Erneute Gratwanderung von Michel Gondry zwischen Realität und Fantasie, der Gael Garcia Bernal sich in seinen Gedanken verlieren lässt.

Kinostart: 28.09.2006


als Christine Miroux

Emma de Caunes
als Zo

Aurélia Petit
als Martine

Sacha Bourdo
als Serge

Handlung

Nach längerer Abwesenheit kehrt der versponnene Grafikdesigner Stephane (Gael García Bernal) zurück nach Paris, wo seine Mutter (Miou-Miou) einen schön scheußlichen MacJob für den Kreativgeist aufgetrieben hat: Als Bürosklave in einer Kalendermanufaktur. Immerhin lernt er so die schöne Nachbarin Stephanie (Charlotte Gainsbourg) kennen, die seine überbordende Fantasie weiter und nachhaltig befeuert.

Zur Abwechslung mal daheim in Frankreich und ohne ein Drehbuch von Charlie Kaufman zieht Videoclip-Spezialist und Kino-Exzentriker Michel Gondry ("Vergiss mein nicht!") alle Register der surrealen Romantikkomödie.

Der schüchterne Zeichner Stéphane, der sich häufig in seine Traumwelt zurückzieht, lässt sich von seiner Mutter überreden, für einen vermeintlich verlockenden Job nach Frankreich zurückzukehren. Als der sich als Enttäuschung entpuppt, findet Stéphane Zerstreuung bei der attraktiven Stéphanie, die sich bereitwillig mit ihm in seinen verrückten Fantasiewelten verliert. Als sich unerwartet doch noch der berufliche Erfolg einstellt, zieht sich Stéphanie zurück - und Stéphane beginnen, reale und erfundene Welten zu entgleiten.

Der sensible, tagträumende Stéphane bekommt über seine Mutter einen Posten in einer Kalenderfirma in Paris. Doch entpuppt sich dieser als trostlos und seine Kollegen als Freaks. Nur seine neue Nachbarin Stephanie, mit der er zufälligerweise zusammentrifft, ist ein Lichtblick. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie, traut sich aber nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren, in seinen Träumen allerdings schon. Da malt er sich die schönsten gemeinsamen Erlebnisse aus. Schließlich unternimmt er Annäherungsversuche auch in der Realität.

Kritik

Keine Angst: Michel Gondry will nur spielen, aber sein nunmehr dritter Spielfilm, eines der uneingeschränkten Highlights der Berlinale, hat dennoch Biss. Angelegt als anarchistischer Begleitfilm zu Gondrys Vorgänger "Vergiss mein nicht!", dreht sich wieder alles um Liebessehnsucht und die eskapistische Kraft der Fantasie.

Ein toller Film ist das. So überbordend mit Einfällen, verspielt, albern und innovativ, dass man ihn eigentlich schon nach der ersten Szene, in der man Gael Garcia Bernal in einem selbst gebauten Pappmaché-Studio dabei bestaunen darf, wie er die Funktion seiner Träume beschreibt, nicht nur ins Herz geschlossen hat, sondern am liebsten in den Arm nehmen will. Nach diesem, wie sich herausstellt, Besuch im Kopf des Protagonisten wird "The Science of Sleep", diese absurde Komödie im filmischen Spannungsfeld zwischen Buñuel und der Augsburger Puppenkiste, noch besser. Denn zwischen all den grotesken Fantastereien und drolligen Anekdoten, dem nahtlosen Springen von Realität zu Low-fi-Illusion sowie zwischen verschiedenen Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch) verbirgt sich auch eine spürbar hoch persönliche und entsprechend dringliche Geschichte über einen schüchternen jungen Grafikdesigner, der nach dem Tod des Vaters von Mexiko zurückkehrt nach Paris. Dort hat ihm seine Mutter einen Posten in einer Kalenderfirma verschafft, der sich als trostloser MacJob entpuppt und Stephane nachhaltig demoralisiert. Gleichzeitig lernt er bei deren Einzug zufällig seine Nachbarin Stephanie kennen, die ihn sympathisch findet und damit Stephanes fragile Balance endgültig aushebelt: Seine Tagträumereien lassen sich nicht länger kontrollieren, was für allerhand elementare Irrungen und Wirrungen sorgt. Nach "Human Nature" und "Vergiss mein nicht!" arbeitet Videoclipspezialist Gondry erstmals nicht mit einem Drehbuch von Charlie Kaufman ("Adaption"). Befreit von dessen intellektuellen Betrachtungen und existenziellen Gedankenspielen ist die ebenso surreale wie infantile Komödie offenkundig deutlich näher an der versponnenen Weltsicht des Regisseurs, in der das Staunen über wundersamste Assoziationen eine ganz eigene Philosophie darstellt. "I've Been 12 Forever" ist der Titel einer 75-minütigen Dokumentation über Gondry, und besser lässt sich eigentlich auch die Figur nicht beschreiben, die It-Boy Gael Garcia Bernal ("Die Reisen des jungen Che") als Alter Ego Gondrys zu spielen hat:

ein Junge im Körper eines Erwachsenen, der immer noch in seinem Kinderbett schläft und nie bereit ist, die Limitierungen der Erwachsenenwelt zu akzeptieren. Weshalb er auch nicht in der Lage ist, jene Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, um aus seiner Liebe zu Stephanie - die wunderbare Stephanie als wunderbar geerdeter Gegenpol zu Bernals Mod-Peter-Pan - mehr zu machen als eine gemeinsame Reise durch Welten, in denen Autos aus Pappe und Wasser aus Zellophanpapier ist. So mag ein Plot im herkömmlichen Sinn kaum zu entdecken sein, aber gerade im zwanghaften Anhäufen überbordender Verrücktheiten lässt sich eine förm-lich greifbare Seelennot finden, die einem auch dann ganz real den Atem abschnürt, wenn man sich gerade ausschüttet vor Lachen bei diesem ewigen Sonnenschein eines durch und durch brillanten Geistes. ts.

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Info

  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 28.09.2006

Frankreich 2006

Länge: 1 h 46 min

Genre: Komödie

Originaltitel: La science des rêves

Regie: Michel Gondry

Drehbuch: Michel Gondry

Musik: Jean-Michel Bernard

Produktion: Georges Bermann, Michel Gondry, Frédéric Junqua

Kostüme: Florence Fontaine

Kamera: Jean-Louis Bompoint

Schnitt: Juliette Welfling

Ausstattung: Pierre Pell, Stéphane Rozenbaum