Regiedebüt der argentinischen Regisseurin Ana Piterbarg über einen Mann, der die Identität seines Zwillingsbruders annimmt.

Kinostart: 23.05.2013

Handlung

Imker Pedro war nie ein Menschenfreund, verkroch sich stets in einer einsamen argentinischen Sumpfgegend und besserte sein Gehalt mit Entführungen auf, die er zusammen mit seinen Komplizen Adrian und Ruben verübte. Nach einem Mord taucht er unter und sucht, unheilbar lungenkrebskrank, seinen Zwillingsbruder Agustìn auf, der unzufrieden als verheirateter Kinderarzt in der Stadt lebt. Dieser nutzt die Gelegenheit, den unsympathischen Pedro zu ertränken und kehrt unter dessen Identität in den Sumpf zurück. Ein höchst gefährliches Spiel.

Kritik

Leiser argentinischer Neo-Noir über Hinterlandkriminalität mit Viggo Mortensen im Doppelpack.

Alles an Ana Piterbargs Kinoerstling ist ungewöhnlich, aber nichts davon aufdringlich - ein äußerlich unscheinbarer Trüffel für Cineasten. Viggo Mortensen, der seine Kindheit in Argentinien verbrachte und bereits mehrfach in spanisch-sprachigen Produktionen auftrat, fügt sich in einer Doppelrolle nahtlos ein in das ärmliche Umfeld eines Sumpfes, der die Entbehrungen des Lebens in die Gesichter der Anwohner gezeichnet hat. Piterbarg verbindet Charakterstudie mit existenzialistischem Noir-Drama und psychologischem Suspense-Werk, das mit konstantem Unwohlsein und langsam auftürmender Bedrohung agiert, das Verhalten seines Protagonisten nie ganz erklärt und sich als Meditation über den menschlichen Hang zum Verbrechen erweist - und wie man sich ihm entgegenstellt.

Lakonisch und elliptisch begegnet die untertourige Regie dem unzufriedenen Kinderarzt Agustín, dessen Ehe am Streit über eine Adoption scheitert, und der, als ihn sein lange abwesender Zwillingsbruder Pedro unerwartet besucht, den tödlich Lungenkrebskranken in seiner Badewanne ersäuft, um dessen Identität anzunehmen. Es ist wohl nicht das Geld, das in kleinen Bündeln ständig die Runde macht, das ihn dazu bewogen hat, eher schon eine verzweifelte Flucht aus seinem Leben und die Suche nach einer zweiten Chance. Der Identitätstausch erweist sich als riskantes Spiel, denn der Imker, dessen junge Mitarbeiterin Rosa (Sofia Gala) schnell Verdacht schöpft, war in kriminelle Entführungen verwickelt. Agustín findet sich in einer ähnlich kalt-undurchsichtigen Menschenlandschaft wieder, wie sie auch "Winter's Bone" prägte und lässt sich mit zwei gefährlichen Komplizen ein. Die Polizei sucht Pedro wegen Mordes und foltert ihn, ein Mann will sich an ihm rächen und in dem heruntergekommenen Fleckchen belauert ihn jeder zunehmend misstrauisch.

Dennoch bedeuten die Zärtlichkeiten zwischen diesem "Sommersby" und der 21-jährigen Rosa einen Lichtstreifen in dem unterentwickelten Marschland, gefilmt in eingegrauten Farben, verbrauchten Kulissen und knappen Dialogen, die passgenau sitzen. Männer, besonders die Brüder, sind Grenzgänger ohne wirklichen Anschluss an andere. Für den verzagten Agustín bedeutet es eine schwere Prüfung, sich den drohenden Gewaltausbrüchen zu stellen. Anders als die innerlich reiferen Frauen hat er keinen Plan, sondern will einfach nur irgendwie leben, was, stilistisch dem französischen "Polar" verwandt, zu existenzialistischen Konflikten im Niemandsland führt. Diese lösen ein so leises wie mitfühlendes menschliches Drama aus, das symbolvoll davon erzählt, wie man aus dem Irrgarten, der einen gefangen hält, ausbrechen und das Böse abschütteln kann. tk.

Wertung Questions?

FilmRanking: 856 -68

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 23.05.2013

Argentinien/Spanien 2012

Länge: 1 h 59 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Todos tenemos un plan

Regie: Ana Piterbarg

Drehbuch: Ana Cohan, Ana Piterbarg

Musik: Federico Jusid, Lucio Godoy

Produktion: Viggo Mortensen, Mariela Besuievski, Gerardo Herrero, Vanessa Ragone, Mariela Besuievski, Vanessa Ragone

Kostüme: Valentina Bari

Kamera: Lucio Bonelli

Schnitt: Irene Blecua, Alejandro Lázaro

Ausstattung: Mariela Rípodas

Website: https://www.facebook.com/20thCenturyFoxGermany/app_119556258237936

Ticker

Kino&Co Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.