Ein Schweiger hinter der Kamera, zwei Schweigers vor der Kamera: Für seine neue Komödie führte Til Schweiger Regie und spielt, zusammen mit Tochter Lilli, eine der Hauptrollen. Der erste gemeinsame Film der beiden seit "Keinohrhasen".

Kinostart: 20.09.2018

Handlung

Thomas (Til Schweiger) ist DJ, Mitte 40 und will so gar nicht einsehen, dass seine Jugend weiter hinter ihm liegt. Seinen beiden alten Schulfreunden geht es auch nicht besser: Nils (Samuel Finzi) ist dauer-deprimiert und steckt in einer Beziehungskrise mit Ehefrau Jette (Katharina Schüttler). Und bei Andreas (Milan Peschel) ist die Beziehungskrise bereits eskaliert - seine Frau ist mit einem 20 Jahre jüngeren Kerl abgehauen.

Die Einladung zum 30-jährigen Abi-Jubiläum zeigt es dann nochmal ganz deutlich: Die drei sind keine Jungspunde mehr, sie sind alte Säcke. Thomas sieht das Klassentreffen aber als Chance und bläst zum Angriff gegen die Midlife-Crisis. Von wegen altes Eisen, die Drei wollen es bei einem hemmungslosen Partywochenende nochmal so richtig krachen lassen.

Es wird aber ein Ausflug mit Hindernissen: Nicht nur, dass Partyexzesse noch einfacher waren, als die drei Freunde nicht mit diversen Altersbeschwerden zu kämpfen hatten. Thomas hat plötzlich Lili, die 17-jährige Tochter (Lilli Schweiger) seiner aktuellen Flamme an der Backe, die dafür sorgen will, dass Thomas ihre Mutter an dem Wochenende nicht betrügt ...

Kritik

Til Schweigers Remake einer dänischen Erfolgskomödie über drei in die Jahre gekommene Kindsköpfe, die sich gemeinsam zu einem Klassentreffen aufmachen.

As Til as it gets: Welcher Autorenfilmer kann schon von sich behaupten, eine so eindeutige Handschrift zu haben, dass man seine Filme gleich in der ersten Szene unverkennbar als eines seiner Werke identifizieren kann? Bei "Klassentreffen" besteht keine Sekunde Zweifel, dass es sich um den neuen Film jenes Filmemachers handelt, der mit Titeln wie "Keinohrhasen", "Kokowääh" und "Honig im Kopf" in den letzten zehn Jahren einige der erfolgreichsten deutschen Kinofilme gemacht hat. Der Stakkatoschnitt auch in vermeintlich ruhigen Dialogszenen, die superedle Ausstattung ,die üppigen Scope-Bilder, die nach einer großen Leinwand verlangen: alles längst Markenzeichen, die auch einen ungeduldigen Geist verraten. Exposition ist Schweiger ein Graus, weshalb er auch in diesem Remake des dänischen Kassenhits "Klassefesten" aus dem Jahr 2011, dem in den Jahren 2014 und 2016 zwei Fortsetzungen folgten, keine Zeit verschwendet und direkt einsteigt in eine Handlung, die am Original angelehnt ist und dessen Prämisse übernimmt, aber dann inhaltlich wie tonal eigene Wege geht.

Auch bei Schweiger, der das Drehbuch gemeinsam mit Lo Malinke ("Hot Dog") geschrieben hat, geht es um drei Freunde aus Schulzeiten, Kindsköpfe, die sich bislang erfolgreich gegen das Erwachsenwerden gesperrt haben und zum 30. Jubiläum des Schulabschlusses einem Klassentreffen reisen, wo einer von ihnen, der trotz aller beruflicher und familiärer Erfolge vom Leben gestresste Nils, gespielt von Samuel Finzi, eine Rede halten soll. Mit dabei sind dann aber nicht nur der gerade geschiedene Andreas, gespielt von Milan Peschel, der erstmals für Til Schweiger vor der Kamera steht, und der immer Vollgas gebende Lebemann und Star-DJ Thomas, sondern auch die 17-jährige Tochter von Thomas' Lebensgefährtin, die den drei überkandidelten Gockeln ein ums andere Mal den Spiegel vorhält. Bis es im letzten Drittel dann auch echt emotional wird, dient der simple Plot ein ums andere Mal auch einfach als Rahmen für ausgedehnte Bad-Taste-Setpieces, die in der drastischen Tradition der Farrelly-Brüder stehen, allerdings nicht ganz deren Liebenswürdigkeit besitzen.

Wie überhaupt der Ton von "Klassentreffen" oftmals derber ist, als man es bei Schweiger gewöhnt ist. Was vielleicht auch mit dem Thema des Films zu tun hat, in dem es ums Älterwerden geht und der seinen unverbesserlichen Kindsköpfen ihre Grenzen aufzeigt. Hämorriden, Erektionsstörungen, körperliche Zipperlein und generell der Zahn der Zeit sind hier Zielscheibe offener Gespräche und ruppiger Gags in einem Film, der auch ein bisschen wie ein Mainstreamentwurf von Oliver Rihs' nicht unähnlichen "Affenkönig", ebenfalls mit Samuel Finzi in einer der Hauptrollen, auch wenn es dieser deutschen Antwort auf die "Kindsköpfe"-Filme mit Adam Sandler dann doch um Versöhnung geht und eine Besinnung auf das, was wichtig ist: Freunde, Familie, Freude. Dabei geht es dem Film wie seinen drei Protagonisten: Richtig erwachsen werden will er nicht. Mal sehen, wie das bei den beiden angekündigten Sequels weitergeht. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.09.2018

Deutschland 2018

Länge: 2 h 7 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Klassentreffen 1.0 - Die unglaubliche Reise der Silberrücken

Regie: Til Schweiger

Drehbuch: Lo Malinke, Til Schweiger

Musik: Martin Todsharow

Produktion: Christian Specht

Kostüme: Metin Misdik

Kamera: Adrian Cranage

Schnitt: Robert Kummer

Ausstattung: Isabel Forster

Website: http://www.warnerbros.de/kino/klassentreffen_10_die_unglaubliche_reise_der_silberruecken.html

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