Pechschwarze Komödie über zwei Yuppies, die ein grausames Spiel mit einem volltrunkenen und hilflosen Literaten spielen.

Kinostart: 19.04.2007

August Diehl

August Diehl
als Sebastian

Paulus Manker
als Kallmann

Michael Ostrowski

Michael Ostrowski
als Alex

Pia Hierzegger
als Pia

Maria Bill
als Herta

Martina Zinner
als Marianne

Brigitte Kren
als Sonja

Loretta Pflaum
als Hippiem

Martina Poel
als Krista

Andreas Kiendl
als Andreas

Petra Bernhardt
als Rothaariges M

Kathrin Resetarits
als Elegante Frau

Caro Kuchwalek
als Vera

Nina Petz
als Johanna

Nina Sieberer

Handlung

Die Yuppies Sebastian (August Diehl) und Alex (Michael Ostrowski) sind reich, schön und schlau. Aus purer Langeweile reißen sie Frauen in abgerissenen Bars auf - "Slumming" -, um sie danach im Internet mit Fotos bloßzustellen. Opfer des neuesten Streichs wird der verarmte Poet Kallmann (Paulus Manker), den sie volltrunken auf einer Parkbank schlafend auflesen und kurzerhand über die Grenze nach Tschechien fahren, um ihn dort zurückzulassen. Sebastians neue Freundin, Lehrerin Pia (Pia Hierzegger), bricht entsetzt auf, um den Mann zu finden.

Ganz schön böse Komödie von Dokuspezialist Michael Glawogger ("Workingman's Death"), der einen rabenschwarzen Humor an den Tag legt. Schmunzeln und Entsetzen wechseln sich ab beim Brandmarken von gesellschaftlicher Verrohung und sozialem Gefälle.

Sebastian und Alex sind Yuppies, wie sie ihm Buche stehen: wohlhabend, attraktiv, intelligent... und unendlich gelangweilt. So vertreiben sie sich ihre Zeit in Wien mit Slumming in abgerissenen Bars. Als sie einen volltrunkenen Mann auf der Straße auflesen, haben sie einen besonders bösartigen Einfall: Sie nehmen dem Mann den Pass ab und setzen ihn in Tschechien in der Kälte aus. Sebastians Freundin, die Grundschullehrerin Pia, kann darüber nicht lachen und macht sich auf die Suche nach dem Mann.

Winter in Wien: Franz Kallmann säuft wie ein Loch, pöbelt die Leute an und versucht ihnen seine Gedichte zu verkaufen. Ein unangenehmer Zeitgenosse. Trotzdem hat er es nicht verdient, von den Schnösel-WG-Freunden Sebastian und Alex im Kofferraum ihres BMWs nach Tschechien kutschiert und dort ohne Papiere auf einer Parkbank abgeladen und liegen gelassen zu werden. Das findet zumindest Pia, die neue Eroberung von Sebastian, der die Frauen so oft wechselt wie andere die Unterwäsche.

Kritik

Auch in seinem zweiten Spielfilm, einer pechschwarzen Großstadt-Komödie, sind die dokumentarischen Wurzeln von Michael Glawogger deutlich erkennbar.

Er besitzt einen untrüglichen Blick für das Leben, ein Gespür für die Menschen von denen er erzählt, der österreichische Dokumentarist Michael Glawogger, vielfach ausgezeichnet für "Workingman's Death" und "Megacities". Was man seinen beiden Spielfilmen auch deutlich ansieht, der schrägen Post-Hippie-Indie-Sexklamotte "Nacktschnecken", in der der Begriff Ficktion wortwörtlich genommen wird, und der bitterbösen Dramödie "Slumming". Durch die Nacht ziehen hier die (Anti-)Helden, durch Wiens Billig-Beisel, Go-Go-Schuppen und triste Trinkstuben. Franz Kallmann, Quartalsäufer, Poet und Nervensäge, dem die Stadt längst den Strom abgedreht hat und der laut pöbelnd versucht, Gedichte zu verkaufen und Hochprozentiges zu schnorren. Derweil Sebastian und Alex in derselben Umgebung Milieustudien treiben, Frauen aufreißen, böse Spielchen spielen und auf die Volksschullehrerin Pia stoßen, die am Wochenende als Disko-Garderobiere ihr Gehalt aufbessert.

Vier Personen, vier Schicksale, vier Geschichten und wie diese ineinandergreifen.

Abgestürzt, abgerissen, der vom Allround-Talent Paulus Manker mit wüster Wucht gespielte Trinker, kalt, aalglatt, der Schönling Sebastian (August Diehl), willfährig dessen Trabant Alex (Michael Ostrowski) und lieb, vielleicht zu lieb, die naive Pia (Pia Hierzegger). Sie zieht los, ganz Gutmensch, Kallmann zu retten, den die Kumpel im bewusstlosen Zustand nach Tschechien gefahren und ausgesetzt haben. Dort irrt er herum, verkatert, hilflos, ohne Geld und Papiere, mitten im Winter dem Erfrieren nahe. Gemeinsam mit der renommierten Filmemacherin Barbara Albert ("Nordrand") hat Glawogger das präzise Drehbuch verfasst und deren Einfluss ist deutlich spürbar. Die Figuren atmen förmlich, sind fest verankert in ihrem Milieu. Realität spiegelt sich wider, in den Dialogen und in den kalten, matschigen Bildern von Kameramann Martin Gschlacht. Alle sind irgendwie entwurzelt, treiben durch eine lieblose, verrohte Gesellschaft, in der sich (fast) jeder selbst der nächste ist. Das klingt bedrückend und ist es über weite Strecken auch. Aber es gibt durchaus Hoffnung, Akte der Freundschaft, befreiendes Lachen über fiese Scherze. Auch im Großstadtdschungel schlägt ein Herz. geh.

Wertung Questions?

FilmRanking: 969 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Slumming
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 19.04.2007

Österreich/Schweiz 2006

Länge: 1 h 40 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Slumming

Regie: Michael Glawogger

Drehbuch: Barbara Albert, Michael Glawogger

Musik: Walter W. Cikan, Peter Siebenthal, Till Wyler, Daniel Jakob

Produktion: Erich Lackner, Martin Gschlacht

Kostüme: Martina List

Kamera: Martin Gschlacht

Schnitt: Christof Schertenleib

Ausstattung: Maria Gruber

Website: http://www.slumming.at