Kinostart: nicht bekannt

Kritik zu Les fantômes d'Ismaël

Drama um einen Regisseur im Ausnahmezustand, der vom Geist seiner toten Frau heimgesucht wird, und über den Akt des Geschichtenerzählen und Filmemachens.

"Les fantômes d'Ismael" ist der erste Film des französischen John Cassavetes Arnaud Desplechin im Wettbewerb des Festival de Cannes seit dem überanstrengten "Jimmy P." im Jahr 2013. Und er ist ziemlich genau das, was Desplechin in den Pressematerialien selbstbeschreibt: fünf Filme in einen gepresst, eine wilde, unruhige und unfertig anmutende Ansammlung von Ideen und Figuren und Bildern, manche fesselnd und spannend, andere unausgegoren und ziellos. Das ist anstrengend, weil Ton und Erzählung ständig changieren, sich die Handlung zwar immer von einer Szene zur nächsten ergibt, aber doch keine Geschichte im klassischen Sinn erzählt wird. Man fühlt sich ein bisschen an den ebenfalls ständig die Perspektiven wechselnden "Die Liebesfälscher" von Abbas Kiarostami erinnert, aber Desplechin ist nicht so verspielt, er neckt nicht. Die Szenen brechen aus ihm heraus, und man kann sich gut vorstellen, dass der Regisseur in kreativer und privater Krise, den Mathieu Amalric hier spielt, zum zweiten Mal nach "Das Leben ist seltsam" von 2004, ziemlich exakt dem Macher von "Les fantômes d'Ismael" entspricht, ein Mann im Ausnahmezustand und von Albträumen geplagt, der Alkohol und Tabletten konsumiert, um den täglichen Anforderungen des Lebens gewappnet zu sein.

Im Grunde ist es tatsächlich eine Geistergeschichte, die hier erzählt wird. Wenn eine Frau namens Carlotta von den Toten zurückkehrt, muss man unweigerlich an "Vertigo" von Hitchcock denken. Und künftig auch an Desplechin. Genauso findet sich auch ein satirisch anmutender Agentenfilm, der eine Szene hat, die direkt "Dame, König, Ass, Spion" entnommen scheint und bei dem nie ganz sicher sein kann, ob er das Erlebte des Regisseurs spiegelt oder ob nicht vielmehr seine Handlung die Wahrnehmung der Realität seines Schöpfers beeinflusst. Desplechin erzählt auch davon, wie sehr das spurlose Verschwinden von Ismaels mittlerweile für tot erklärten Frau Carlotta vor 21 Jahren immer noch auf dem Künstler lastet, wie er sich mittlerweile wieder ins Leben gekämpft und eine Beziehung zu der spröden Sylvia aufgebaut hat, wie Carlotta unvermittelt wieder auftaucht und sich in Ismaels Leben drängt, auch wenn man nie genau weiß, ob ihre Erscheinung real ist oder nur Fantasie, eine Altlast nicht verarbeiteter Vergangenheit. Dieser Fiebertraum verlangt dem Zuschauer einiges ab, gewiss. Jede einzelne Szene für sich ist sehenswert, die Schauspieler - neben Amalric überzeugen Marion Cotillard als Carlotta und Charlotte Gainsbourg als Sylvia - sind überzeugend. Dass sich die Einzelteile indes nicht so recht zu einem Film aus einem Guss zusammenfügen, mag Absicht sein: Das Leben, wie Arnaud Desplechin es kennt, ist nun mal durcheinander, voller unterschiedlicher Stimmungen und Ideen. ts.

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Info

Plakat des Films: Les fantômes d'Ismaël

Kinostart: nicht bekannt

Frankreich 2017

Genre: Drama

Originaltitel: Les fantômes d'Ismaël

Regie: Arnaud Desplechin