Spitzzüngige und dennoch warmherzige Komödie von und mit der Regisseurin des Kassenerfolges "Lust auf anderes".

Kinostart: 18.11.2004

Marilou Berry
als Lolita

Agnès Jaoui

Agnès Jaoui
als Sylvia

Jean-Pierre Bacri
als Etienne

Laurent Grévill
als Pierre

Grégoire Oestermann
als Vincent

Serge Riaboukine
als F

Virginie Desarnauts
als Karine

Keine Bouhiza
als S

Michèle Moretti
als Edith

Yves Verhoeven
als 1. Neugieriger

Samir Guesmi
als 2. Neugieriger

Jean-Baptiste Blanc
als S

Dimitri Rataud
als Arzt

Jean-Pierre Lazzerini
als Taxifahrer

Jacques Boko
als T

Bob Zaremba
als Typ, den man

Roberte Kiehl
als Pianistin

Emma Beziaud
als Louna

Julien Baumgartner
als Mathieu

Zelie Berger
als Mathieus Freundin

Die Handlung von Schau mich an!

Gern wäre Lolita Cassard (Marilou Berry) ein solch hübscher Hungerhaken wie die neue, praktisch gleichaltrige Frau ihres Vaters. Doch leider hat sie einige Pfunde zuviel auf den Rippen und muss die ihrer Ansicht nach mangelnde erotische Ausstrahlung daher mit kulturellen Hochleistungen kompensieren. Doch das ist - selbst mit viel Talent - gar nicht so einfach, wenn der Vater ein berühmter Erfolgsautor und obendrein supereitler Pfau ist. Sein neuer Protegé Pierre (Laurent Greville) könnte Lolita dagegen schon gefallen.

Woody Allen

Um ihren mit einer fast gleichaltrigen Frau verheirateten, arroganten Vater Etienne zu beeindrucken, einen erfolgreichen Autor, nimmt die pummelige, unsichere Lolita Gesangsstunden bei Sylvie. Die ist verheiratet mit einem von Selbstzweifeln geplagten Schriftsteller. Bald gehört das Paar zum Freundeskreis von Etienne, der die Karriere des Erfolglosen mit einer Portion Vitamin B anschiebt.

Während ihr Schriftsteller-Vater sich mit einer wesentlich jüngeren Frau sowie Ego-schmeichelnden Speichelleckern umgibt, steht die übergewichtige Lolita stets in seinem Schatten. Nur beim Singen blüht der schüchterne Teenager auf. Als Lolita bei Sylvie Gesangsstunden nimmt, knüpft sie den Kontakt zwischen deren Mann, einem erfolgslosen Autor, und ihrem Vater. Schon bald entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den Paaren. Doch die beteiligten Frauen sind es bald satt, nur zweite Geige zu spielen.

Kritik zu Schau mich an!

Fünf Jahre nach ihrem fulminanten Regiedebut "Lust auf Anderes" bezaubert Agnès Jaoui mit dieser neuen spitzzüngigen und dennoch warmherzigen Komödie, unbestritten ein Höhepunkt des Cannes-Festivals. Wie Woody Allen in seinen besten Zeiten mokiert sie sich mit leisem Lächeln über die "sophisticated Spleens" der Großstadt-Neurotiker. Für die delikat gesponnene Geschichte um ein molliges Mädchen auf der Suche nach Identität erhielt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jean-Pierre Bacri eine Palme für das Beste Drehbuch. Verdient hätte das Kino-Glanzstück, das mit Prokino einen deutschen Verleih gefunden hat, durchaus mehr.

Frauen haben's schwer. Jedenfalls im vom Männer dominierten Wettbewerb mit nur zwei Regisseurinnen: Agnès Jaoui und Lucrecia Martel ("La Nina Santa"). Der Französin gelingt eine brillante und spielerisch inszenierte Charakterstudie auf verschiedenen Ebenen. Die Zentralfigur Lolita entspricht nun gar nicht dem Nabokovschen Lolita-Image, sondern ist ein unsicherer Pummel, erinnert in ihrer emotionalen Unbeholfenheit an Bridget Jones & Co. Um ihren mit einer hübschen, dazu noch fast gleichaltrigen Frau verheirateten Vater Etienne zu beeindrucken, einen erfolgreichen Autor, nimmt sie Gesangsstunden bei der verständnisvollen Sylvie (Jaoui), verheiratet mit einem von Selbstzweifeln geplagten Schriftsteller. Bald gehört das Paar zum erlauchten Freundeskreis von Etienne, der die Karriere des Erfolglosen mit einer Portion Vitamin B anschiebt. In dem elitär-intellektuellen Mikrokosmos voller aufgeblasener Egos geht es um das Bild, was wir von uns und was andere von uns haben. Da grämt sich Lolita über ihre Kurven und leidet unter der Missachtung des selbstgefälligen Daddys. Die seelisch verkümmerten Schriftsteller pflegen akribisch ihre Eitelkeiten, während die Frauen das Gefühl haben, nur als Dekoration zu dienen und permanent übersehen zu werden. Dabei sehen die Beteiligten in ihrer Fixierung aufs Geliebt- und Anerkanntwerden den Wald vor lauter Bäumen nicht, verprellen sie diejenigen, die sie mögen - wie Lolita, die alles tut, einen in sie verliebten Journalisten vor den Kopf zu stoßen. Angesiedelt im bürgerlichen Pariser Milieu, lässt Jaoui keine Gelegenheit aus, sich über die Nabelschau und Selbstbeweihräucherung einer typisch französischen Spezies zu mokieren, mit milder und manchmal scharfer Ironie die Schwächen und Stärken ihrer Protagonisten zu zeichnen, aber auch ihren Sehnsüchten Raum zu geben. Nie macht sie sich lustig über die vergeblichen Versuche, aus dem Circulus vitiosus auszubrechen. Ihre ganze Zärtlichkeit gilt der Heranwachsenden, die um die Zuneigung ihres Vaters bettelt und kämpft, in kleinen, schmerzhaften Schritten lernt, nicht nur sich selbst, sondern auch vertrauensvolle Nähe zu akzeptieren. Alle Figuren wissen genau, was sie an Stelle der anderen tun würden, nur bei der eigenen Selbsteinschätzung hapert es - eine dem Zuschauer wohl sehr bekannte Situation. Die Besetzung, angefangen von Jean-Pierre Bacri als gewieftem Zyniker bis hin zu Marilou Berry als Schwergewicht, ist optimal. Aber am meisten amüsieren die wie Diamanten geschliffenen Dialoge. Das Dream-Team Jaoui/Bacri trifft voll ins Schwarze und ins Herz. mk.

Wertung Questions?

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Schau mich an!

Kinostart: 18.11.2004

Frankreich 2004

Länge: 1 h 51 min

Genre: Drama

Originaltitel: Comme une image

Regie: Agnès Jaoui

Drehbuch: Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri

Musik: Philippe Rombi

Produktion: Jean-Philippe Andraca, Christian Bérard

Kostüme: Jackie Budin

Kamera: Stéphane Fontaine

Schnitt: François Gédigier

Ausstattung: Olivier Jacquet

Website: http://www.schaumichan-derfilm.de/

Auszeichnungen

2 x Cannes: