Ein Sechzehnjähriger, der sich nach einem unfreiwilligen Umzug von Frankfurt am Main nach Frankfurt an der Oder einen neuen Freundeskreis suchen muss, gerät in eine Neonazi-Clique.

Kinostart: 09.06.2005

Florian Bartholomäi

Florian Bartholomäi
als Georg Beerbaum

Ludwig Trepte

Ludwig Trepte
als Thomas Thiess

Max Mauff

Max Mauff
als Philipp Sander

Max Oelze
als Reiko Zerich

Sven Lubeck
als Kleiner Streber

Isabelle Mbarga
als Jasmin

Alice Dwyer
als Susanna

Annett Kruschke
als Mutter Thie

Falk Rockstroh
als Andreas Beerbaum

Christine Diensberg
als Anke

Dirk Borchardt
als Martin

Petra Hartung
als Frau Paluszek

Errol Shaker
als Simon

Adrian Topol
als Denis

Matthias Schweighöfer
als Daniel

Handlung

Der sechzehnjährige Georg (Florian Bartholomäi) ist frisch von Frankfurt am Main nach Frankfurt an der Oder gezogen, weil sein alleinerziehender Architektenvater vor Ort ein Einkaufszentrum hochziehen soll. Als aktiver Tae-Kwon-Do-Kämpfer mit Meisterschaftsambitionen weckt Georg das Interesse von Thomas (Ludwig Trepte), dem Anführer einer rechtsradikalen Clique. Bisher an Politik kaum interessiert, lässt sich Georg nach anfänglichem Zögern auf die Gang ein.

Im Gegensatz zur braunen Vergangenheit wird die aktuelle Naziszene von deutschen Filmschaffenden bislang eher zurückhaltend thematisiert. Umso wichtiger ist dieses als deutsche Antwort auf "American History X" apostrophierte Drama des Cottbuser Spielfilmdebütanten Mirko Borscht.

Der 16jährige Georg muss mit seinen Eltern von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder umziehen. Er weckt schnell das Interesse von Thomas, dem Anführer einer rechtsradikalen Clique aus seiner neuen Klasse. Mangels Alternativen lässt sich Georg von Thomas mit dem Angebot eines Taekwondo-Trainingsraums ködern. Nach und nach rutscht Georg immer weiter in die Clique.

Weil sein Vater sich beruflich verändert, muss Georg mit ihm von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder umziehen. Dabei verliert der 16-Jährige nicht nur seinen Freundeskreis, er kann auch seine Hoffnungen auf den Gewinn des hessischen Landesmeistertitels im Taekwondo begraben. Am neuen Wohnort gerät er an Thomas, den Anführer einer rechtsradikalen Clique, der ihn mit dem Angebot eines Taekwondo-Trainingsraum ködert. Nach und nach lässt sich Georg immer mehr von den Neonazis vereinnahmen.

Kritik

Rechtsradikalismus in den neuen Bundesländern - Mirko Borscht greift das brisante Thema in seinem Regiedebüt auf, kein langweiliges Zeigefingerelaborat, sondern ganz nah an der Wirklichkeit. Am Beispiel eines Jungen, der von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder ziehen muss, zeigt er, wie leicht ein Jugendlicher in den Dunstkreis von Gewalt und Indoktrination geraten kann und wie schwer es ist, aus dieser Art von "Kameradschaft" wieder herauszukommen.

Der 33jährige in Berlin lebende Regisseur weiß wovon er erzählt. Er stammt aus Cottbus und war zu DDR-Zeiten "in der Punk- und Rockecke unterwegs". Wenn er in den vergangenen Jahren nach Hause kam, wunderte er sich über die Anziehungskraft von Hooligan-Szene und politischer Rechten auf junge Leute. In Einzelgesprächen erfuhr er viel über die Hintergründe, Basis für "Kombat Sechzehn".

Der 16jährige Georg muss mit seiner Schwester wegen Arbeitswechsel des allein erziehenden Vaters nach Frankfurt/Oder ziehen und ist sauer, ihm fehlen die Kumpel und seine Freundin Jasmin, der Traum vom hessischen Landesmeister in Taekwondo platzt. In Brandenbug findet er keinen Verein, wollen ihn die Klassenkameraden fertigmachen, erst durch seine Fähigkeit zur Selbstverteidigung gewinnt er Anerkennung. Auch von Thomas, dem Anführer der Schrecken verbreitenden Gruppe. Als der ihm einen provisorischen Trainingsraum im Cliquenbau einrichtet, beginnt eine zögerliche Freundschaft. Mehr und mehr gerät der Junge aus dem Westen in die rechtsextreme Subkultur.

Borscht vermeidet Klischees und Vereinfachungen wie die, Arbeitslosigkeit und Armut führten automatisch zu Rechtsradikalismus. Schon lange sind es nicht nur Jugendliche aus sozial schwachen Schichten, die den rechten Rattenfängern folgen. So kämpft Georg mit persönliche Problemen, möchte er einfach "dazugehören", ein "Mann" sein. "Kombat 16" schreckt - wie "American History X" oder "Oi Warning" - nicht vor brutalen Szenen zurück, setzt auf die Ästhetik der Jugendkultur, ohne in den Fehler der Über-Ästhetisierung zu verfallen. Der Regisseur arbeitet mit einem Trick. Je verunsicherter Georg wird, um so mehr verwendet er grobkörniges Material, um die innere Wandlung zu unterstreichen. Es wird schnell klar, dass es weniger um Politik geht als darum, sich zu beweisen, wer der coolste, tollste oder härteste Typ ist. Wobei die Grenzen sich nach und nach gefährlich verschieben und die Jungs in den Neofaschismus hineinrutschen. "Kombat Sechzehn" ist nicht perfekt, manchmal verlieren sich Nebenstränge, der Vater Sohn-Konflikt wirkt plakativ wie auch die Tatsache, dass Georgs Freundin aus dem Westen auch noch farbig sein muss. Dennoch trifft der Film den Nerv eines jungen Publikums, spricht seine Sprache und bietet ihm die Möglichkeit zur Auseinandersetzung. Nicht die genaue Bestandsaufnahme der Gegenwart steht im Vordergrund, sondern das Aufzeigen von Defiziten im Umgang miteinander. mk.

Wertung Questions?

FilmRanking: 7866 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Kombat Sechzehn
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 09.06.2005

Deutschland 2005

Länge: 1 h 36 min

Genre: Drama

Originaltitel: Kombat Sechzehn

Regie: Mirko Borscht

Drehbuch: Jana Erdmann, Mirko Borscht

Musik: Alexander Istschenko

Produktion: Jörg Trentmann, Susann Schimk

Kostüme: Elke Sievers

Kamera: Alexander Fischerkoesen

Schnitt: Markus CM Schmidt

Website: http://www.kombatsechzehn.de/