Melancholisches, poetisch angehauchtes Drama, in dem sich die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischen: In der Anonymität eines Großflughafen kreuzen sich die Schicksale verschiedener Menschen.

Kinostart: 04.11.2010

Natacha Régnier
als Gretchen

Bruno Todeschini
als Vincent

Maren Eggert

Maren Eggert
als Sabine

Emile Berling
als Ben

Josse de Pauw
als Theo

Mireille Perrier
als Helen

Jirka Zett
als Jirzy

Lina Falkner
als Sara

Handlung

Am Flughafen Orly: Eine junge Französin auf dem Weg zu ihrem Mann in Montreal findet Gefallen an einem Musikproduzenten, der auf ihre Avancen aber nicht reagiert. Eine Mutter begleitet ihren Sohn zur Beerdigung des Vaters, sie erzählt von ihrem Ehebruch, und der Junge outet sich als schwul. Ein deutsches Rucksackpärchen redet aneinander vorbei. Eine Frau, die ihren Mann verlassen hat, traut sich erst im Gewühl, seinen Brief zu lesen.

Kritik

In der Anonymität eines Großflughafen kreuzen sich die Schicksale verschiedener Menschen, die ihre Wartezeit mit banalen Gesprächen und bedeutsamen Schweigen überbrücken.

"Im Wartesaal zum großen Glück, da warten viele, viele Leute" hieß es mal in einem deutschen Schlager, und dieser lapidare Satz fasst eigentlich schon die Geschichte zusammen. Im anonymen Raum des Flughafens Orly, den die Pariser scheuen wie die Pest, versuchen Passagiere die Zeit irgendwie herumzubringen. Im Gewühl kristallisieren sich einige Menschen heraus, die Angela Schanelec in bewährter und bewusster Langsamkeit beobachtet.

Fast dokumentarisch wirken die Aufnahmen, gedreht wurde mit zwei Kameras bei vollem Flughafenbetrieb, oft mit langen Brennweiten. So verdecken schon mal Köpfe die Protagonisten oder kommt ungewohnte Hektik ins Spiel, wenn jemand mit dem Trolly durchs Bild läuft, verschwinden die starken Darsteller (vor allem Natacha Régnier und Bruno Todeschini) in der Masse.

In der ersten Hälfte wecken die Dialoge und Geschichten Interesse - eine junge Französin auf dem Weg zu ihrem Mann in Montreal findet Gefallen an einem Musikproduzenten, der auf ihre Avancen aber nicht reagiert, eine Mutter begleitet ihren Sohn zur Beerdigung des Vaters, sie erzählt von ihrem Ehebruch und der Junge outet sich als schwul - Sprachlosigkeit, Irritation. Doch dann ist die Luft raus, wenn ein deutsches Rucksackpärchen schrecklich gestelzt aneinander vorbeiredet und die Frau, die ihren Mann verlassen hat und sich erst in der Menge traut, seinen Brief zu lesen, bekommt zu wenig Raum.

Die Komposition des Films mit melancholischem Unterton scheint manchmal dissonant. Kleine Geheimnisse werden ausgetauscht, die großen verschwiegen in der lauten Geräuschkulisse, narrative Fäden sind so fein gesponnen, dass der Zuschauer sie trotz zarter Poesie fast verliert, die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit einer Abflughalle verwischen sich, ein Ort der Vergänglichkeit und des Aufbruchs, der Sehnsucht und des Verlangens, der zerplatzten Träume und leisen Hoffnungen, wo eigentlich nichts passiert, aber vieles möglich scheint. Weit weg vom klassischen Erzählkino spielt die Repräsentantin der "Berliner Schule" mit vielen Fragmenten, die nicht immer ein Ganzes ergeben. Der Minimalismus und der Verzicht auf berührende Emotionen muss nicht jedem gefallen. .mk.

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Info

Kinostart: 04.11.2010

Deutschland/Frankreich 2010

Länge: 1 h 23 min

Genre: Drama

Originaltitel: Orly

Regie: Angela Schanelec

Drehbuch: Angela Schanelec

Produktion: Angela Schanelec, Gian-Piero Ringel, Céline Maugis, Christophe Delsaux

Schnitt: Mathilde Bonnefoy

Website: www.orly-der-film.de/