Zauberhafte Liebesgeschichte mit Märchenelementen und Spiegel sozialer Realität in Südfrankreich.

Kinostart: 29.01.1998

Die Handlung von Marius und Jeannette - Eine Liebe in Marseille

Im Arbeiterviertel von Marseille, dem "Estaque", begegnen sich Marius und Jeannette: sie wird von ihm, dem Wachmann, beim Stehlen erwischt. Die zwei Menschen in der Mitte des Lebens wagen trotz aller Enttäuschungen in der Liebe einen Neuanfang und schlagen dem Schicksal mit Hilfe der an ihrem Schicksal interessierten Nachbarschaft ein Schnippchen.

Zauberhafte Liebesgeschichte mit Märchenelementen und Spiegel sozialer Realität in Südfrankreich.

Kritik zu Marius und Jeannette - Eine Liebe in Marseille

Er gehört zum Midi, dem Süden Frankreichs, wie der Pastis: Robert Guédiguian. Seit 15 Jahren macht er Filme, die in "seinem" Viertel spielen. Dabei dreht sich alles immer um zwei Dinge, nämlich um seine Heimatstadt Marseille und die Familienbande. Auch sein siebenter Film handelt von den kleinen Leuten im "Estaque", die in Zeiten von Arbeitslosigkeit den Alltag meistern. Mit südlichem Charme, Humor und Optimismus, versteht sich.

Im Mittelpunkt dieses fast märchenhaften Films stehen Marius und Jeannette, beide nicht mehr ganz jung, aber noch jung genug, um neugierig auf eine neue Liebe zu sein. Marius haust als Wächter in einer Abbruch-Fabrik, Jeannette zieht ihre zwei Kinder allein groß und jobbt als Kassiererin in einem Supermarkt. Wenn ihr alles über den Kopf wächst, kann sie bei den Nachbarn Trost suchen, mit denen sie wie in einer Großfamilie lebt. Als sie eines Tages Marius trifft (beim Klauen von zwei Eimern Farbe) kompliziert sich der Alltag, denn beide fühlen sich als Verlierer. Sie leiden an den emotionalen Enttäuschungen, die sie im Laufe ihres Lebens hinnehmen mußten und sind unsicher, ob sie noch einmal den Sprung ins kalte Wasser wagen, noch einmal Gefühle ausleben und zeigen sollen. Die Angst vor neuerlichem Verlust hindert sie, unvoreingenommen aufeinanderzuzugehen.

Wie Marius und Jeannette es aber dann - mit tatkräftiger Unterstützung der Nachbarn - doch schaffen, ein Stückchen Glück zu greifen, das erzählt Guédiguian mit großer Sympathie für seine Protagonisten. Da sind noch das Ehepaar Dédé und Monique, die sich ständig in den Haaren liegen, Caroline und Justin, die neben nachbarlichen auch noch amouröse Bande pflegen. Da geht es in den kleinen Gäßchen des Arbeitsviertels um die große und die kleine Politik, um kommunistisches Bewußtsein und Aktivitäten der "Front National". Das soziale Durcheinander wird aber nicht als dröger Polit-Exkurs serviert, sondern als liebenswerte Alltagsbeschreibung widerborstiger Helden, die sich von niemandem belehren lassen. Guédiguians Blick mag etwas rosarot und irreal erscheinen, trifft aber bei dieser schönsten Liebesgeschichte der letzten Jahre mitten ins Herz. Was nützt es, sein Schicksal zu beklagen, man muß es ändern - nicht mit Larmoyanz, sondern mit Lachen, auch wenn man lieber weinen möchte, so die Message. Utopie und Realität, Poesie und Melancholie verbinden sich zu einer wunderbar berührenden Mischung. Guédiguian setzt auf die Kraft des Einzelnen, der sich auch in schlechten Zeiten nicht den Mut nehmen läßt. Ein etwas anderes "Feel Good Movie", das den Zuschauer glücklich und mit Wonnegefühlen in die eigene Wirklichkeit entläßt. mk.

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Info

Plakat des Films: Marius und Jeannette - Eine Liebe in Marseille

Kinostart: 29.01.1998

Frankreich 1997

Länge: 1 h 42 min

Genre: Drama

Originaltitel: Marius et Jeannette: Un conte de l'estaque

Regie: Robert Guédiguian

Drehbuch: Robert Guédiguian, Jean-Louis Milesi

Musik: Jacques Menichetti, Jean-Louis Milesi

Produktion: Malek Hamzaoui

Kamera: Bernard Cavalié

Schnitt: Bernard Sasia

Ausstattung: Karim Hamzaoui