TV-Drama: Ein Mittdreißiger muss sein Leben neu ordnen...

Kinostart: nicht bekannt

Kritik

Ein neuer Wurf des Duos Nocke/Krohmer: Mit lebensnahen Dialogen und großen Darstellern erzählen die Grimme-Preisträger von Menschen, die den Boden unter den Füßen verlieren

Wenn man erst 36 werden muss, um festzustellen, dass sich die letzten zehn Jahre in eine völlig falsche Richtung entwickelt haben, hat man zumindest ein Problem. Und weil sich zum ersten gern noch ein zweites gesellt, wirft Gerrit gleich sein gesamtes Leben über den Haufen: schmeißt den Beruf als Architekt, verlässt seine schwangere Freundin Claudia und beginnt ein Verhältnis mit Sandra, der Witwe seines jüngst verstorbenen Geschäftspartners. Dem hat er im Lauf der Jahre 40.000 Euro geliehen, die Sandra nun wieder zurück haben will.

Wie schon mit "Ende der Saison", "Familienkreise", "Ein toter Bruder" oder zuletzt "Sommer '04" gelingt Daniel Nocke und Stefan Krohmer erneut ein kleines Kunststück: Nocke schreibt Dialoge, die so realitätsnah klingen, als habe er sie irgendwo aufgeschnappt; und Krohmer inszeniert seine Darsteller auf eine Weise, die jeden Gedanken an Spiel vergessen lassen. Außerdem setzt sich der Regisseur über übliche Sehgewohnheiten hinweg: Zeigt die Kamera (Patrick Orth) beim Gespräch normalerweise jeweils den Sprechenden, so bleibt sie hier stur bei einer Person; man sieht also nicht, wenn man so will, die Rede, sondern die unmittelbare Reaktion.

Natürlich funktioniert dieser Stil nur mit Darstellern, die das auch umsetzen können. Krohmer vertraute seine männliche Hauptrolle dem weitgehend unbekannten Mark Waschke an, der sich aber scheinbar mühelos gegen zwei starke Kolleginnen zu behaupten weiß: Gerrits Freundin wird von Anneke Kim Sarnau verkörpert, die vor acht Jahren in "Ende der Saison" ihre erste Hauptrolle hatte. Gegenentwurf ist Silke Bodenbender: Sandra macht eine ähnliche Erfahrung durch wie Gerrit, denn sie muss erkennen, dass Gatte Markus (Robert Dölle) sie bis zu seinem Tode seit Jahren belogen und betrogen hat. Zunächst wehrt sie sich mit Macht gegen die Demontage ihres Mannes und erwägt sogar, Gerrit zu verklagen. Später wirft sie sich ihm regelrecht an den Hals.

Normalerweise zeigt das "Erste" Filme dieser Art erst nach den "Tagesthemen": Die Handlung ist extrem dialoglastig, und gerade Gerrit ist ein nervtötender Schwafler ("Totalflasche" nennt ihn seine Ex-Freundin), der seinen Egoismus infamerweise auch noch mit Empathie kaschiert. Aber das zeigt nur, wie genau Krohmer seinen Hauptdarsteller geführt hat. Der Rest ist ein oftmals lakonischer Schnitt sowie Details, die dazu beitragen, den Figuren Konturen zu geben; dass Claudia beispielsweise ein Männerfahrrad fährt, ist eine schöne Abrundung ihres ohnehin burschikosen Wesens. tpg.

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Info

Plakat des Films: Mitte 30

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2007

Genre: Drama

Originaltitel: Mitte 30

Regie: Stefan Krohmer

Drehbuch: Daniel Nocke

Produktion: Nico Hofmann, Christian Rohde

Kamera: Patrick Orth