Drama um einen verhinderten Koch, der in Andalusien durch Zufall ein neues Leben beginnt.

Kinostart: 09.06.2005

Handlung

Gemeinsam betreiben die Jugendfreunde Jan (Peter Lohmeyer), Rudi (Hilmi Sözer) und Kati (Outi Mäenpää) schon seit Jahrzehnten eine Eckkneipe in Mühlheim an der Ruhr. Nun hat Rudi keine Lust mehr und steigt auf iberischer Scholle aus. Eine gute Gelegenheit, die Hütte endlich zum spanischen Spezialitätenrestaurant aufzumotzen, finden Jan und Kati. Pech nur, dass ihnen Rudi 25.000 Euro Schulden hinterlassen hat. Aber so leicht lassen sich die beiden nicht entmutigen: Sie eilen dem Betrüger Richtung Süden hinterher.

Unter wohldosierter Verwendung lakonischen Humors und Vermeidung dramaturgischer Mätzchen erzählt Peter Lichtefeld ("Zugvögel... einmal nach Inari") einmal mehr von Außenseitern auf der Suche nach einem Stück vom Glück.

Statt Sternekoch zu werden, brät Jan Buletten in der Eckkneipe seines Kumpels Rudi, der mit seiner finnischen Traumfrau Kati zusammen ist. Als Rudi sich nach Spanien absetzt, um ein Hotel zu bauen, schenkt er Jan die Kneipe, verheimlicht ihm aber, dass er die Steuern der vergangenen Jahre unterschlagen hat. Als das Finanzamt vor der Tür steht, reist Jan Rudi sofort hinterher.

Als sich Rudi, Besitzer einer Eckkneipe in Köln-Mülheim, eines Tages Richtung Spanien aus dem Staub macht, wittert dessen Jugendfreund, der passionierte Koch Jan, seine Chance. Er übernimmt nicht nur die schlecht gehende Kaschemme, sondern gleich auch Kati, die lang begehrte, rüde abgelegte Freundin seines Kumpels. Leider stellt sich bald heraus, dass Rudi nichts als Schulden hinterlassen und Jan wie Kati nach allen Regeln der Kunst belogen und betrogen hat. Also begibt sich Jan auf die Suche nach dem verräterischen Freund.

Kritik

Sechs Jahre nach "Zugvögel...einmal nach Inari" präsentiert Peter Lichtefeld seinen zweiten Kinofilm "Playa del Futuro", eine lakonische Geschichte über Verwirklichung von scheinbar unerfüllbaren Träumen, die über die Macht des Faktischen triumphiert. Peter Lohmeyer glänzt als leidenschaftlicher Koch und sympathischer Loser, der die Tristesse einer Eckkneipe in Köln-Mülheim hinter sich lässt und in Andalusien das Glück findet.

Der Prolog wirkt hoffnungsvoll: Drei junge Leute - Jan, Rudi und Kati - haben große Träume, das Leben liegt vor ihnen, sie müssen nur zugreifen. 15 Jahre später hängen sie immer noch in der heruntergekommenen Kneipe "Ohne Ende" herum, Endstation Sehnsucht. Rudi spuckt als Besitzer große Töne und verlässt seine finnische, bei ihm kellnernde Freundin Kati, um in Spanien ein Hotel aufzumachen. Für Jan die Chance, nicht nur das Lokal zu übernehmen, sondern auch bei der Frau zu punkten, der schon lange seine heimliche Liebe gilt, aus Schüchternheit traute er sich nie, seine Gefühle zu offenbaren. Gemeinsam renovieren sie die Kaschemme, die Annäherung geschieht spröde und vorsichtig, beide fürchten sich vor neuen Verletzungen. Am Eröffnungsabend des gemütlichen spanischen Restaurants folgt die böse Überraschung. Der falsche Freund schuldet dem Finanzamt 25000 Euro, die sie jetzt bezahlen sollen.

Mit trockenem Humor und ohne jegliche Hektik erzählt Peter Lichtefeld vom Pechvogel Jan, der nach Andalusien auszieht, um das Geld von Rudi einzutreiben und dabei in einem einsamen Bahnhof auf ein buntes Grüppchen gestrandeter Individuen trifft, die alle auf das ganz persönliche Glück und die Erfüllung ihrer Träume warten - von der Deutschen Angie über einen ungarischen Seemann bis hin zur streng katholischen Andalusierin. Und alle kriegen das, was sie wollen.

Trotz eines etwas skurrilem Happy End ist hier nichts sacharin-süß, sondern "Playa del Futuro" ist ein herbes Stück Kino, an das man sich gewöhnen und auf das man sich einlassen muss, fehlt es doch an Aktionismus oder Dramatik. Wie in "Zugvögel... einmal nach Inari" gibt es hier kein Wort zuviel, lassen sich die vom Schicksal gebeutelten Helden nicht klein kriegen, sondern kämpfen, werden Verlierer zu Gewinnern. Mit Peter Lohmeyer, Nina Petri, Hilmi Sözer und Kati Outinen, die eine kleine Gastrolle spielt, sammelt Lichtefelde erneut seine Lieblingsschauspieler um sich, die auch ihr Herz einbringen. Was vor Jahren noch als Gangsterstory angelegt war, entwickelte sich mit der Zeit zum unspektakulären Porträt eines 40jährigen Mannes, der nach und nach seine Zögerlichkeit über Bord wirft und sich dem Erwachsensein stellt, Leidenschaft ausprobiert - beim Kochen und in der Beziehung. Weggehen, um anzukommen. mk.

Wertung Questions?

FilmRanking: 13852 -104

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Playa del futuro

Kinostart: 09.06.2005

Deutschland 2005

Länge: 1 h 34 min

Genre: Drama

Originaltitel: Playa del futuro

Regie: Peter Lichtefeld

Drehbuch: Dirk Drebelow, Peter Lichtefeld

Musik: Christian Steyer

Produktion: Jörn Rettig

Kostüme: Brigitte Nierhaus

Kamera: Stefan Wachner

Schnitt: Bernd Euscher

Ausstattung: Claus Kottmann

Website: http://www.playadelfuturo.de

Ticker

Kino&Co Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.