Einfühlsames Roadmovie um eine Vater-Sohn-Beziehung.

Kinostart: nicht bekannt

Handlung

Der zehnjährige, leukämiekranke Paul weiß, daß er bald sterben muß und möchte noch etwas Zeit mit seinem von der Mutter getrennt lebenden Vater Michael verbringen. Der ist LKW-Fahrer und ständig unterwegs. Paul schleicht sich als schwarzer Passagier in seinen Laster ein. Als Michael ihn in Frankreich entdeckt, will er ihn zurückschicken, doch langsam raufen sich die beiden zusammen.

Einfühlsames Roadmovie um eine Vater-Sohn-Beziehung.

Kritik

Mit einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung und sensiblen Annäherung zwischen Kind und Erwachsenem beschäftigt sich René Heisig in seinem stimmigen Erstlingswerk. Peter Lohmeyer überzeugt als scheidungsgeschädigter Rabenvater durch beste darstellerische Leistung.

Ein fast alltägliches Kinderschicksal: Der 10jährige Paul lebt bei seiner Mutter, die Eltern haben sich vor Jahren getrennt. Die Kontakte zum Vater beschränken sich primär auf dessen Postkartengrüße und sporadische Telefonate. Der Lastwagenfahrer Michael ist viel unterwegs, Verantwortung für sein Kind weicht er aus. Als eine überwunden geglaubte Krankheit bei Paul wieder ausbricht, will er nicht ins Krankenhaus, sondern versteckt sich in der LKW-Kabine seines Vaters. Der zeigt sich wenig erfreut über die Anwesenheit seines Filius, der Zeitdruck sitzt ihm im Nacken, er muß im Eiltempo durch Europa brettern, um den Laster abzuzahlen. Während die Mutter verzweifelt ihren Sohn sucht, fährt Paul mit seinem Erzeuger durch Frankreich, nähern sich Vater und Sohn einander an, wächst Michael immer mehr in die Vaterrolle hinein und akzeptiert letztendlich Verantwortung. Und obgleich die Krankheitssymptome bei Paul zunehmen, erfüllt er ihm seinen größten Wunsch - eine Fahrt ans Meer.

In einer gefühlvollen, aber nicht sentimentalen Mischung aus Kinder- und Familienfilm zeichnet René Heisig in seinem Hochschul-Abschlußfilm Konfliktsituationen; Folgen zerrütteter Familienverhältnisse, ohne ins sozialpädagogische Lamentieren zu verfallen. Aus der Perspektive des Kindes beschreibt der Absolvent der HFF München die Suche nach väterlicher Liebe und Anerkennung, gleichzeitig berücksichtigt er auch in Ansätzen die Sicht des Erwachsenen; kontrastiert die unterschiedlichen Wünsche und Wirklichkeiten, wenn der Junge den Vater an falsche Versprechen und das Desinteresse an seiner Lebenswelt erinnert. Es sind Details, die zählen: wenn Michael vergaß, zu einem wichtigen Fußballspiel zu kommen oder verwechselt, daß Paul Torwart ist und nicht Stürmer. Dann glaubt man, Pauls Enttäuschung fast physisch zu spüren. Heisig erzählt in diesem Roadmovie mit der Musik von Fury in the Slaughterhouse von der Kraft kindlicher Sehnsucht und davon, wieviel unmittelbarer Kinder leben, wie sie die Erwachsenen zwingen, nicht immer aus der Gegenwart zu flüchten. Absolute Starqualität beweist Peter Lohmeyer, der - selbst Vater von vier Kindern - die Dünnhäutigkeit und Verletzbarkeit der männlichen Hauptfigur in allen Facetten optimal verkörpert. mk.

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Info

Plakat des Films: Pauls Reise
  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 1997

Länge: 1 h 28 min

Genre: Drama

Originaltitel: Pauls Reise

Regie: René Heisig

Drehbuch: René Heisig

Produktion: Alena Rimbach

Kamera: Fritz Seemann

Schnitt: Melanie Werwie

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