Kriegsfilm von Sam Mendes nach den Memoiren von Anthony Swofford über den Werdegang eines amerikanischen Marines.

Kinostart: 05.01.2006

Jake Gyllenhaal

Jake Gyllenhaal
als Anthony Swofford

Peter Sarsgaard

Peter Sarsgaard
als Allen Troy

Lucas Black
als Chris Kruger

Jamie Foxx
als Staff Sergeant Sykes

Chris Cooper
als Lieutenant Colonel Kazinski

Jacob Vargas
als Cortez

Laz Alonso
als Escobar

Scott MacDonald
als D.I. Fitch

Brian Geraghty
als Fergus

Tyler Sedustine
als Harris

Jocko Sims
als Julius

Brianne Davis
als Kristina

Dennis Haysbert
als Major Lincoln

Iván Fenyö
als Pinko

Evan Jones
als Fowler

Sam Rockwell

Rini Bell
als Rini

Peter Gail
als Doc John

Kareem Grimes

Jamie Martz
als Foster

Handlung

1989 meldet sich Anthony 'Swoff' Swofford (Jake Gyllenhaal) wie zuvor schon sein Vater und Großvater zu den Marines. Mit seinen Kumpels Alan (Peter Sarsgaard) und Chris (Lucas Black) kämpft er sich durch die Grundausbildung und landet schließlich in der Einheit von Sergeant Sykes (Jamie Foxx) im Rahmen der Operation Desert Shield in Kuweit, wo es nach der Vertreibung irakischer Invasoren brennende Ölfelder zu bewachen gibt. Und wenig anderes.

Mehr vom meditativen Nichtstun im Irgendwo und den damit verbundenen Ausrastern als von Heldentaten im Schützengraben erzählt der ebenso erfolgreiche wie kontrovers diskutierte Golfkriegsfilm von "American Beauty"-Regisseur Sam Mendes.

Swoff bewirbt sich 1989 beim Marine Corps - weil ihm nichts Besseres eingefallen ist. Nach der Grundausbildung zum Scharfschützen wird Swoffs Trupp in den Nahen Osten geschickt, wo er kuwaitische Ölfelder schützen soll. Dort müssen die frustrierten Marines erkennen, dass ihre Infanterie durch den Einsatz von Präzisions-Bomben weitgehend überflüssig gemacht worden ist.

Scharfschütze "Swoff" und sein Partner Troy ziehen in den Krieg. Zu Fuß. In einen Krieg, der in der Luft entschieden wird. Nach der menschenverachtenden Ausbildung landet das Paar in einem Wüstencamp. Dort heißt es Warten. Auf Post von zu Hause. Aufs nächste Essen. Auf Action. Und bis es soweit ist, hängen die Soldaten Fotografien ihrer untreuen Freundinnen an die "wall of shame". Spielen Gasmasken-bewehrt unter dem Kommando des Kommisskopfs Sykes Football, veranstalten Skorpionkämpfe und masturbieren, bis der Einsatzbefehl kommt.

Kritik

Ein Kriegsfilm auf der Suche nach einem Krieg: "American Beauty"- und "Road to Perdition"-Regisseur Sam Mendes nahm in seiner dritten Regiearbeit ein ambivalentes Drama in Angriff, in dem der hervorragende Jake Gyllenhaal als Marine im ersten Golfkrieg an die Leinwandfront geschickt wird. Er beklagt sich gegen Ende des Films, im Krieg "keine Action gesehen zu haben" - ein ähnlich nagend unerfülltes Gefühl könnte trotz hypnotischer Szenen das Fazit eines so manches Zuschauers sein.

Das Drehbuch von William Broyles basiert auf den Militärmemoiren von Anthony Swofford, in dem nach klassischer Struktur der Werdegang des Protagonisten vom naiven Zivilisten zum desillusionierten Soldaten geschildert wird. Hauptdarsteller Gyllenhaal (emotional nuanciert wie im Kulthit "Donnie Darko") als Swoff fungiert auch als Erzähler des Films, der mit seinen lakonischen Kommentaren die zunehmend absurden Situationen in ein persönlich-authentisches Licht rückt. Er bewirbt sich 1989 beim Marine Corps, um die Familientradition fort zu führen und weil ihm nichts Besseres eingefallen ist. Die Sequenzen im Ausbildungslager inklusive systematischer Misshandlung und einem unerträglichen Drillsergeanten erinnern gezielt an Stanley Kubricks "Full Metal Jacket": "Jarhead" (ein Ausdruck, den Marines für sich selbst benutzen: ein leeres Gefäß, das nach Belieben gefüllt werden kann) ist ein Kriegsfilm, in dem es in erster Linie über Kriegserfahrungen aus zweiter Hand geht. Nach der Grundausbildung zum Scharfschützen wird Swoffs Trupp unter der Führung von Staff-Sergeant Sykes (Jamie Foxx als Vollblutmilitarist) in den Nahen Osten geschickt, wo er kuwaitische Ölfelder schützen soll. Ab diesem Zeitpunkt sind die gespenstischen Bilder des Kamera-Virtuosen Roger Deakins wie von zuviel Wüstensonne ausgeblichen-ausgedörrt. Auch die Handlung ähnelt über längere Strecken einem Treck durch die Wüste, da nun ausführlich die monatelange Routine der Soldaten vor dem eigentlichen Krieg, der niemals kommt, dargelegt wird. Ihr Zusammenleben in klaustrophobischen Zeltbaracken verbringen sie mit machohaften Rumalbern, Diskussionen über untreue Freundinnen und Frauen, Footballspielen in der Wüste, Masturbation und viel untätigem Rumsitzen. Die Langeweile führt zu Frustration und Aggression, die sich erstmals entlädt, als sich die Marines bei einer "Apocalypse Now"-Vorführung freudig-ekstatisch in Kriegsstimmung versetzen. Doch ihre enthusiastische Blutlust bekommt einen Dämpfer, als sie erkennen müssen, dass die Infanterie durch den Einsatz der präzisionsgenau Bomben werfenden Luftwaffe weitgehend überflüssig gemacht worden ist. So sind sie in die Rolle passiver Zuschauer gedrängt, die die Destruktion nur anhand ausgebrannter Fahrzeuge und verkohlter Leichen observieren, jedoch selbst nicht an der Action teilnehmen dürfen. Die faszinierendsten Aufnahmen (jetzt visuell voll glühender Lebendigkeit) verfügen über einen surrealen Anstrich und bestehen aus den brennenden Ölfeldern, dem Erscheinen eines ölbesudelten Hengstes und der kathartischen Party zum Kriegsende. Sarkastisch von den wummernden Klängen von Public Enemys "Fight The Power" unterlegt, tanzen die metaphorisch bislang impotenten Soldaten einen primitiven Freudentanz um ein Feuer und entladen all ihren psychologischen Druck, indem sie orgiastisch ihre Maschinengewehre in die Luft feuern. Ein immer interessanter, bisweilen messerscharfer Zeitkommentar aus persönlicher Perspektive, der sich in Bild und Ton vor den Giganten des Genres verneigt, dabei aber auch ganz anders ist. Nicht von ungefähr sagt der Protagonist in der abschließenden Szene des Films: "Jeder Krieg ist anders. Und jeder Krieg ist gleich." ara.

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Info

Plakat des Films: Jarhead - Willkommen im Dreck
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 05.01.2006

USA 2005

Länge: 2 h 2 min

Genre: Drama

Originaltitel: Jarhead

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: William Broyles

Musik: Thomas Newman

Produktion: Lucy Fisher, Douglas Wick

Kostüme: Albert Wolsky

Kamera: Roger Deakins

Schnitt: Walter Murch

Ausstattung: Dennis Gassner, Stefan Dechant, Christy Wilson

Website: http://www.jarhead-film.de

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