Packender Fantasyfilm, in dem sich ein zwölfjähriges Mädchen vor der Brutalität des Franco-Regimes in eine verlockend schillernde Märchenwelt flüchtet.

Kinostart: 22.02.2007

Sergi Lopez

Sergi Lopez
als Vidal

Maribel Verdú
als Mercedes

Ivana Baquero
als Ofelia

Doug Jones
als Pan/ Pale Man

Álex Angulo
als Der Arzt

Ariadna Gil
als Carmen

Roger Casamajor
als Pedro

Cesar Bea
als Serrano

Federico Luppi
als Casares

Manolo Solo
als Garces

Handlung

1944. Das Mädchen Ofelia (Ivana Baquero) zieht mit ihrer hochschwangeren Mutter (Ariadna Gil) zu deren neuem Gatten (Sergi López) ins ländliche Nordspanien. Der Stiefvater, Kapitän des siegreichen faschistischen Franco-Regimes, geht mit unvorstellbarer Brutalität gegen die Rebellen vor, die sich in den Wäldern verschanzt halten. Schon bei der Ankunft weist Ofelia ein mysteriöses Insekt den Weg in ein altes Steinlabyrinth. Dort haust ein Faun (Doug Jones), der ihr offenbart, sie sei eine verlorene Prinzessin. Er lockt sie immer tiefer in sein Reich.

"Hellboy"-Regisseur Guillermo del Toro kehrt nach "The Devil's Backbone" erneut zum spanischen Bürgerkrieg zurück. Er schafft ein verstörendes Meisterwerk, in dem visuell überwältigende Traumfantasien mit den realen Gräueln des Krieges eindringlich verschmelzen.

Die zwölfjährige Ofelia reist mit ihrer schwangeren Mutter zu deren neuen Ehemann, Franco-General Vidal, der in den spanischen Wäldern Jagd auf eine Guerilla-Gruppe macht. Ofelia entdeckt ein steinernes Labyrinth und macht Bekanntschaft mit einem Faun, der ihr offenbart, sie sei die verlorene Prinzessin eines unterirdischen Königreichs und müsse drei Aufgaben erfüllen, um dorthin zurückzukehren. Zugleich zwingt die unfassbare Brutalität Vidals den Widerstand dazu zu handeln.

Während des Spanischen Bürgerkriegs verschlägt es die zwölfjährige Ofelia und deren Mutter in ein abgeschiedenes Waldgebiet. Dort macht der neue Ehemann und (Stief-)Vater, der unerbittliche Capitan Vidal, Jagd auf Rebellen. Um der knallharten Wirklichkeit zu entrinnen, flüchtet sich Ofelia immer wieder in eine Fantasiewelt, in der seltsame Elfen, grässliche Ungeheuer und listige Faune ihr Unwesen treiben. Am Ende ist es das kleine Mädchen, das Vidal das Handwerk legen kann, doch der Preis, den Ofelia dafür bezahlen muss, ist hoch.

Kritik

Nach "The Devil's Backbone" aus dem Jahr 2001 erzählt Guillermo Del Toro ("Hellboy") erneut eine fantastische Geschichte aus der Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg. Klassische Märchenmotive prallen auf eine düstere Vision der Realität, die eine Zwölfjährige Zuflucht in einer Fantasiewelt suchen lassen.

Es ist ein gewagter Balanceakt, auf den sich Guillermo Del Toro da eingelassen hat: Gegensätzlichere Welten als ein verlockend gülden schillerndes Märchenuniversum, angefüllt mit wundersamen Wesen wie Faunen, Elfen, surrealen Monstern und unendlichen Möglichkeiten, und eine von Gewalt und Unterdrückung geprägte Realität, in der sich der spanische Faschismus in Gestalt einer omnipotenten Herrscherfigur manifestiert und seinen ganzen wahnwitzigen Schrecken unter der Bevölkerung verbreitet, kann man sich nicht vorstellen. Auf den ersten Blick. Denn die Kunst von "Pan's Labyrinth" ist eben nicht nur, dass man den unmittelbaren Zusammenprall der beiden Universen akzeptiert, sondern dass sie schlussendlich als nicht mehr voneinander trennbar erscheinen.

Del Toro arbeitet auf der Höhe seiner Kunst und erschafft mit Hilfe seines technischen Stabes eine Filmwelt, die nicht überzeugender sein könnte. Insofern verweist dieser mit Symbolen und Metaphern angereicherte Irrgarten einer Geschichte nicht nur auf die in der selben Ära angesiedelte Geistergeschichte "The Devil's Backbone", sondern auch auf Del Toros vorangegangenen Hollywood-Hit "Hellboy". Gleich in den ersten Szenen wird man auf das fantastische Element eingestimmt, wenn man von einem verwunschenen Königreich erfährt, in dem der König nach dem Tod seiner Tochter nicht ruhen will, bis die Prinzessin wieder zurückkehrt. Schnitt auf den zwölfjährigen Bücherwurm Ofelia im faschistischen Spanien Francos, die gerne in die Traumwelt ihrer Bücher eintaucht, um der bitteren Realität zu entfliehen: Ihre Mutter hat nach dem Tod des Vaters neu geheiratet, den Franco-General Vidal, der in den Wäldern nach Aufständischen jagt und sich als sadistischer Despot erweist, wie man als Zuschauer anhand einer ungemein rohen Szene erfährt, in der zwei unschuldige Kaninchenjäger von Vidal ermordet werden. Gleichzeitig stößt Ofelia in ihrem neuen Zuhause auf ein steinernes Labyrinth und macht Bekanntschaft mit einem Faun, der ihr offenbart, sie sei die verlorene Prinzessin eines unterirdischen Königreichs und müsse drei Aufgaben erfüllen, um dorthin zurückzukehren. Fortan springt der Film zwischen wundersamen Erlebnissen mit Riesenkröten und kinderfressenden Monstren und den verzweifelten Versuchen der Guerilla, Vidal Einhalt zu bieten.

Die kritischsten Momente hat "Pan's Labyrinth" in den Eingangsszenen, wenn er seine Welt ausbreitet. Ist sie erstmal etabliert, macht der gnadenlos zwingend konstruierte Film keinen Fehler mehr, was einerseits an Del Toros beachtlichen inszenatorischen Fertigkeiten und seiner visuellen Stärke liegt, andererseits aber auch an Darstellern wie Sergi Lopez, der mit seinem General Vidal einen der faszinierendsten Bösewichte der Filmgeschichte schafft, oder Maribel Verdu als Haushälterin, die ihre Messerkünste an Schweinen aller Art unter Beweis stellt. Wenn im Showdown schließlich E.T.A. Hoffmann, Luis Bunuel und George Romero in gleichen Maßen heraufbeschworen werden, ist klar, dass Guillermo Del Toro einen zeitlosen Meilenstein des Genres geschaffen hat: Aus diesem eng gesteckten Labyrinth findet man so schnell nicht mehr hinaus. ts.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 22.02.2007

Mexiko/Spanien/USA 2006

Länge: 1 h 59 min

Genre: Fantasy

Originaltitel: El Laberinto del Fauno

Regie: Guillermo Del Toro

Drehbuch: Guillermo Del Toro

Musik: Javier Navarrete

Produktion: Guillermo Del Toro, Alfonso Cuarón, Bertha Navarro, Frida Torresblanco

Kostüme: Lala Huete

Kamera: Guillermo Navarro

Effekte: Reyes Abades, Everett Burrell, Eward Irastorza, Emilio Ruiz

Schnitt: Bernat Vilaplana

Ausstattung: Eugenio Caballero, Pilar Revuelta

Auszeichnungen

1 Oscar:

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