Große Liebe zwischen den Regalen einer Großmarkthalle: Die ungewöhnliche, stille Romanze mit „Toni-Erdmann“-Star Sandra Hüller und Newcomer Franz Rogowski war Publikumsliebling der Berlinale 2018.

Kinostart: 24.05.2018

Handlung

Es ist das Jahr des großartigen Franz Rogowski! Auf der Berlinale war er nicht nur European Shooting Star, sondern auch gleich mit zwei Filmen im Wettbewerb vertreten: "Transit" von Christian Petzold und Thomas Stubers grandiose Liebesgeschichte, die "In den Gängen" eines Großmarktes spielt.

Dort lernt der schüchterne Christian (Rogowski), der Neue in der Nachtschicht in Brunos (Peter Kurth) Getränkeabteilung, die vorlaut-liebenswerte Marion (Sandra Hüller) kennen. Der Rest ist Gabelstaplerfahren und ein vorsichtiges Ballett des Kennenlernens, Annäherns und Loslassens ... Lakonisch wie bei Kaurismäki, schlicht herzerwärmend.

Kritik

Lakonische und warmherzige Liebesgeschichte in einem Großmarkt, vielleicht der schönste Film des Wettbewerbs der 68. Berlinale.

Thomas Stuber verzaubert mit seiner wunderbar einfachen und warmherzigen Geschichte eines jungen Mannes, der im Mikrokosmos eines Großmarkts Freundschaft und Liebe findet. Die Vorlage lieferte Clemens Meyer, mit dem Stuber erneut zusammenarbeitet. Franz Rogowski, der bereits in Christian Petzolds "Transit" im Wettbewerb überzeugte, spielt ihn und passt sich hier sogar noch besser in die liebevoll und durchdacht kreierte Filmwelt ein, ein profaner Markt, nachts, neonlichtbeleuchtet, doch gar nicht so trostlos, wie man meinen könnte. Christian wird als neuer Mitarbeiter vom Chef der Nachtschicht begrüßt, bekommt seine Arbeitsuniform, blauer Kittel samt Kulis, Cutter und Namensschild und hat bis dahin noch kein Wort gesagt. Er wird auch im Laufe des Filmes wenig sagen, am wenigsten unter den auch nicht gerade redseligen Kollegen. Den ersten, den er kennenlernt, ist Bruno, der sein väterlicher Freund wird, gespielt von Peter Kurth. Er hatte die Titelrolle in Stubers Lola-prämierten "Herbert" inne und strahlt auch hier erdige Präsenz aus. So wunderbar lakonisch wie Stuber Kontaktaufnahme und Kommunikation durch Blicke, (auch durch die Regale hindurch), Gesten und nur wenige Worte stattfinden lässt, erinnert an Aki Kaurismäki. Die Kamera ist oft statisch, beobachtet aber auch von oben. Die Szenen funktionieren dank dem perfekten Timing - jeder Bewegung wird die richtige Zeit eingeräumt, sie aus zu führen und in Ruhe beobachten zu können - und dank der präzisen Spielweise. Rogowskis Christian bewegt sich ungemein behutsam, beim Gehen, beim Räumen in den Regalen und am Ende, wenn er ausgelernt hat, auch beim Gabelstaplerfahren, das einen durchaus großen Raum im Film einnimmt. Stuber liefert ein regelrechtes Gabelstapler-Ballett - ein bisschen wie bei Tati - was bereits zu Anfang angedeutet wird, wenn der Zuschauer zu Walzerklängen einen ersten Blick in die Gänge wirft, die der Film fast nie verlässt. Auch lakonisch, ein bisschen verspielter erzählt Stuber die Liebesgeschichte. Als der zurückhaltende Christian die kecke Marion - Sandra Hüller lässt auch deren Zerbrechlichkeit hervorscheinen - zum ersten Mal sieht, hört er Meeresrauschen. Das wird auch später passieren. Ihre Dialoge sind kleine Kunstwerke für sich. Details wie das Meeresrauschen oder Cutter, Kabelbinder und Palmentapete fügen die Geschichte zusammen, die nach dem Alltag, den Arbeitszeiten im Markt strukturiert ist. Nur dort findet das richtige Leben für die Kollegen statt, die eine Familie bilden, Wendeverlierer sind und alle ihre traurigen Hintergrundgeschichten haben, die aber nie auserzählt, sondern nur angedeutet werden. Ein feiner Film, der Räume lässt, für die Schauspieler und das Publikum, das schmunzeln und mit seinen Protagonisten fühlen kann. Ein Film, der bei der Bärenvergabe zu unrecht nicht berücksichtigt wurde. hai.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 24.05.2018

Deutschland 2018

Länge: 2 h 0 min

Genre: Drama

Originaltitel: In den Gängen

Regie: Thomas Stuber

Drehbuch: Clemens Meyer, Thomas Stuber

Buchvorlage: Clemens Meyer

Produktion: Jochen Laube, Fabian Maubach

Kostüme: Christian Röhrs, Juliane Maier

Kamera: Peter Matjasko

Schnitt: Kaya Inan

Ausstattung: Jenny Roesler

Website: http://www.zorrofilm.de/index.php?id=182

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