Schongslose und bewegende filmische Aufarbeitung des Hungertodes von Bobby Sands.

Kinostart: 13.08.2009

Michael Fassbender

Michael Fassbender
als Bobby Sands

Liam Cunningham
als Pater Moran

Stuart Graham
als Ray Lohan

Laine Megaw
als Rays Frau

Brian Milligan
als Davey

Liam McMahon
als Gerry

Karen Hassan
als Gerrys Freundin

Frank McCusker
als Direktor

Lalor Roddy
als William

Helen Madden
als Mrs. Sands

Des McAleer
als Mr. Sands

Geoff Gatt
als Mann mit Bart

Rory Mullen
als Priester

Handlung

In den frühen 80er Jahren beginnt im berüchtigten nordirischen Gefängnis Maze eine Gruppe von aus verschiedenen Gründen inhaftierten IRA-Mitgliedern damit, die Forderung nach einem Status als politische Gefangene mit einer Reihe publikumswirksamer Widerstandsaktionen zu unterstreichen. Als verschiedene andere Verfahren nicht zu den gewünschten Verhandlungen sondern nur zu schlimmeren Repressalien führen, tritt eine Gruppe um den charismatischen Anführer Bobby Sands in den Hungerstreik. Mit tragischen Folgen.

Minutiöse, ergreifende und schonungslos inszenierte Chronik der Ereignisse, die zum Tod von elf polischen Gefangenen der IRA in nordirischen Gefängnissen Anfang der 1980er Jahre führte.

Kritik

Der Hunger rechtfertigt die Mittel im packenden Regiedebüt und Gewissensdrama des Namensvetters von Steve McQueen.

Als beeindruckende Geschichtslektion mit aktuellen Anspielungen auf den Krieg gegen den Terror führt das Regiedebüt des in Cannes mit der Caméra d'Or als Bester Erstlingsfilm ausgezeichneten Steve McQueen ins Jahr 1981 in den sechswöchigen Hunger- und Waschstreik der irischen Aktivisten im Maze Prison in Nordirland. McQueen widmet sein Werk, das wie eine forensische Studie funktioniert, dem Aktivisten Bobby Sands, überragend verkörpert von Michael Fassbender (Francois Ozons "Angel"). Sands war eine Schlüsselfigur der IRA, überzeugt von der Opposition gegen England, dem Glauben an ein vereintes Irland und dem mit Waffen geführten Kampf. Im Gefängnis benutzte er Körper und Leben als letztes Mittel und verlangte, als Kriegsgefangener behandelt zu werden. Das Schicksal von Sands inspirierte schon öfters Theater und Film, u.a. in "Some Mother's Son - Mütter & Söhne".

"Hunger" liefert einen bis zum letzten Kassiber lebendigen und bis zum letzten Exkrement detailgenauen Einblick in den, wegen seiner Form, H-Block genannten Gefangenentrakt des Maze Prison, wo die Inhaftierten sich weigern, Gefängniskleidung zu tragen und zu essen. Nur mit Handtüchern bekleidet und vollbärtige erinnern sie bald an Jesus-artige Knochengrippe. Währendessen schlagen und scheren die Wärter Köpfe. Für sie steht Raymond (Stuart Graham), der jeden Tag unter seinem Auto nach Bomben sucht und dessen blutig vernarbte Fingerknöchel nie heilen.

Zentrale Szene ist ein langes Gespräch zwischen Sands und Pater Dominic Moran (Liam Cunningham), bei dem die Kamera sich nicht bewegt und die einander am Tisch gegenübersitzenden Männer fixiert. Ein Ruhepunkt in der Halbzeit eines Films, der die lebende Hölle schildert, wo die mit Kot beschmierten Wände fast wie abstrakte Gemälde wirken. Da zeigt sich die visuelle Ausbildung des Turner-Preisträgers McQueen. Grandiose Bildkompositionen sind spürbar bei Schneefall, Reinigen des Korridors von Urinbächen und Sands' Agonie. Ein wuchtiger Film voll Power und Poesie, Pflichtprogramm für jedes politisch bewusste Arthouse-Kino. ger.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 13.08.2009

Großbritannien 2008

Länge: 1 h 36 min

Genre: Drama

Originaltitel: Hunger

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: Steve McQueen, Enda Walsh

Musik: David Holmes, Leo Abrahams

Produktion: Robin Gutch, Laura Hastings-Smith

Kostüme: Anushia Nieradzik

Kamera: Sean Bobbitt

Schnitt: Joe Walker

Ausstattung: Tom McCullagh