Die beiden Oscar-Gewinner Penélope Cruz und Javier Bardem als ehemaliges Liebespaar in einem Drama über ein verschwundenes Mädchen und die dunklen Geheimnisse einer Familie.

Kinostart: 27.09.2018

Handlung

Für die Hochzeit ihrer Schwester Ana kehrt Laura (Penélope Cruz) mit Tochter Irene und Sohn Diego in ihren Heimatort in Spanien zurück. Ihr Mann, der reiche Argentinier Alejandro (Ricardo Darín) bleibt zuhause in Buenos Aires. Ein großes Wiedersehen in dem kleinen Dorf, ein großes Fest. Auch das Aufeinandertreffen von Laura und ihrer Jugendliebe Paco (Javier Bardem), der inzwischen ebenfalls glücklich verheiratet ist, trübt die Stimmung nicht.

Doch dann verschwindet Irene. Die einzige Spur: Zeitungsausschnitte über ein Mädchen, das vor Jahren entführt und nicht mehr lebend gefunden wurde. Die Dorfgemeinschaft ist in Aufruhr, sucht panisch nach dem verschwundenen Teenager. Argwohn macht sich breit. Ein Fremder kann nicht an Irenes Verschwinden schuld sein. Wer aber von den bekannten Gesichtern, von denen man nie eine Schandtat vermutet hätte, wäre zu einer Entführung in der Lage? Wer hätte ein Motiv? Es dauert nicht lange, bis die ersten Verdächtigungen und Anschuldigungen geäußert werden ...

Kritik

"Everybody Knows" mag nicht der beste Film des iranischen Meisterregisseurs Asghar Farhadis sein, ist aber der beste Eröffnungsfilm in Cannes seit Jahren.

Farhadi, auf der Berlinale entdeckt, ist seit "Le passé - Das Vergangene" Dauergast in Cannes und hatte zuletzt mit "The Salesman" begeistert (und den Drehbuchpreis gewonnen). "Everybody Knows" ist jetzt unverkennbar Farhadi. Und doch auf unerwartete Weise ganz anders. Und vor allem besser als die letzten Enttäuschungen zu Beginn des Festivals, als Thierry Frémaux eher schwache französische Produktionen zur Eröffnung geschickt hatte.

Laura kommt nach Jahren zurück in ihr Heimatdorf, irgendwo außerhalb von Madrid, wo ihre Schwester heiratet. Sie hat ihre beiden Kinder dabei, ihr Mann ist in Argentinien geblieben. Man begrüßt sich, begegnet sich, und ob man will oder nicht, werden alte Wunden aufgerissen. Laura hatte einst eine heiße Affäre mit Paco, dem Sohn des Dieners, mit dem sie groß geworden ist in dem Haus ihrer Eltern und der es als Weinbauer zu einigem Ansehen gebracht hat. Er ist glücklich mit seiner Frau, die er liebt. Jeder weiß davon. Es ist ein Dorf, die Dinge sprechen sich herum. Jeder weiß auch, dass Laura Paco verlassen hat und mit ihrem jetzigen Mann ins Ausland gegangen ist. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn während der Hochzeitsfeier nicht ein Verbrechen passieren würde, eine Entführung. Und auf einmal ist es eben nicht mehr so einfach, das einstmals Vorgefallene wegzulächeln. Jetzt geht es um Leben oder Tod. Und auf einmal wird wichtig, was wer wann über wen gewusst hat.

Asghar Farhadi hat einen Genrefilm gemacht. Fast. Was heißt, dass es ein Verbrechen gibt, das Triebfeder der Handlung ist und als eine Art Brandbeschleuniger für das Drama dient. Was heißt, dass sich Farhadi, dieser Meister psychologisch feinst austarierter Geschichten, deren Handlung sich wie selbstverständlich einfach nur aus der Begegnung seiner Figuren zu entwickeln scheinen, siehe "Nader und Simin - Eine Trennung" , siehe "Le passé - Das Vergangene", hier erstmals in die Karten blicken lässt: Er wendet ganz klare Storybeats und -entwicklungen an, wie es sie eben geben muss, wenn man einen Thriller dreht. Aber er unterwirft sich ihnen nicht. Nie ist es Selbstzweck, was er macht. Es dreht sich nicht alles um die Spannungselemente und das Lösen eines Falls. Sondern um die Figuren, die damit in Berührung kommen, was sie wissen und was nicht und was das bedeutet für ihr Zusammenleben. "Jeder weiß", heißt der Film - und so kommt eine wichtige Enthüllung etwa in der Mitte der Handlung eben nicht überraschend. Jeder weiß, dass sie kommen wird, kommen muss, die Figuren ebenso wie das Publikum. Entscheidend ist, was sie bedeutet, was sie mit den betroffenen Menschen anstellt. Und da zeigt sich dann, was für ein exzellenter Menschenkenner Farhadi ist. Es gibt keinen Showdown im eigentlichen Sinne, wie man es vielleicht erwarten würde, sondern eine Auflösung, die nachwirkt und einen beschäftigt, weil mit Ende des Films das Leben der Menschen eben nicht auch endet.

Erstmals hat Farhadi in Spanien gedreht, auf Spanisch, und noch dazu mit zwei spanischen Superstars in der Hauptrolle, Penelope Cruz und Javier Bardem, zwei überlebensgroße Darsteller, weshalb "Everybody Knows" eigentlich zwingend ein Kinofilm mit großem "K" sein musste. Das hat Farhadi gemeistert, fast ist sein Film ein richtiges Melo, und doch hat er ein so feines Netz gesponnen und Brüche eingebaut, dass man über eine gewisse Schlichtheit der Zeichnung der Figuren hinwegblicken kann. Wenn am Schluss das Kreuz in der Mitte des Dorfplatzes mit Wasser abgesprüht wird, ist Hoffnung. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 27.09.2018

Spanien/Frankreich/Italien 2018

Länge: 2 h 13 min

Genre: Drama

Originaltitel: Todos lo saben

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi

Musik: Javier Limón

Produktion: Alvaro Longoria, Alexandre Mallet-Guy

Kostüme: Sonia Grande

Kamera: José Luis Alcaine

Schnitt: Hayedeh Safiyari

Ausstattung: María Clara Notari

Website: http://www.offenesgeheimnis-derfilm.de

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