Melodram von Dänemarks Spezialistin für menschliche Gefühle.

Kinostart: 01.02.2007

Die Handlung von Nach der Hochzeit

Jacob (Mads Mikkelsen) leitet ein Waisenhaus in Indien und hat sich ganz den Straßenkindern gewidmet. Doch es steht finanziell schlecht um die Einrichtung. Da lockt eine großzügige Spende aus Dänemark, die er jedoch persönlich in Empfang nehmen muss. Schließlich fliegt Jacob in seine Heimat und trifft sich mit Gönner Jorgen (Rolf Lassgard). Der lädt ihn zur Hochzeit seiner Tochter Anna (Stine Fischer Christensen) ein. Ahnungslos trifft Jacob dort auf seine frühere Partnerin Helene (Sidse Babett Knudsen), die nun mit Jorgen verheiratet ist.

Erschütternd stark gespieltes, eindringlich geschriebenes und inszeniertes Familienmelodram, mit dem Susanne Bier sich nach "Open Hearts" und "Brothers" abermals als Ausnahmetalent empfiehlt. Neben Bond-Gegenspieler Mikkelsen überzeugt Rolf Lassgard als Patriarch.

Jacob Petersen hat sein Leben den Straßenkindern in Indien gewidmet. Als sein Waisenhaus von der Schließung bedroht ist, bietet wir ihm eine großzügige Spende angeboten - unter der Bedingung, nach Dänemark zu kommen. Dort trifft er den geheimnisvollen Spender und dessen Familie, die die Hochzeit der Tochter vorbereiten. Er wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Jacob Petersen hat seiner alten Heimat schon lange den Rücken gekehrt und leitet in Indien ein Waisenhaus. Dieses steht wieder einmal aus Geldmangel kurz vor der Schließung, als ein reicher Industrieller sich als überaus großzügiger Sponsor anbietet. Petersen muss nach Dänemark reisen, um sich mit dem potentiellen Spender Jørgen zu treffen. Dieser lädt ihn kurzfristig zur Hochzeit seiner Tochter ein, wo Jacob seine alte Bekannte Helene wiedertrifft - mittlerweile Jørgens Frau. Die Vergangenheit wirft lange Schatten.

Kritik zu Nach der Hochzeit

Gefühlvoll, aber nie kitschig: Susanne Biers Familiendrama über Lügen und Geheimnisse, schmerzhafte Enthüllungen und tiefgreifenden Entscheidungen ist ein Meisterwerk an Inszenierung und Darstellung.

Schon lange hat sich der dänische Film von Übervater Lars von Trier und "Dogma" emanzipiert, seine Nachfolger probieren andere Wege, ohne das Gelernte über Bord zu werfen. Geblieben ist vor allem die Stärke des Geschichtenerzählens, der Blick hinter die Fassade, die Lust an der Brüchigkeit von Beziehungen. Denn nichts scheint den Dänen verdächtiger als Harmonie und Glück oder eine intakte Familie. Immer lauern Schuld und Verrat unter der glatten Oberfläche, wirbeln das scheinbar geordnete soziale und familiäre Gefüge durcheinander. So holen auch hier nach und nach Lebenslügen die sich in Sicherheit wiegenden Protagonisten ein.

In einer der ärmsten Regionen Indiens arbeitet Jacob als Leiter eines von Schließung bedrohten Waisenhauses. In dieser prekären Situation erhält er von Jorgen, einem dänischen Geschäftsmann, ein großzügiges Spendenangebot. Bedingung: Er muss in die alte Heimat reisen und den Vertrag persönlich unterzeichnen. Beim ersten Treffen gibt sich der Mäzen jovial, aber uninteressiert, fordert Überlegungszeit und lädt ihn derweil zur Hochzeit seiner Tochter Anna ein. Nicht erst als die in einer improvisierten Rede ihren Eltern, vor allem dem Vater Jorgen dankt, der nicht ihr leiblicher Vater ist, ahnt man die heraufziehende Tragik, Risse in der Idylle. Jorgens Frau Helene war Jacobs Jugendliebe, verließ vor 20 Jahren den Säufer, Schürzenjäger und Junkie in Indien, schwanger. Nicht nur die Vaterschaft Jacobs und Jorgens persönliche Absichten kommen an den Tag, weitere verborgene Wahrheiten konfrontieren den Einzelnen mit existenziellen Fragen und einem moralischen Dilemma. Susanne Bier stützt sich auf ein eingespieltes Team: wie schon bei "Open Hearts" und "Brothers" produzierte Sisse Graum Jorgensen, schrieb Anders Thomas Jensen das Drehbuch und kriegt genial die Rührseligkeitskurve, ohne in Klischees oder Kitsch zu verfallen. Und Mads Mikkelsen, der schon in "Open Hearts" brillierte und derzeit als Bonds Gegenspieler die Leinwand unsicher macht, spielt den spröden Jacob ruhig, ernsthaft und zurückgenommen, Rolf Lassgard umschifft souverän die Klippen des Overacting in seiner Verletzbarkeit und seinen expressiven Ausbrüchen. Jede Szene, größtenteils mit Handkamera und ohne technischen Schnickschnack gedreht, "sitzt", Close-ups unterstreichen die packende Intimität der Erzählung, eröffnen eine schmerzhafte Nähe zu den psychologisch präzise gezeichneten Figuren, die sich einem filigranen Netz plausibler Zufälle verfangen und über emotional dünnes Eis lavieren, in der trügerischen Hoffnung, dass es hält. "Nach der Hochzeit" ist das Beste, was uns Zuschauern passieren kann. weckt im freien Fall der Gefühle tiefste Empfindungen (Tränen inklusive) und lässt uns dennoch nicht in Tristesse versinken. Ein Triumph der leisen Zärtlichkeit und des europäischen Kinos. mk.

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Info

Plakat des Films: Nach der Hochzeit
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 01.02.2007

Dänemark/Schweden 2006

Länge: 2 h 5 min

Genre: Drama

Originaltitel: Efter bryllupet

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: Anders Thomas Jensen, Susanne Bier

Musik: Johan Söderqvist

Produktion: Sisse Graum Jørgensen

Kostüme: Manon Rasmussen

Kamera: Morten Søborg

Schnitt: Pernille Bech Christensen

Ausstattung: Søren Skjaer

Website: http://www.nach-der-hochzeit.de/