Österreichisches Alpenrock-Musical, das Heimatvermarktung und Dirndlfashion auf die Schippe nimmt.

Kinostart: 06.05.1999

Handlung

Helden ist ein kleines Dorf in Tirol, wo die Welt noch in Ordnung ist. Ausgerechnet diese Bergidylle will der überehrgeizige Bürgermeister mit Hilfe eines skrupellosen Anwalts aus der Stadt in ein Mekka des Massentourismus verwandeln. Nur Max Adler kann die kaltblütige Vermarktung abwenden und dabei auf die tatkräftige Unterstützung zahlreicher Helden und Heldinnen zählen. Zusammen mit einem Bautrupp kämpfen sie um die Zukunft ihrer Heimat.

Kritik

Wo der Pfarrer von der Haushälterin mit der Nudelrolle massiert wird, wo der Dorfdepp drei Dirndlträgerinnen mit Liebesliedern verführt und wo die Madeln mit dem dicken Bizeps die gestandenen Mannsbilder beim Armdrücken und Kampftrinken auf und unter den Tisch schmettern: Da muß in der Gattung des Heimatfilms was passiert sein. Was, das läßt sich mit Wonne in Niki Lists schräger Parodie und Neuformulierung von Alpenrausch und Edelweiß, Schneerosen und Bergjagd höchst komisch verfolgen. Denn List treibt den Idylliker der Trachtenträger und Blaskapellen mitten in die Rassanz einer johlenden und die Massive erschütternden Jodel-Rock-Oper.

Die vier Jahre Vorarbeit haben sich für Niki Kist, der 1986 mit "Müller Büro" den Privatdetektiv mächtig durch den Kakao seiner filmischen Klischees zog, gelohnt. Denn die Story vom edlen Adlerzüchter und Gipfelstürmer Max ("Müller" Christian Schmidt), der mit dem Pfarrer und einem Trupp Bauarbeiter verhindert, daß sein Dorf vom Massentourismus heimgesucht wir und der die geliebte Emma im Finale zur Mehrfachhochzeit vor den Altar führt, wo Jesus vom Kreuz steigt, seinen unkeuschen Don Camillo verheiratet und feuert, ist ein wahrer Bilder und Musiksturm geworden, der mit Enzian im Vollrausch versinkt. Einfälle hagelt es jede Menge, von den gewohnt dröhnenden Flatulenzen über eine herrliche Parallelmontage von Predigt und Wirtshausschlägerei bis zum Genuß von Johanniskraut als bewußtseinserweiterndem Joint. Lists Alpen im Rocksound machen aus dem kleinen Dorf Helden in Tirol einen Ort der verrückten und tollkühnen Gaudi, der dank der sich wegen der Vielfalt der Musik nie abnutzenden Sounds, spielfreudiger Darsteller und inszenatorischer Leckerbissen als "Feel-Good-Movie" seinen Generalangriff auf die in die Mangel genommenen Stereotypen des Heimatfilms gewinnen sollte: mit einem ansteckenden Humor. ger.

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Info

Plakat des Films: Helden in Tirol
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 06.05.1999

Deutschland/Österreich/Schweiz 1998

Länge: 1 h 49 min

Genre: Musikfilm

Originaltitel: Helden in Tirol

Regie: Niki List

Drehbuch: Niki List, Walter Kordesch

Musik: Peter Janda, Heinz Leonhardsberger

Produktion: Niki List

Kamera: Martin Stingl

Schnitt: Evi Romen

Ausstattung: Manfred Ebner, Geoffrey Wirth