Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik am Beispiel von Lampedusa spür- und begreifbar macht.

Kinostart: 28.07.2016

Handlung

Über ein Jahr lang hat sich der Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi auf der italienischen Insel Lampedusa, der zur Zeit wohl symbolträchtigsten Grenze Europas, aufgehalten und beobachtet, wie hier tagtäglich Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein bessere Leben ankommen, und wie die Bevölkerung auf sie reagiert. Im Zentrum des Films, der sich auch mit der medialen Berichterstattung auseinandersetzt, steht der zwölfjährige Samuele, der mit seiner Familie Zeuge einer der größten menschlichen Tragödien unserer Tage wird.

Kritik

Für sein auf Lampedusa entstandenes Filmdokument zum Problemkreis Migration gewann Gianfranco Rosi den Goldenen Bären der 66. Berlinale.

Schnell kristallisierte sich auf der 66. Berlinale "Fuocoammare" als potentieller Bären-Anwärter heraus, ein Goldener wurde es schließlich - eingedenk des diesjährigen, vornehmlich auf realitätsnahes (Polit-)Kino ausgerichteten Festivals eine korrekte, überaus vertretbare Entscheidung. Der Italiener Gianfranco Rosi, 2013 für "Das andere Rom" in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, erweist sich erneut als vorzüglicher Dokumentarfilmer mit Blick für stimmige Kinobilder.

Die Fakten sind bekannt: 450.000 Menschen strandeten in den letzten Jahren auf Lampedusa, viele wurden in letzter Minute gerettet, rund 15.000 kamen auf der Suche nach einer neuen Existenz um. Rosi interessiert, was auf und vor dem rund 20 Quadratkilometer kleinen Eiland tagtäglich passiert, ein Jahr lang hat er sich hier als eigener Kamera- und Tonmann aufgehalten. Er hat gefilmt, sich mit Bewohnern unterhalten, den erschöpften Helfern bei ihrer oft gefährlichen Arbeit zugesehen.

Kommentarlos nähert sich der Filmemacher via Alltagsbeobachtungen der größten Transitzone Europas, einem ebenso realen wie symbolischen Ort und der Gefühlswelt einiger Einheimischer. Darunter sind ein Zwölfjähriger, ein hypochondrischer Fischersohn, der auf einem Auge fast nichts sieht, und für dessen Großtante der Insel-DJ den Titel gebenden Weltkriegsschlager auflegt, während der Dottore aus Schiffsbäuchen geborgene Tote obduziert und Babys auf die Welt bringt. Ausnahmezustand und Normalität, Sterben und Leben, zwei Welten, kaum Schnittstellen.

Was für die Einen Heimat bedeutet, symbolisiert für die Anderen, was sie verloren haben. Eine unbequeme Wahrheit kommt unaufdringlich ans Licht: Auch angesichts der Riesenkatastrophen nimmt für die Insulaner der Alltag seinen Lauf, während es für die Neuankömmlinge keine Normalität mehr gibt - Parallelität ohne Berührungspunkte. Ein vorzügliches Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik spür- und begreifbar macht. Kein Migrationsdrama, sondern Zustandsbeschreibung, ein wertfreier, gnadenloser Blick auf den Status quo. Es geht um Moral und Bewusstsein, um die Suche nach Frieden, Freiheit und Glück - und vor allem das Anrecht darauf. geh.

Wertung Questions?

FilmRanking: 1745 -201

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Seefeuer
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 28.07.2016

Italien/Frankreich 2016

Länge: 1 h 54 min

Genre: Doku

Originaltitel: Fuocoammare

Website: http://www.weltkino.de/film/kino/seefeuer

Ticker

Kino&Co Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.