel wie John Travolta ("Michael") und Denzel Washington ("Rendezvous mit einem Engel") auf die Plätze verweist, während Meg Ryan als Ärztin in der Glaubens- und Schaffenskrise einen unbedingt realistischen, aber nicht weniger überzeugenden Gegenpol bildet. Ebenfalls klasse sind die Fernsehstars Dennis Franz aus "NYPD Blue" als das Leben in voll auskostender Ex-Engel und Andre Braugher aus "Homicide" als Seths bester Freund Cassiel, der sich ebenfalls danach sehnt zu erfahren, was es bedeutet, zu berühren und zu schmecken. Daß der Film in den USA schnurstracks auf ein Einspiel im 70-Mio.-Dollar-Bereich zusteuert, ist ein gutes Omen für den Einsatz in deutschen Landen, wo Nicolas Cage und Meg Ryan auf eine große Fanbasis bauen können. Und schließlich wird es viele Neugierige geben, die es interessiert, wie sehr sich der Himmel über Los Angeles von dem über Berlin unterscheidet. ts.

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Info

Plakat des Films: Stadt der Engel
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 23.07.1998

USA 1998

Länge: 1 h 54 min

Genre: Drama

Originaltitel: City of Angels

Regie: Brad Silberling

Drehbuch: Dana Stevens

Musik: Gabriel Yared

Produktion: Charles Roven, Dawn Steel

Kostüme: Shay Cunliffe

Kamera: John Seale

Effekte: John Nelson, Julia Rivas, Robin Griffin

Schnitt: Lynzee Klingman

Ausstattung: John O. Warnke, Lilly Kilvert