Dünkirchen, während des traditionellen Arbeiterklassen-Karnevals: Reichlich angeheitert bietet ein junges französisches Paar einem arabischen Einwandersohn Unterschlupf. In Berlin 1999 ausgezeichneter Arthouse-Film.

Kinostart: 22.02.2001

Amar Ben Abdallah
als Larbi

Sylvie Testud

Sylvie Testud
als Bea

Clovis Cornillac
als Christian

Martine Godart
als Isabelle

Jean-Paul Rouve
als Pine

Thierry Bertein
als Gigi

Dominique Baeyens
als Dorianne

Handlung

Nach einem Streit mit seinem Vater will Larbi, ein Araber, der in zweiter Generation in Frankreich lebt, nach Marseille ausbüchsen, doch der letzte Zug ist bereits abgefahren. Larbi findet Unterschlupf bei dem jungen Paar Bea und Christian, die vom alljährlichen Dünkirchener Karneval nach Hause kommen. Am nächsten Morgen ist der wieder nüchterne Christian wenig begeistert, einen Araber bei sich zu Hause vorzufinden.

Kritik

Im Karneval ist alles erlaubt, er ist eine Auszeit, in der Parties, Paraden, Kostüme, Gesang und Umtrünke ihre eigenen Realitäten erschaffen. In den Karneval der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen, der eine kurze Auszeit für den alltäglichen Rassismus bedeutet, hat Regisseur Thomas Vincent in seinem Debütfilm eine Liebesgeschichte ohne Aussicht eingebunden. Hauptattraktion neben dem närrischen Treiben ist Sylvie Testud ("Jenseits der Stille", "Pünktchen und Anton"), die als frustrierte junge Frau mit panischem Glücksverlangen brilliert.

Der Araber Larbi verlässt im Streit die väterliche Autowerkstatt, will in Marseille einen Neuanfang wagen und hilft in seiner letzten Nacht Bea, die ihren volltrunkenen Mann nach Haus schleppt. Beas Kuss erweckt in Larbi große Erwartungen und er stürzt sich mit Bea, die Königin im Karneval ist, in das Getümmel. Im Freiraum der Feiern kommen sich die beiden in den nächsten Tagen näher, doch Beas Mann Christian, der gerade gefeuert wurde, will sich am Chef rächen und setzt einen dramatischen Schlusspunkt unter die Romanze von Bea und Larbi.

Vincent beobachtet den Kult des schlechten Geschmacks mit sichtlicher Kennerschaft, ohne ihn zu denunzieren und inszeniert einige surreale poetische Momente mit den verkleideten Narren. Die Liebesgeschichte steht unter dem Zeichen des ruhenden und jederzeit explodieren könnenden Rassismus. Sylvie Testud setzt die Reihe ihrer quirligen und lebenshungrigen jungen Frauen mit Bravour fort, fühlt sich in Dünkirchen so heimisch wie in München und ist das große Plus, auf das die Auswertung in den Programmkinos neben der Exotik des französischen Karnevals setzen kann. ger.

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Info

Plakat des Films: Karnaval
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 22.02.2001

Belgien/Frankreich/Schweiz 1998

Länge: 1 h 27 min

Genre: Drama

Originaltitel: Karnaval

Regie: Thomas Vincent

Drehbuch: Maxime Sassier, Thomas Vincent

Musik: Krishna Levy

Produktion: Alain Rozanes, Pascal Verroust

Kamera: Dominique Bouilleret

Schnitt: Pauline Dairou

Ausstattung: André Fonsny