Schöner Dokumentarfilm eines vielseitigen, kompromisslosen Filmemachers über einen vielseitigen, kompromisslosen Musiker.

Kinostart: 17.08.2006

Handlung

Musik-Urgestein Neil Young hält sich seit den 60er Jahren im Geschäft, brilliert als Solist bzw. in Bands wie "Buffalo Springfield", "Crazy Horse" oder "Crosby, Stills, Nash & Young". Der Mann, der zwischendurch auch schon mal als "Godfather des Grunge" apostrophiert wurde, lässt sich in keine Schublade pressen, wechselt seinen Stil wie andere Leute Hemden.

Kritik

Der eine, Neil Young, gilt als kompromissloses Musik-Genie von großer Bandbreite. Für den anderen, Filmemacher Jonathan Demme, gilt auf seinem Gebiet Ähnliches. Nun haben sich die beiden (wieder mal) zusammen getan. Mit spektakulärem Ergebnis.

Musik-Urgestein. Anders kann man Neil Young nicht beschreiben. Wie vielleicht nur die "Rolling Stones" hält er sich seit den 60er Jahren im Geschäft, brilliert als Solist bzw. in Bands wie "Buffalo Springfield", "Crazy Horse" oder "Crosby, Stills, Nash & Young". Als Soundtrack-Komponist kennt man ihn von Jim Jarmuschs "Dead Man", Platten wie "Harvest" oder "Rust Never Sleeps" gehören in jede ernstzunehmende Sammlung und unter dem Pseudonym Bernard Shakey arbeitet er als (ausführender) Produzent, als "pioneer of expressionist home made rock'n'roll movies". Und - ganz wichtig - der Mann, der zwischendurch auch schon mal als "Godfather des Grunge" apostrophiert wurde, lässt sich in keine Schublade pressen, wechselt seinen Stil wie andere Leute Hemden.

Ein Künstler, ganz nach dem Geschmack von Oscar-Preisträger Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer"). In Folge des Gezerres um "Der Manchurian Kandidat" denkt er laut darüber nach, in Zukunft die Finger von Big-Budget-Hollywood-Produktionen zu lassen - "zu viel Fremdeinmischung, zu wenig künstlerische Freiheit." Das kann ihm bei seinen Clinica Estetico-Produktionen schließlich nicht passieren. Da ist er sein eigener Herr, darf aufrüttelnde Dokumentationen über Haiti realisieren, seinen "Cousin Bobby", Seelsorger in Harlem, porträtieren und auch seiner Musik-Leidenschaft frönen. 1984 waren die "Talking Heads" mit "Stop Making Sense" dran, 1998 der un(be)greifbare Robyn Hitchcock mit "Storefront Hitchcock" und jetzt co-operiert er, nach "Philadelphia" und den "Complex Sessions", zum bereits dritten Mal mit dem gebürtigen Kanadier Neil Young.

Mit ein paar Autofahrten durch Nashville geht's los. In den Limousinen sitzen alte Weggefährten und Freunde Youngs, geben knapp Auskunft über den Meister, darunter die Country-Größe Emmylou Harris, Ehefrau Pegi, der Keyboarder Spooner Oldham, der Steel-Gitarrist Ben Keith. Die legendäre, pinkfarbene Musikkneipe Tootsie's wird auf dem Weg zum Rymans Auditorium passiert. Dann sitzt Young, Singer und Songwriter, auf der Bühne, umgeben von seiner Band. Zu hören und zu sehen ist die Premiere der "Prairie Wind"-Tournee. Ellen Kuras' ("Dave Chappelle's Block Party") Kamera umstreicht, umschmeichelt das "Heart of Gold", wechselt Perspektiven und Einstellungen. Neil Young spielt, lässig, versiert, voller Inbrunst, macht Musik erfahrbar, beschreibt das Leben durch Lieder. Einfach, traditionsreich und -bewusst ist er hier, nah an den Wurzeln. Bisons bevölkern bei "Far from Home" die Weiden, Elvis wird in "He Was the King" Tribut gezollt und auf dem Titeltrack setzt er sich mit dem Tod des Vaters auseinander. Aber trotz aller Rückschau und Introspektion blickt Young nach vorne: "It's a long road behind me, it's a long road ahead..." Hoffentlich, sowohl für Young als auch für Demme, die hier mit minimalen Mitteln Maximales leisten. Kunst kommt von Können. geh.

Wertung Questions?

FilmRanking: 11241 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Neil Young: Heart of Gold

Kinostart: 17.08.2006

USA 2006

Länge: 1 h 43 min

Genre: Musikfilm

Originaltitel: Neil Young - Heart of Gold

Regie: Jonathan Demme

Musik: Neil Young

Produktion: Tom Hanks, Neil Young, Jonathan Demme, Ilona Herzberg

Kostüme: Allen Zaleski

Kamera: Ellen Kuras

Schnitt: Andy Keir

Ausstattung: Michael Zansky

Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.