Leicht biografisch gefärbte Story über ein Paar, das sich auf einer Skihütte versöhnen will, dabei aber von etlichen Bekannten gestört wird.

Kinostart: 30.10.2003

Valerie Koch
als Nadja

Hans-Jochen Wagner

Hans-Jochen Wagner
als Ingo

Pit Bukowski

Pit Bukowski
als Niklas

Alexandra Neldel
als Sylvia

Ingo Haeb
als Knut

Stephan Hornung
als Rolf

Jimi Lee King
als Lars

Daniel Nocke
als Wolfgang

Anneke Kim Sarnau
als Birgit

Markus Sieber
als Jan

Rainer Strecker
als Michael

Devid Striesow
als Lutz

Nina Weniger
als Petra

Marc Zwinz
als Jens

Die Handlung von Sie haben Knut

Eigentlich ist Ingo (Hans-Jochen Wagner) ganz froh, dass die 70er vorbei sind. Politik war nie so sein Ding, an die Friedensbewegung mag er auch nicht glauben, und dass Herr Kohl jetzt Kanzler ist, stört ihn auch nicht halb so viel wie der Beziehungskonflikt, den er mit Freundin Nadja (Valerie Koch) in der Abgeschiedenheit der Tiroler Skihütte seines Freundes Knut (Ingo Haeb) zu beheben gedenkt. Doch von wegen Abgeschiedenheit - schon kurz nach der Ankunft des Pärchens trudeln weitere Gäste ein, Sportskanonen und Politaktivisten im flotten Wechsel, um den Kurzurlaub in ein geschwätziges Selbstfindungsseminar zu verwandeln. Nur von Knut fehlt jede Spur, denn den haben "sie" (die Bullen).

In einem im Rahmen der Berlinale uraufgeführten Kinodebüt filmt sich Grimme-Preisträger Stefan Krohmer (Jahrgang 71) aus dem schönen Reutlingen den Frust über friedensbewegte Jugendjahre im politisch korrekten Erzeugerhaushalt und "Betroffenheits-fanatische Labersäcke" (O-Ton Krohmer) von der Leber.

1983 in einer Skihütte irgendwo in den Tiroler Alpen: Das Pärchen Nadja und Ingo will die Einsamkeit der Berge eigentlich dazu nutzen, über Beziehungsprobleme zu reden und vielleicht auf diesem Weg wieder zueinander finden. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft werden die Zwei von der Volleyball-Mannschaft von Nadjas Bruder Knut heimgesucht, während Knut an der Grenze festgehalten wird.

Kritik zu Sie haben Knut

Ganz auf der Revival-Welle der guten, alten achtziger Jahre schwimmt diese Geschichte über eine bunt zusammen gewürfelte Runde, die sich in einer Almhütte zum Ski-Urlaub trifft und von der Nachricht aufgerüttelt wird, einer ihrer Freunde sei in Haft. Die unterschiedlichen Reaktionen auf die dubiose Nachricht sorgen für Zoff und Zwiespalt, das labile Gruppen-Gleichgewicht gerät aus den Fugen.

Die Faszination der achtziger Jahre scheint ungebremst, obwohl leichte Ermüdungserscheinungen und Wiederholungen nicht ausbleiben. Stefan Krohmer lässt das WG-Feeling und die vergessenen Ideale aufleben, auch wenn sich schon individualistische Risse im Gebälk der Solidarität zeigen. Ausgerechnet in einer einsamen Tiroler Berghütte wollen Ingo und Nadja ihre Beziehungsprobleme lösen. Doch bevor sie ihre emotionalen Wehwehchen pflegen können, erscheint eine lärmende Volleyballgruppe auf der Bildfläche. Einige Typen aus der linksalternativen Szene mit Lust an Sport und Spielen, Freunde von Nadjas Bruder Knut, wollen einfach Urlaub von der Politik und dem stressigen Demonstrieren im Schnee machen. In die ausgelassene Stimmung platzt die Nachricht "Sie haben Knut", das heißt, derselbige ist verhaftet worden und darbt in irgendeinem Knast. So richtig weiß niemand, wie man sich verhalten soll. Sich weiter zu amüsieren, wäre politisch unkorrekt, Trübsal zu blasen aber auch nicht die Lösung. So tobt die eine Fraktion weiter auf der Piste und im Wald herum, die andere diskutiert die eigene Lage und die der Nation. Bevor man irgendwelche Hilfsaktionen startet, taucht ein bestens aufgelegter Knut wieder auf und klärt auf, alles sei ein Irrtum gewesen. Dennoch bricht das fragile Gruppengefüge auseinander, auch bei Nadja und Ingo ist nichts mehr, wie es mal war.

Stefan Krohmer versucht sich in einer Persiflage auf Polit-Eiferer mit Ideologiegefasel, Solidaritätsforderungen und gruppendynamischen Prozessen, die im Rückblick antiquiert wirken. Zwar überzeugt der Film durch authentischen Look und durch liebevolle Figurenzeichnung, doch wenn besagter Knut es sich quietschfidel am kuschelig warmen Kachelofen bequem macht und sich die ganze unnütze Aufregung in fahrigen Bewegungen auflöst, geht auch der etwas halbgaren Komödie die Luft aus. Die Erinnerungen an den Zeitgeist der Achtziger mit dem (gescheiterten) Versuch offener Beziehungen, dem obligatorischen Griff zur Gitarre und an bärtige Menschen in kratzigen, selbstgestrickten Pullovern, die sich totquatschen und für den Nabel der Welt halten, sind streckenweise wegen der Exotik amüsant, die reicht aber nur bedingt über eine Länge von 107 Minuten hinweg. mk.

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Info

Plakat des Films: Sie haben Knut
  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 30.10.2003

Deutschland 2003

Länge: 1 h 47 min

Genre: Drama

Originaltitel: Sie haben Knut

Regie: Stefan Krohmer

Drehbuch: Daniel Nocke

Musik: Nick Drake, Bert Jansch, Donna Summer

Produktion: Peter Rommel

Kostüme: Silke Sommer

Kamera: Benedict Neuenfels

Schnitt: Stephan Krumbiegel

Ausstattung: Thilo Mengler

Website: http://www.alamodefilm.de