Epos in poetischem Schwarz-Weiß von Oscar-Gewinner Alfonso Cuarón über eine Familie in Mexiko-City.

Kinostart: 06.12.2018

Handlung

Dieser Film des Oscar-Gewinners Alfonso Cuarón porträtiert ein stürmisches Jahr im Leben einer Mittelklassefamilie im Mexiko-Stadt der frühen 1970er-Jahre. (Quelle: Verleih)

Kritik

Zutiefst persönliches Schwarzweiß-Epos von Oscar-Gewinner Alfonso Cuarón über ein Jahr im Leben einer Mittelklassefamilie in Mexico City zu Beginn der Siebzigerjahre.

Einer mit Herz: "Roma" ist Alfonso Cuaróns "Fanny & Alexander", sein "Amarcord", in Film gegossene Erinnerungen an eine Kindheit im Mexiko des Jahres 1971 - die Carte blanche, die der mexikanische Filmemacher nach dem weltweiten Erfolg seines bahnbrechenden Science-Fiction-Films "Gravity" einlöst: In Schwarzweiß und in spanischer Sprache mit außerhalb Mexikos unbekannten Schauspielern gedreht, taucht Cuarón ein in das Leben einer Mittelklassefamilie in dem Stadtbezirk Roma in Mexico City. Man ist einfach nur dabei, wie sich in langen, sanften Einstellungen Alltag entfaltet. Man sieht der Haushälterin Cleo bei ihrem Tagwerk zu, nach und nach kommen die vier Kinder der Familie ins Bild, danach ihre Mutter Sofía, und schließlich parkt auch noch der Patriarch, Doktor Antonio, in der engen Einfahrt des Hauses ein, in einem Ritual, in dem er minuziös hin und her rangiert, um keine Kratzer in der Limousine zu hinterlassen. Kurz darauf wird er seine Frau verlassen. Der Haushalt wird fortan von den Frauen geführt. Männer schneiden ohnehin nicht gut ab: Als Cleo schwanger wird, lässt ihr verantwortungsloser Freund sie sitzen. In zahllosen virtuosen Kamerafahrten begleitet man die Frauen und Kinder Straßenzüge entlang, das ist so realistisch und echt, wie man es sich nur wünschen kann, und doch auch eine echte Wundertüte voller Magie und satter Kinobilder. Und während man sich noch wundert, wie Cuarón, der erstmals sein eigener Kameramann ist, den einen Schuss choreographiert hat, folgt schon die nächste Einstellung, die einen in ihren Bann schlägt und sich ins Gedächtnis brennt. Der kumulative Effekt ist hypnotisch: Ohne jemals einen Plot zu forcieren oder dass die Figuren auf klassische Weise etabliert oder vertieft würden - sie sind einfach nur da und... leben -, werden dem Zuschauer diese Menschen immer vertrauter, nimmt man immer intensiver Anteil an ihrem Treiben. Als die mittlerweile hochschwangere Cleo in der Stadt ein Kaufhaus aufsucht, bricht auf der Straße ein Militärstreich gegen demonstrierende Studenten aus. Jeder andere Filmemacher würde die Einladung annehmen und diesen Aufstand in den Mittelpunkt der Szene rücken. Cuarón zeigt ihn einfach nur durch das Fenster des Kaufhauses, in das der Schrecken dann doch auch noch einbricht. Es ist ein Film über die Lust am Zeigen und Erzählen und Erinnern: die Mutter, die immer Schrammen ins Auto fährt, die Hundehaufen, die sich in der Einfahrt ansammeln, Songs im Radio wie Yellow River - das sind nicht einfach Filmideen, es sind Splitter aus Cuaróns eigener Kindheit. Und "Roma" ein Ausrufezeichen, sie niemals zu vergessen, wenn man Mensch bleiben will. ts.

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Info

Plakat des Films: Roma
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 06.12.2018

Mexiko 2018

Länge: 2 h 15 min

Genre: Drama

Originaltitel: Roma

Regie: Alfonso Cuarón

Drehbuch: Alfonso Cuarón

Produktion: Alfonso Cuarón

Ausstattung: Eugenio Caballero

Website: https://www.netflix.com/de/title/80240715

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