Das Leben eines schwarzen schwulen Jungen in einem Drama, das zurecht den Oscar für den besten Film gewann.

Kinostart: 09.03.2017

Handlung

Herausragender US-Independent-Film, der in Form einer eindringlichen Charakterstudie den Werdegang eines schwarzen und schwulen Jugendlichen thematisiert.

Dass es im amerikanischen Kinogeschäft, das von sorgfältig kalkulierten Oscar-Kampagnen und massiven Blockbustern geprägt ist, noch Raum gibt für kleine Überraschungen, beweist kein Film eindrücklicher als "Moonlight": Bis zu seinen Festivalpremieren in Telluride und Toronto hatte kaum jemand den zweiten Langfilm von Barry Jenkins (nach "Medicine For Melancholy" aus dem Jahre 2008) auf dem Schirm. Doch spätestens seit dem Oscar-Fauxpas und dem Sieg über "La La Land" ist der Film in aller Munde - zurecht!

"Moonlight" erzählt die Geschichte von Titelfigur Chiron in drei Kapiteln. Als kleiner Junge (gespielt von Alex Hibbert) findet er Zuneigung beim örtlichen Drogenboss (Mahershala Ali aus "House of Cards") und dessen Frau (Janelle Monáe) und nicht zuhause bei seiner Crack-süchtigen Mutter (Naomie Harris, "Spectre"), die ihn sogar als "Schwuchtel" beschimpft.

In der Pubertät (nun verkörpert von Ashton Sanders) wird Chiron noch immer von seinen Mitschülern drangsaliert, erlebt allerdings auch mit seinem Jugendfreund Kevin eine körperliche Intimität, die in seinem Leben sonst fehlt.

Jahre später jedoch ist Chiron (jetzt Trevante Rhodes) noch immer nicht bei sich angekommen, sondern selbst auf kriminellen Abwegen unterwegs. Seine mühsam antrainierten Muskeln trägt er wie einen Panzer vor sich her, unter dem er nicht nur seine Homosexualität, sondern überhaupt sämtliche Gefühle versteckt. Bis sich eines Tages aus heiterem Himmel Kevin (André Holland) wieder bei ihm meldet.

Viel Plot ist es nicht, den Jenkins in seinem Film auffährt, der auf Tarell Alvin McCarthys autobiografisch geprägtem Theaterstück "In Moonlight Black Boys Look Blue" basiert und den Brad Pitt produziert hat. "Moonlight" ist viel mehr eine hochkonzentrierte Charakterstudie, und zwar eine kleine, bescheidene und angenehm unaufgeregte.

Umso größer allerdings ist die emotionale Wucht, die Regisseur Jenkins aus der Konzentration auf seinen Protagonisten und dessen unmittelbares Umfeld im Armenviertel von Miami entwickelt. Fernab von Coming-of-Age-Klischees oder der Dramaturgie herkömmlicher Coming-Out-Geschichten zeigt "Moonlight" die Schmerzen des Erwachsenwerdens und das mühsame Finden einer männlichen, schwarzen und schwulen Identität.

Dass es Jenkins bei aller schweren Melancholie seiner Geschichte gelingt, seinen Film von einer erstaunlichen Leichtigkeit und Frische durchwehen zu lassen, zeichnet "Moonlight" ebenso als Meisterwerk aus wie die unvergleichliche Zärtlichkeit und Wahrhaftigkeit, mit der er erzählt. Sein exzellentes Ensemble tut ein Übriges, genau wie die wunderbaren Bilder von Kameramann James Laxton ("Camp X-Ray").

Kritik

Herausragender US-Indie, der in Form einer eindringlichen Charakterstudie den Werdegang eines schwarzen und schwulen Jugendlichen thematisiert.

Dass es selbst im amerikanischen Kinoherbst, der gemeinhin geprägt ist von sorgfältig kalkulierten Oscar-Kampagnen und massiven Weihnachtsblockbustern, noch Raum gibt für kleine Überraschungen, beweist in diesem Jahr kein Film eindrücklicher als "Moonlight". Bis zu seinen Festivalpremieren in Telluride und Toronto hatte kaum jemand den zweiten Langfilm von Barry Jenkins (nach "Medicine For Melancholy" aus dem Jahre 2008) auf dem Schirm. Doch mit einem Mal sorgt sein für gerade einmal fünf Mio. Dollar entstandenes Drama, das auch bei den europäischen Festivals in London und Rom an den Start ging, für eine Begeisterung, die nicht nur im Kinojahr 2016 eher die Ausnahme ist.

"Moonlight" erzählt die Geschichte seines Protagonisten Chiron unterteilt in drei Kapitel. Als kleiner Junge (gespielt von Alex Hibbert) findet er Zuneigung eher beim örtlichen Drogenboss (Mahershala Ali aus "House of Cards") und dessen Frau (Janelle Monáe) als zuhause bei seiner Crack-süchtigen Mutter (Naomie Harris, "Spectre"), die ihn schon mal als "Schwuchtel" beschimpft. In der Pubertät (nun verkörpert von Ashton Sanders) wird er noch immer von seinen Mitschülern drangsaliert, erlebt allerdings auch mit seinem Jugendfreund Kevin eine körperliche Intimität, die in seinem Leben sonst fehlt. Jahre später jedoch ist Chiron (Trevante Rhodes) noch immer nicht bei sich angekommen, sondern selbst auf kriminellen Abwegen unterwegs. Seine mühsam antrainierten Muskeln trägt er wie einen Panzer vor sich her, unter dem er nicht nur seine Homosexualität, sondern überhaupt sämtliche Gefühle versteckt. Bis sich eines Tages aus heiterem Himmel Kevin (André Holland) wieder bei ihm meldet.

Viel Plot ist es nicht, den Jenkins - ausgehend von Tarell Alvin McCarthys autobiografisch geprägtem Theaterstück "In Moonlight Black Boys Look Blue" und unterstützt von Dede Gardner und Brad Pitt als Produzenten - in seinem Film auffährt. "Moonlight" ist viel mehr eine hochkonzentrierte Charakterstudie und als solche eine kleine, bescheidene und angenehm unaufgeregte. Umso größer allerdings ist die emotionale Wucht, die Jenkins aus der Konzentration auf seinen Protagonisten und dessen unmittelbares Umfeld im Armenviertel von Miami entwickelt. Fernab von Coming-of-Age-Klischees oder der Dramaturgie herkömmlicher Coming-Out-Geschichten zeigt "Moonlight" die Schmerzen des Erwachsenwerdens und das mühsame Finden einer männlichen, schwarzen und schwulen Identität.

Dass es Jenkins bei aller schweren Melancholie seiner Geschichte gelingt, seinen Film von einer erstaunlichen Leichtigkeit und Frische durchwehen zu lassen, zeichnet "Moonlight" ebenso als Meisterwerk aus wie die unvergleichliche Zärtlichkeit und Wahrhaftigkeit, mit der er erzählt. Sein exzellentes Ensemble (in dem sich nicht zuletzt Harris als Oscar-Anwärterin empfiehlt) tut ein Übriges, genau wie die wunderbaren Bilder von Kameramann James Laxton ("Camp X-Ray"). Was nun - nach einem sensationellen Besucherschnitt am US-Startwochenende - noch fehlt, ist ein deutscher Verleih, der zu schätzen weiß, dass "Moonlight" auch fürs hiesige Publikum weder zu schwarz noch zu schwul, sondern ein Ausnahmefilm ist, wie es ihn in dieser Form viel zu selten auf der Leinwand zu sehen gibt.

Patrick Heidmann.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 09.03.2017

USA 2016

Länge: 1 h 51 min

Genre: Drama

Originaltitel: Moonlight

Regie: Barry Jenkins

Drehbuch: Tarell Alvin McCraney, Barry Jenkins

Musik: Nicholas Britell

Produktion: Dede Gardner, Tarell Alvin McCraney, Jeremy Kleiner, Adele Romanski

Kostüme: Caroline Eselin

Kamera: James Laxton

Schnitt: Nat Sanders

Ausstattung: Hannah Beachler

Website: http://derbestefilmdesjahres.de

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