Regiedebüt der Schauspielerin Eva Ionesco über eine ehrgeizige Fotografin (Isabelle Huppert), die ihre Tochter als Muse entdeckt und in die Lolita-Rolle drängt.

Kinostart: 27.10.2011

Isabelle Huppert

Isabelle Huppert
als Hannah Giurgiu

Anamaria Vartolomei
als Violetta Gurgiu

Georgetta Leahu
als Mamie

Handlung

Im Paris der Siebzigerjahre beginnt eine Fotografin, ihre zehnjährige Tochter Violetta als verführerische Lolita vor der Kamera zu inszenieren, um Geld zu verdienen und berühmt zu werden. Anfänglich liebt das Mädchen die Verkleidung und das Posieren, aber nach und nach gestalten sich die Aufnahmen immer freizügiger mit Strapsen, Schminke und lasziver Haltung. Als sie sich bei einem Shooting mit einem Rockstar weigert, sich auszuziehen, eskaliert die Situation. Das Objekt der Begierde versucht, sich dem Einfluss der Mutter zu entziehen.

Kritik

Autobiografisch geprägtes Regiedebüt über ein sehr junges Mädchen, das von seiner exzentrischen Mutter als verführerische Lolita vor der Kamera inszeniert wird.

Die Figur der Lolita gehört zum Kino. Unvergessen bis heute der Skandal-Tsunami bei Stanley Kubricks "Lolita" aus dem Jahre 1961, Adrian Lynes Neuverfilmung von Vladimir Nabokovs literarischer Vorlage erschütterte 1998 weniger. Im Gegensatz zur Altherrenfantasie ist es hier der voyeuristische Blick einer Mutter auf ihre Tochter, der eine Kindheit zerstört. Und das ist auch das Verstörende an Eva Ionescos auf Kindheitserinnerungen basierendem Drama. Für ihre Mutter stand sie ab dem vierten Lebensjahr Modell, machte 1974 Furore durch eine Ausstellung mit erotischen Schwarzweißfotos, es folgten Aktaufnahmen der Minderjährigen in morbiden Settings und Nacktfotos in Playboy und Penthouse. Die Violetta im Film ist beim ersten Posieren zehn Jahre alt und von ihrer schillernden Mutter fasziniert. Die kreuzt auf, wann es ihr gefällt und überlässt ihre Erziehung der frommen rumänischen Urgroßmutter. Was als Verkleidung inmitten von Requisiten beginnt, wird zur freizügigen Fotografie mit Strapsen, Schminke, toupierten Haaren und lasziver Haltung. "Die kleine Prinzessin eines einzigartigen Universums" wird zum Star. Als sie sich bei einem Shooting an der Seite eines englischen Rockstars ausziehen soll, weigert sie sich. Nach dem plötzlichen Tod der Urgroßmutter eskaliert die Situation.

Emotional anrührend zeichnet der fulminant ausgestattete Film die Entwicklung von Mutter und Tochter, deren Rollen sich vertauschen - das Mädchen wandelt sich zur Frau und rebelliert gegen die Mutter, die regrediert und Selbstporträts in Mädchenkleidern inmitten von Puppen macht. Durch den bewussten Verzicht auf eine moralische Sichtweise gerät das kindliche Leid (eine Entdeckung: Anamaria Vartolomei) etwas aus dem Fokus, auch wenn Einsamkeit, Ausgrenzung und Isolation, Sehnsucht nach Normalität wie eine Wunde brennen. Isabelle Huppert spielt sich in einer Mischung aus blondem Vamp und alles verschlingender Hexe im märchenhaften Spiegelkabinett in den Vordergrund. Das Porträt einer dekadenten Zeit wird die Debatte um Kinderpornografie neu entfachen. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 27.10.2011

Frankreich 2011

Länge: 1 h 46 min

Genre: Drama

Originaltitel: My Little Princess

Regie: Eva Ionesco

Drehbuch: Philippe Le Guay, Marc Cholodenko, Eva Ionesco

Musik: Bertrand Burgalat

Produktion: François Marquis

Kostüme: Catherine Baba

Kamera: Jeanne Lapoirie

Schnitt: Laurence Briaud

Ausstattung: François-Renaud Labarthe

Website: www.notaprincess.x-verleih.de/

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