Roman Polanskis sorgfältige und sehr persönliche Verfilmung des ersten Romans von Charles Dickens.

Kinostart: 22.12.2005

Barney Clark
als Oliver Twist

Ben  Kingsley

Ben Kingsley
als Fagin

Jamie Foreman
als Bill Sykes

Harry Eden
als Dodger

Leanne Rowe
als Nancy

Lewis Chase
als Charley Bates

Edward Hardwicke
als Mr. Brownlow

Jeremy Swift
als Mr. Bumble

Mark Strong
als Toby Crackit

Jake Curran
als Barney

Ophelia Lovibond
als Bet

Frances Cuka
als Mrs. Bedwin

Chris Overton
als Noah Claypole

Michael Heath
als Mr. Sowerberry

Gillian Hanna
als Mrs. Sowerberry

Teresa Churcher
als Charlottte

Alun Armstrong
als Mr. Fang

Ian McNeice
als Mr. Limbkins

Andy de la Tour
als Arbeitshaus Direktor

Peter Copley
als Assistent des Direktors

Liz Smith
als Cottage Frau

Frank Finlay

Handlung

Im London des 19. Jahrhunderts gerät der neunjährige Waisenjunge Oliver Twist (Barney Clark) vom Regen in die Traufe, als er aus üblen Kinderarbeitshäusern direkt in die aufnahmebereiten Arme des Gauners Fagin (Ben Kingsley) und seiner Kinderdiebesbande flieht. Als der gutbürgerliche Mr. Brownlow (Edward Hardwicke) in Oliver den vermissten Sohn einer Nichte zu erkennen glaubt, scheint sich das Schicksal zum Guten zu wenden. Fagins skrupelloser Partner Sykes (Jamie Foreman) aber hat andere Pläne.

Persönliche Einflüsse mischen sich mit literarischen, wenn die einstige Kriegswaise Roman Polanski das wohl berühmteste Werk des britischen Literaten Charles Dickens einer weiteren cineastischen Interpretation unterzieht.

Waise Oliver wächst im Armenhaus heran und wird zum Leichenbestatter Sowerberry in die Lehre gegeben. Als er von dort flüchtet, trifft er auf Bande von Kindertaschendieben, die für den Hehler Fagin arbeitet. Oliver soll der Bande beitreten, doch bereits nach kurzer Zeit wird er von Mr. Brownlow, den er bestehlen wollte, erwischt. Anstatt ihn der Polizei zu übergeben, nimmt Brownlow den Jungen bei sich auf und ist erfreut, als sich herausstellt, dass Olivers Mutter seine Nichte war. Der Ganove Sikes entführt kurz darauf Oliver, doch seine Freundin Nancy verhilft ihm zur Flucht. Sikes kann zwar Oliver wieder einfangen, wird aber selbst von einer Menschenmenge gejagt und schließlich getötet.

Der Waisenjunge Oliver Twist wächst in einem Armenhaus auf. Als billige Arbeitskraft soll er dem Leichenbestatter Sowerberry zu Hand gehen. Doch Oliver nimmt Reißaus und schließt sich einer Bande von Kindertaschendieben an, die für den Hehler Fagin arbeitet. Aber schon nach kurzer Zeit wird Oliver von Mr. Brownlow, einem reichen Gentleman, auf frischer Tat ertappt. Statt jedoch den kleinen Dieb der Polizei zu übergeben, beschließt er, ihn bei sich aufzunehmen. Doch ganz so leicht lässt Fagin seinen neuen Taschendieb nicht ziehen.

Kritik

Polanski meets Dickens! Polens Starregisseur schafft in dieser nunmehr fünften Leinwand-Adaption des berühmten Romans einen neuen Zugang zur klassischen Geschichte über den Waisenjungen Oliver Twist, der im 19. Jahrhundert nach einer Elendskarriere im Waisen- und Armenhaus in die Fänge einer Diebesbande gerät und das Überleben lernt. Als böser Fiesling Fagin glänzt ein kaum wiederzuerkennender Ben Kingsley.

Nach dem Erfolg von "Der Pianist" wollte Roman Polanski einen Familienfilm drehen, ein Märchen für junge Menschen und einen Film für seine eigenen Kinder. Mit "Oliver Twist", dem zweiten Roman des damals 25jährigen Charles Dickens, greift er einen zeitlosen Stoff auf - die Ausbeutung von Straßenkindern durch Kriminelle. Das Martyrium des 11-jährigen, der erst wie ein Sklave in den damals üblichen Arbeitshäusern der Gemeinde schuften musste, dann bei einem Leichenbestatter in die Lehre geht, nach London flieht und unter der Fuchtel des geldgierigen Fagin als Taschendieb arbeiten soll, ist wie ein düsterer Schicksals-Thriller inszeniert, am Ende des Alptraums steht die Erlösung - Oliver wird vom gutbürgerlichen Mr. Brownlow quasi adoptiert, bekommt ein Stück verlorene Kindheit zurück. Bis dahin schlägt sich der Findling mit allen Unbillen der Welt herum. Nicht nur Fagin hält ihn unter Kontrolle, noch skrupelloser behandelt ihn Obergauner Bill Sykes, der ihn zwingt, bei seinem Gönner Brownlow einzubrechen und nach einer Schussverletzung am liebsten loswerden möchte, sogar seine Geliebte Nancy abmurkst, als er Verrat wittert. Polanski stützt sich fast auf das ganze Team von "Der Pianist" - angefangen von Drehbuchautor Ronald Harwood, über Kameramann Pawel Edelman, Ausstatter Allan Starski, Cutter Hervé de Luze bis hin zur exzellenten Kostümdesignerin Anna Sheppard. So verwundert die Perfektion des Gesamtkunstwerks nicht. Polanski strafft die Handlungsstränge, wie im Original wechseln sich Horror und Humor ab, das Gute und das Böse. Aussagekräftig die Charaktere, angefangen von der Neuentdeckung Barney Clark in der Titelrolle, eine probate Mischung aus Naivität, Unschuld und Durchsetzungswillen, Jamie Foreman als Sykes, die Verkörperung des Brutalen schlechthin, den die göttliche Gerechtigkeit bei der Flucht auf dem Dach einholt, Leanne Rowe als warmherzige Nutte Nancy, die ihre Hilfe für Oliver mit dem Leben bezahlt, Harry Eden als gewiefter und charmanter Taschendieb Dodger. Unschlagbar Ben Kingsley: Er spielt Fagin, dessen jüdische Identität im Gegensatz zum Buch in den Hintergrund tritt, als tragische Figur zwischen berechnendem Bandenchef und mitleiderregendem Wrack, von dem sich Oliver in der Todeszelle mit Tränen verabschiedet. Auch Fagin ist ein Opfer der Gesellschaft, die ihn zum Kriminellen machte, wie die Jungs, die für ihn arbeiten. In Polanskis "Oliver Twist" stimmen die Details bis zu den Lumpen, in denen Oliver sich gen London schleppt, die Metropole mit ihren schmutzigen Gassen und lebendigen Märkten bildet eine eigenständige Figur und Edelmans Kamera gibt Außen- und Innenszenen erst die atmosphärische Dichte und eine bemerkenswerte visuelle Kraft mit exorbitanten Bilderwelten. Besonders in der Weihnachts- und Winterzeit sollte dieses Märchen die Herzen von Groß und Klein erwärmen. mk.

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Info

Plakat des Films: Oliver Twist
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 22.12.2005

Frankreich/Großbritannien/Italien/Tschechien 2005

Länge: 2 h 10 min

Genre: Drama

Originaltitel: Oliver Twist

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Ronald Harwood

Musik: Rachel Portman

Produktion: Roman Polanski, Robert Benmussa, Alain Sarde

Kostüme: Anna B. Sheppard

Kamera: Pawel Edelman

Schnitt: Hervé de Luze

Ausstattung: Allan Starski, Keith Pain