Südstaaten-Paar kämpft für die Liebe vor Gericht, da die Eheschließung zwischen Menschen verschiedener Hautfarben 1985 nicht erwünscht ist.

Kinostart: 02.02.2017

Handlung

Liebe kann die Welt verändern: Ein Paar muss die Rechtmäßigkeit seiner Ehe vor Gericht erstreiten, weil sie schwarz und er weiß ist.

Richard und Mildred Loving lieben sich und heiraten 1958 in Virginia. Eigentlich ein Grund zur Freude – nicht so in dem Südstaatenland, wo sie zu Gefängnisstrafen verurteilt und ausgewiesen werden.Doch das Ehepaar zieht vor Gericht und bekommt schließlich Recht.

Jeff Nichols ("Take Shelter") inszeniert mit viel Einfühlungsvermögen einen auf Tatsachen beruhenden Stoff, der nichts an Brisanz verloren hat, mit grandiosen Hauptdarstellern (Joel Edgerton, Ruth Negga) sowie Nichols' Stammkraft Michael Shannon.

Kritik

Auf einem wahren Fall basierendes Drama um ein Paar aus den Südstaaten, das die Rechtmäßigkeit seiner Ehe vor Gericht erstreiten muss, weil er weiß und sie schwarz ist.

Nur drei Monate, nachdem er "Midnight Special" bei der Berlinale vorgestellt hat, war Jeff Nichols schon wieder bei einem großen A-Festival vertreten: "Loving", der fünfte Film des 36-jährigen Amerikaners, ist sein zweiter Film im Wettbewerb von Cannes nach "Mud" im Jahr 2012 (zuvor lief sein "Take Shelter" in der Semaine) und wenn schon nicht tonal und inhaltlich, so aber doch thematisch mit dem Vorgänger verwandt: In beiden Filmen müssen sich Außenseiter einer feindlichen Umwelt erwehren, die Jagd auf alles Andere und Fremde macht. Wie die vorangegangenen Arbeiten spielt auch "Loving" in den amerikanischen Südstaaten, aber anders als die bisherigen Filme von Nichols ist dieser deutlich konventioneller und berechenbarer. Was natürlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Filmemacher hier seiner Fantasie nicht freien Lauf lassen kann, weil er von einer historischen Begebenheit erzählt, von der Ehe eines weißen Arbeiters mit einer schwarzen Frau im Jahr 1958 im segregierten Süden, die knapp zehn Jahre später dazu führte, dass der Oberste Gerichtshof im Fall Loving v. Virginia entschied, dass Ehe ein Grundrecht ist, bei dem die Hautfarbe der Eheleute keine Rolle spielt. Die damalige Argumentation war auch im vergangenen Jahr von Bedeutung, als der Oberste Gerichtshof die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare durchsetzte.

Es ist ein außerordentlich sorgfältig gemachter Film mit einem bestechenden Auge für Details: Jedes Automobil, jedes Musikstück, jede zerschlissene Jeans trägt dazu bei, das Publikum Zeit und Ort förmlich spüren zu lassen. Richard Loving und seine schwangere Verlobte Mildred Jeter stehlen sich aus ihrem Heimatstaat in den District of Columbia, um heiraten zu können. Wenig später werden sie in Virginia festgenommen und drangsaliert, und um einer mindestens einjährigen Gefängnisstrafe zu entgehen, müssen sie sich bereiterklären, ihren Heimatstaat 25 Jahre nicht mehr gemeinsam zu betreten. Mit großer Empathie sieht der Film den beiden Liebenden dabei zu, wie sie ihr Leben mit ihren schließlich drei Kindern in Washington DC einrichten, und später unentdeckt doch wieder nach Virginia zurückkehren, um ihren Familien nahe zu sein. Zu dieser Zeit beginnen Bürgerrechtsorganisationen, auf das Ehepaar aufmerksam zu werden und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit aufzunehmen.

Natürlich ist es unmöglich, nicht von dieser Geschichte berührt zu sein, von dieser Liebe, die sich mit stiller Halsstarrigkeit allen Repressalien und Härten widersetzt. Besonders Ruth Negga ist großartig als willensstarke Mildred Loving, die die Dinge in die Hand nimmt, während Joel Edgerton in seiner zweiten Rolle für Nichols nach "Midnight Special" den bulligen und wortkargen Richard mit der nötigen Intensität spielt, um einer so nach innen gekehrte Figur, die jeden Augenkontakt meidet, die nötige Präsenz zu verschaffen. Anstatt auf großes Feuerwerk im Gerichtssaal setzt dieser Film nur auf seine beiden Protagonisten, und er macht es ganz still, ganz ruhig, ohne kaum je die Stimme zu erheben oder Tränen zu vergießen. Allerdings kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich in diesem Szenario ein noch viel besserer Film versteckt, dass die Möglichkeiten des Stoffs nicht richtig genutzt werden, weil sich der Regisseur den historischen Eckdaten verpflichtet fühlt: Man erfährt nichts darüber, wie sich Richard Loving in einer schwarzen Gemeinde fühlt, wie der Film auch nicht darauf eingeht, wie ein schwarzes Viertel auf seinen scheinbar einzigen weißen Einwohner reagiert. Was denken die beiden Hauptfiguren, was fühlen ihre Kinder? Das wäre noch spannender gewesen. ts.

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Info

  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 02.02.2017

USA/Großbritannien 2016

Länge: 2 h 4 min

Genre: Drama

Originaltitel: Loving

Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

Musik: David Wingo

Produktion: Colin Firth, Sarah Green, Nancy Buirski, Ged Doherty, Peter Saraf, Marc Turtletaub

Kostüme: Erin Benach

Kamera: Adam Stone

Schnitt: Julie Monroe

Ausstattung: Chad Keith

Website: http://www.loving-film.de

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