Fesselnder High-Concept-Thriller, in dem ein Mann von einem unsichtbaren Scharfschützen in einer Telefonzelle festgehalten wird.

Kinostart: 07.08.2003

Szenenbild aus Nicht auflegen! mit Colin FarrellColin Farrell

Colin Farrell
als Stu Shepard

Kiefer Sutherland

Kiefer Sutherland
als Der Anrufer

Szenenbild aus Nicht auflegen! mit Forest WhitakerForest Whitaker

Forest Whitaker
als Captain Ramey

Radha Mitchell
als Kelly Shepard

Katie Holmes
als Pamela McFadden

Richard T. Jones
als Sergeant Cole

Josh Pais
als Mario

Paula Jai Parker
als Felicia

Yorgo Constantine
als ESU-Commander

Arian Ash
als Corky

Tia Texada
als Asia

Troy Gilbert
als ESU-Heckensch

John Enos
als Leon

Svetlana Efremova
als Erica

Keith Nobbs
als Adam

Dell Yount
als Pizzajunge

James MacDonald
als Unterh

Colin Patrick Lynch
als ESU-Techniker

Richard Paradise
als ESU-Typ

Seth William Meier
als Officer McDuff

Die Handlung von Nicht auflegen!

Als er gerade mal wieder von der Telefonzelle aus bei seiner Geliebten anruft, damit seine Ehefrau die Nummer nachher nicht auf der Rechnung entdeckt, nimmt ein unbekannter Gewehrschütze den für seine unlauteren Praktiken wohlbekannten Geschäftsmann Stu Shepard (Colin Farrell) ins Visier, hindert ihn mit einigem Nachdruck am Verlassen der Kabine und fordert eine Stunde der Wahrheit ein. Als dabei unversehens die Polizei auf der Bildfläche erscheint, verkompliziert sich die Situation.

Katie Holmes

Stu Shepard, ein selbstgefälliger New Yorker Medienagent, ruft aus einer Telefonzelle seine Geliebte an. Als er auflegt, das Telefon klingelt und er den Anruf entgegen nimmt, steckt er in der Falle: Am anderen Ende der Leitung befindet sich ein unsichtbarer Scharfschütze, der sein Visier bereits auf Stu gerichtet hat und ihm erklärt, er müsse sterben, sobald er auflegt oder die Telefonzelle verlässt.

Als der aufgeblasene Agent und Schürzenjäger Stu eines Tages den Hörer eines Münztelefons am Times Square abhebt, liefert er sich der Gewalt eines Scharfschützen aus. Der will Stu für dessen berufliche wie private Praktiken zur Rechenschaft ziehen und droht, ihn zu töten, falls er auflegt oder gar die Zelle verlässt. Zum Beweis seiner Gefährlichkeit erschießt der Killer einen Passanten, was die Polizei auf den Plan ruft. Auf Befehl des Anrufers muss Stu nun vor laufenden TV-Kameras für seine Sünden Abbitte leisten. Ein Martyrium vollzieht sich.

Kritik zu Nicht auflegen!

Der Frage, ob und wie man einen Film an nur einem Handlungsort aufregend und spannend gestalten kann, ging schon Hitchcock nach. Jetzt wagt sich Joel Schumacher im Zuge seiner seit "Tigerland" eingeleiteten Selbstwiedererfindungsmaßnahmen als aufregender, keine Risiken scheuender Filmemacher an diese Vorgabe, via eines denkbar simplen erdachten High-Concept-Thriller, in dem es Colin Farrell mit einem Killer aufnehmen muss, der ihn inmitten von New York an einem winzigen öffentlichen Ort festhält. Ein pfiffiges, immer wieder faszinierend realisiertes Denk- und Kammerspiel, das fesselt, auch wenn ihm zum Schluss hin sichtbar die Luft ausgeht.

Ein Mann wird von einem unsichtbaren Scharfschützen in einer New Yorker Telefonzelle festgehalten - wenn er auflegt oder die Telefonzelle verlässt, muss er sterben. Don Simpson, Erfinder der High-Concept-Idee, ein Film sei nur dann verfilmenswert, wenn sich seine Handlung handschriftlich auf einer Streichholzschachtel zusammenfassen ließe, wäre stolz auf den alten Haudegen Larry Cohen gewesen. Der umtriebige Genre- und Exploitation-Experte - Regisseur von denkwürdigen Filmen wie "Black Caesar" (1973), "Die Wiege des Satans" (1978) oder "Ambulance" (1990) - ging bereits seit Jahren mit seiner konstruierten Idee schwanger, immer wieder stand der Film kurz vor dem Dreh (u. a. mit der Kombination Michael Bay und Will Smith). Doch erst Schumachers unerschrockener Ansatz, die Story guerilla-style aus der Hüfte und vor allem preisgünstig und schnell zu schießen, bewirkte das grüne Licht von Fox.

Und so ist "Nicht auflegen", eine moderne Variation des Stanwyck-Klassikers "Du lebst noch 105 Minuten", in der (Film-)Theorie bisweilen deutlich spannender als in der Praxis auf der Leinwand. Denn natürlich gab sich der einstmalige Oberflächenkönig des aufgeblähten Mainstreamkinos (siehe "Batman & Robin") nicht mit spartanischen Down-and-Dirty-Bildern des Big Apple zufrieden, sondern erzeugt im Zusammenprall von Dogma-Ansatz und High-Tech-Postproduktion (u. a. mit multiplen Splitscreens und mutigen Montagen) ein Spannungsfeld, das dem hektischen Treiben auf den Straßen New Yorks durchaus nahe kommt. So entwickelt sich die Intensität nicht nur aus dem sich zuspitzenden Fortlauf der Story, sondern auch durch das Rätseln über die Frage, ob es Schumacher gelingen wird, genügend filmische Ideen zu entwickeln, um den Thriller trotz einer einzigen Location über die volle Laufzeit hinweg aufregend und frisch wirken zu lassen.

Großes Gewicht ruht dabei auf den Schultern Colin Farrells, der Schumacher seinen Durchbruch (in "Tigerland") zu verdanken hat und sich zuletzt in "Minority Report" und "The Recruit" als Rebell mit Potenzial empfahl. In "Nicht auflegen!" steht er als hyperaktiver, selbstgefälliger Agent Stu, der per Handy immer fünf Deals gleichzeitig am Laufen hat und obendrein seine Frau mit einer Klientin betrügt, stets im Mittelpunkt. Letzteres Vergehen rückt ihn buchstäblich ins Visier eines unsichtbaren Scharfschützen (im Original gesprochen von Kiefer Sutherland), der mit dem Abschaum der Welt aufräumen will. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen nimmt Stu einen Anruf in einer Telefonzelle entgegen - und steckt in der Falle. Was beginnt wie die Anfangssequenz von "Scream", in der Drew Barrymore mit ihrem Killer telefoniert, entwickelt sich schnell zu einem Katz-und-Mausspiel, in das zunehmend mehr Personen involviert werden und Stu gezwungen wird, Abbitte für seine verkorkste Existenz leisten. Das ist vor allem Dank Farrells Leistung und Schumachers unablässigem Einfallsreichtum immer interessant, aber es bleibt eine etwas leere Fingerübung mit etwas zu deutlich geschwungenem Moralzeigefinger - nur dass man das bei dem vorgelegten Tempo erst nach dem Abspann realisiert. ts.

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Info

Plakat des Films: Nicht auflegen!
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 07.08.2003

USA 2002

Länge: 1 h 21 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Phone Booth

Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Larry Cohen

Musik: Harry Gregson-Williams

Produktion: David Zucker, Gil Netter

Kostüme: Daniel Orlandi

Kamera: Matthew Libatique

Schnitt: Mark Stevens

Ausstattung: Andrew Laws, Martin Whist

Website: http://www.nichtauflegen.de