Tragikomisches Regiedebüt um einen alleinerziehenden Vater und dessen Teenagersohn.

Kinostart: 05.05.2005

Milan Peschel

Milan Peschel
als Marcel Werner

Sebastian Butz
als Sebastian

Stephanie Charlotta Koetz
als Nora

Christina Große
als Angelika

Bernd Lamprecht
als Bernd

Peter Tschernig
als Peter Tschernig

Die Handlung von Netto

Marcel Werner (Milan Peschel) ist ein antriebsloser Verlierer wie er im Buche steht. Einsam hockt der arbeitslose Mittvierziger daheim oder in der Kneipe, stets dabei, alle Welt mit naiven Binsenweisheiten zu erhellen und von einer steilen Karriere als Actionheld im Sicherheitsdienst zu träumen. Eines Tages steht Sebastian (Sebastian Butz) auf der Hausmatte, der Sohn, den er in besseren Zeiten siebzehn Jahre zuvor zeugte. Dem fällt bei der Mutter und ihrem neuen Schleimergatten neuerdings die Decke auf den Kopf. Nun wird er Marcels kleine Existenz aufmischen. Und zwar ordentlich.

Als voll funktionstüchtiges Meisterstückchen feierten namhafte heimische Feuilletons dieses hintergründige Familienlustspiel und Gesellenstück an der Babelsberger Filmhochschule von Regisseur Robert Thalheim.

Marcel Werner ist Tagträumer, Tresenphilosoph mit Hang zu realsozialistischer Country-Musik aus der Vor-Wende-Zeit und Vater von Sebastian, der bei seiner Mutter lebt. Bis der Fünfzehnjährige eines Tages auf der Flucht vor familiärer Bevormundung vor Marcels Tür steht und seinen Vater spontan in die ungewollte Rolle des Erziehers bringt.

Marcel ist ein Kneipenphilosoph, geschieden und arbeitslos. Ständig kluge Sprüche verbreitend, geht er seinem 15-jährigen Sohn Sebastian ziemlich auf die Nerven. Trotzdem wohnt dieser lieber in Vaters Bruchbude am Prenzlauer Berg als bei seiner schwangeren Mutter und deren neuem Freund. Und weil Marcel in seinem tiefsten Innern eigentlich ganz okay ist, beschließt Sebastian, seinem Loser-Papa in Sachen Outfit und Bewerbung ein wenig unter die Arme zu greifen, und schon ist das Berliner Dream-Team perfekt.

Kritik zu Netto

Zu den Highlights der Berlin-Reihe Perspektive Deutsches Kino gehört sicherlich "Netto", Robert Thalheims spröde und dennoch herzerwärmende Vater-Sohn-Geschichte. Das tragikomische Regiedebuüt des Studenten der Filmhochschule Konrad Wolf erzählt von Lebensfrust und Lebensmut, vom Aufgeben und vom Aufbruch und ganz nebenbei von der ersten Liebe.

Die Hauptfigur ist nicht gerade ein Sympathieträger. Der arbeitslose Thekenphilosoph Marcel Werner quasselt jeden der es hören will oder nicht mit seinem Wissen über Sicherheitstechnik und plumper Gesellschaftskritik zu, lässt es auch an abstrusen Theorien über geschlechtsspezifische Morde nicht fehlen. Verzweifelt sucht er einen Job in der "Security-Branche", bisher verdient er die Brötchen nur als Nachtwächter. Als sein Sohn Sebastian bei ihm am Prenzlauer Berg vor der heruntergekommenen Wohnung steht, weil er keine Lust hat, zur hochschwangeren Mutter und ihrem neuen Freund in ein hübsches Häuschen vor den Toren West-Berlins zu ziehen, hält sich seine Begeisterung in Grenzen. Aber dann coacht ihn der 15Jährige beim Bewerbungsgespräch und Krawattenkauf, die beiden bilden ein Team, auch wenn der Ältere noch ein paar Nackenschläge hinnehmen muss.

Die unterschiedlichen Lebensansätze von Vater und Filius spielt Thalheim munter gegeneinander aus. Da flüchtet sich der Verlierertyp in eine Scheinwelt, während der Junge pragmatisch die Zukunft angeht und dem hilflos am Computer-Schreibprogramm herumdokternden Papa hilft, komplizierte Strategiespiele entwirft und sich wundert, wenn die auf Unverständnis stoßen. Die improvisierten Szenen und Dialoge kommen in wundersamer Direktheit und Humor auf den Punkt. An die anfänglich irritierende Optik mit wackeliger Mini-DV-Handkamera, verschwommenen Bildern und unorthodoxen Schwenks gewöhnt man sich im Verlauf der Handlung, die zäh beginnt, sukzessive an Fahrt gewinnt und Authentizität vermittelt. Manchmal wird etwas zu fest auf die Tube gedrückt beim alltäglichen Unheil oder die Figur des supernetten Fast-Stiefvaters überzeichnet, etwas seltsam, wie sich die Love-Story zwischen Sebastian und seiner ersten Freundin in diffuses Nichts auflöst. Aber dann gibt es wieder starke emotionalen Momente. Ein Cameo-Auftritt von Liedermacher Peter Tscherning sollte dessen Fans erfreuen. Ein Rätsel bleibt der Titel "Netto". Von dem 30jährigen Regisseur, der diesen unprätentiösen Film im dritten Studienjahr in nur 17 Drehtagen realisierte, ist noch einiges zu erwarten. mk.

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Info

Plakat des Films: Netto
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 05.05.2005

Deutschland 2005

Länge: 1 h 30 min

Genre: Drama

Originaltitel: Netto

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Robert Thalheim

Musik: Peter Tschernig

Produktion: Matthias Miegel

Kostüme: Michal Galinski

Kamera: Yoliswa Gärtig

Schnitt: Stefan Kobe

Ausstattung: Katrin Müller

Website: http://www.stardust-filmverleih.de/Netto/index.htm