Ausgezeichnetes spanisches Beziehungsdrama, das einfühlsam den Fluchtversuch einer Frau vor ihrem gewalttätigen Ehemann schildert.

Kinostart: 04.08.2005

Laia Marull
als Pilar

Luis Tosar

Luis Tosar
als Antonio

Candela Peña
als Ana

Handlung

Wieder mal ist Pilar (Laia Marull) vor ihrem Schlägergatten Antonio (Luis Tosar) geflüchtet, diesmal Hals über Kopf mit dem Sohn unterm Arm. Bei der Familie der Schwester erholt sie sich erst mal ein paar Tage. Doch Antonio lässt nicht locker, verspricht, sich zu ändern und endlich eine Therapie zu beginnen. Pilar erhört ihn und tatsächlich geht eine Zeit lang alles gut. Dann aber wecken ihre neue Selbständigkeit und der berufliche Erfolg in Antonio die alte Wut.

Starke Schauspielerleistungen und klare Fronten im inhaltlich etwas klischeehaften Beziehungsdrama und nunmehr dritten Film der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín.

Pilars Mann Antonio hat ein Problem mit seiner Selbstbeherrschung, was nach langer schmerzhafter Zeit der Duldung dazu führt, dass Pilar schließlich mit ihrem Sohn zu ihrer Schwester flüchtet. Antonio beginnt endlich eine Therapie, Pilar nimmt einen neuen Job an und scheint einen Lebenstraum verwirklichen zu können. Doch ihre Liebe zu Antonio lässt sie nicht zur Ruhe kommen.

Kritik

Ehe als Gewalt-Spirale ohne Ausweg. Für eine junge spanische Mutter ist dieser Schrecken Wirklichkeit, dennoch kehrt sie nach einer kurzen Auszeit zu ihrem Mann zurück und hofft auf eine "normale" Beziehung. Als sie einen Job annimmt und er vor Eifersucht wieder mal ausrastet, steht sie vor einer existenziellen Entscheidung. Die mit sieben Goyas ausgezeichnete psychologisch spannende Studie über Gewalt, Abhängigkeit und falsche Liebe sollte nicht nur Frauen ansprechen.

Szenen einer Ehe. Während bei Ingmar Bergman die Auseinandersetzung vor allem auf der Dialogebene stattfindet, läuft die Konfliktlösung in Iciar Bollains drittem Spielfilm über physische Gewalt und psychische Einschüchterung. Zehn Jahre hat Pilar Schläge und Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen und geschwiegen. Jetzt will sie nur noch weg. Mit Hausschuhen an den Füßen und dem Sohn an der Hand versucht sie hektisch, ein Taxi zu finden. Sie verlässt - wieder einmal - die eheliche Wohnung nach einem handfesten Krach, findet Unterschlupf bei ihrer jüngeren Schwester, die sie zur Scheidung drängt und ihr einen interessanten Job im Museum besorgt. Die Atempause währt nicht lange, die junge Frau glaubt den Schwüren ihres Mannes und kehrt nach Hause zurück. Sie schöpft Hoffnung, als er eine Therapie beginnt und relativ gefasst zur Kenntnis nimmt, dass sie mit zwei Freundinnen als feste Museums- und Fremdenführerin arbeiten will. Die Ruhe trügt. Das "Battered Wife Symdrom", das Syndrom der geprügelten Ehefrauen ist international, in Spanien wird es noch verschärft durch den Machismo. Fast bilderbuchhaft erzählt die Regisseurin, wie der beruflich erfolglose Verkäufer unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet und mit seiner Frau jemanden hat, an dem er sein Mütchen kühlen und sein Ego aufrichten kann. Zwischendurch glaubt Pilar immer wieder an die Liebe, schwankt zwischen ihren Emotionen und seiner Unberechenbarkeit. Manchmal erinnert die Ästhetik an dänische Dogma-Filme. Es sind die Schauspieler, die überzeugen. Laila Marull, die zusammenzuckt, wenn ihr Peiniger die Faust ballt und vor ihrem Gesicht herunterdonnern lässt, die als zitterndes Angstbündel sich selbst verliert. Und Luis Tosar, der seine Wut nicht zähmen kann, auf die anderen Schläger in der Männergruppe verachtend herabguckt, aber keinen Deut besser ist. Der Film entgeht der leichten Verführung, dem Täter die Schuld zuzuschieben und nur Mitleid für das Opfer zu wecken. Auch der Mann ist ein armer Hund, der nicht aus seiner Haut kann, nicht nur das Leben der Partnerin, sondern auch das eigene zerstört. Zu Beginn sind beide hilflos, am Ende gewinnt Pilar an Stärke und Entscheidungskraft, aus Demütigung entwickelt sich Widerstand. Gewalt definiert sich hier nicht als individuelles, sondern als gesellschaftliches Problem. Es schmerzt zutiefst, zwei Menschen beim Niedergang der Gefühle zuzuschauen, bei der systematischen Zersetzung einer Utopie, die sich Liebe nennt. Dieses harte Ehedrama vermeidet Gefälligkeit und erweist in seiner Wahrhaftigkeit dem Zuschauer dadurch einen Gefallen. mk.

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Info

Plakat des Films: Öffne meine Augen
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 04.08.2005

Spanien 2003

Länge: 1 h 47 min

Genre: Drama

Originaltitel: Te doy mis ojos

Regie: Icíar Bollaín

Drehbuch: Icíar Bollaín, Alicia Luna

Musik: Alberto Iglesias

Kostüme: Estíbaliz Markiegi

Kamera: Carles Gusi

Schnitt: Ángel Hernández Zoido

Ausstattung: Victor Molero