Starbesetztes Beziehungsdrama von Mike Nichols, in dem sich zwei Männer und zwei Frauen gegenseitig betrügen, belügen, verlieben und entlieben.

Kinostart: nicht bekannt

Julia Roberts

Julia Roberts
als Anna

Jude Law

Jude Law
als Dan

Natalie Portman

Natalie Portman
als Alice

Clive Owen
als Larry

Colin Stinton

Nick Hobbs
als Taxifahrer

Die Handlung von Hautnah

Die frisch geschiedene Fotografin Anna (Julia Roberts) beginnt ein Techtelmechtel mit dem aufstrebenden, doch einstweilen wenig erfolgreichen Literaten Dan (Jude Law), um dann doch den mit beiden Beinen im Leben stehenden Dermatologen Larry (Clive Owen) zu heiraten. Dan seinerseits findet in der Stripperin Alice (Natalie Portman) eine neue Freundin und Muse, die ihn nicht nur in seinem Schaffen unterstützt, sondern auch ermuntert, es doch nochmal bei Anna zu versuchen.

Starke Darstellerleistungen tragen einen stargespickten, dramatischen Beziehungsreigen von Regie-Altmeister Mike Nichols ("Catch 22").

Der Schriftsteller Dan verliebt sich in die Stripperin Alice, die Fotografin Anna in den Arzt Larry. Dann begegnen sich Anna und Dan, beginnen eine Affäre, und setzen diese auch fort, als Anna und Larry heiraten. Als nach Jahre andauerndem Lug und Betrug schließlich alle Beteiligten mit der Wahrheit herausrücken, startet ein schonungsloser Kampf der beiden Männer um beide Frauen, bei dem Gefühle verletzt und Herzen gebrochen werden und die Liebe irgendwie auf der Strecke bleibt.

Mit einer Un- bzw. Zufallsbegegnung beginnen turbulente Zeiten für vier (Wahl)Londoner. Denn nach der Liebe auf den ersten Blick setzt der Alltag ein. Mit der Stripperin Alice, dem Journalisten Dan, der Fotografin Anna und dem Hautarzt Larry geraten vier Großstädter aneinander, die sich über mehrere Jahre ver- und entlieben, anbeten und verachten, demütigen und vergöttern. Selbst die Heirat von Anna und Larry setzt dem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel kein Ende, sondern bildet nur den Auftakt für neuerliche emotionale Kahlschläge.

Kritik zu Hautnah

Im besten Fall zeichnen sich die Filme von Mike Nichols seit Mitte der sechziger Jahre durch Direktheit, Ehrlichkeit und bissige Satire aus, mit der der Filmemacher menschliche wie gesellschaftliche Zustände kommentiert. Nichols' Begeisterung für das Spiel mit Worten geht mit seiner Liebe zum Theater einher, die er nicht nur auf der Bühne, sondern auch immer wieder mit Leinwand-Adaptionen von Klassikern wie seinem Debüt "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" bis zu seinem Golden-Globe- und Emmy-Abräumer "Angels in America" von 2003 verwirklicht hat. Und nun also auch mit "Hautnah", der auf einem gefeierten Stück des Briten Patrick Marber beruht, das den Begriff "Beziehungsdrama" so wörtlich nimmt wie Nichols die Prämissen der Bühnenvorlage.

Die Zutaten für die filmische Version von "Closer" kann man fast an einer Hand abzählen: Vier Hollywoodstars; die fast irrelevante, regnerisch graue Kulisse Londons, die wie die Stars in ihren unauffälligen bis trashigen Klamotten angenehm unglamourös auftritt; sowie ausgefeilte, messerscharf gewetzte und manchmal umwerfend komische Dialoge, die im Krieg der Geschlechter die wirksamsten Waffen sind. Der beginnt, als den gescheiterten Schriftsteller Dan (Jude Law) die Liebe zur New Yorker Stripperin Alice (Natalie Portman) so zufällig trifft, wie Alice das Taxi, vor das sie versehentlich läuft, weil sie mitten im Londoner Straßenverkehr die Augen einfach nicht von Dan abwenden kann. Ebenfalls eher die Folge einer Art "Unfall" ist die Beziehung zwischen dem Dermatologen Larry (Clive Owen) und der Fotografin Anna (Julia Roberts), die Dan später für seinen ersten veröffentlichten Roman ablichten wird. Dann beginnen Dan und Anna eine Affäre. Es vergeht zunächst ein Jahr, in dem beide ihre Partner belügen und betrügen und schließlich - trotz Annas und Larrys Heirat -, die Wahrheit gestehen. Ohne Rücksicht auf verletzte Gefühle und gebrochene Herzen setzen von nun an beide Männer alles daran, Anna für sich zu gewinnen, was weniger mit der Sehnsucht nach der großen Liebe als mit dem Triumph des männlichen Egos, mit Macht und Sex zu tun hat.

In chronologisch aufeinander folgenden Episoden, deren unterschiedliche zeitliche Abstände vom Zuschauer jedoch jeweils erst nach und nach zu erschließen sind, was die Struktur des Films interessant und reizvoll macht, konfrontiert Nichols jeweils zwei seiner Figuren miteinander, lässt sie flirten oder streiten, sich wahlweise mit der Wahrheit oder ihren Lügen Schmerz zufügen, manchmal unvermeidlich, manchmal absichtlich, und den Verlauf der Verhältnisse wieder und wieder in eine neue Richtung lenken. Der Film und vor allem seine Dialoge sind herrlich freizügig, manchmal sogar richtiggehend schamlos schmutzig. Marbers Drehbuch zufolge wird hier kein Blatt vor den Mund genommen, was schon früh in einer Sequenz gipfelt, in der Dan und Larry in einem Internet-Sex-Chatroom zusammen kommen - einer verblüffend langen und grenzüberschreitenden Szene, die irgendwann peinlich berührt. Genau diese Reaktion reizt Nichols auch am Ende aus, wenn er Larry und Alice in einem Stripclub aufeinandertreffen lässt, wenn Portman zwar nicht alle stofflichen Hüllen fallen lässt, aber auch hier beide Figuren in einer schmerzhaft emotionalen Tortur einen Seelenstrip vorführen. Alle vier spielen hervorragend, intensiv, und sind - einmal abgesehen von Owens eher typisiertem ehrgeizigem Dermatologen - nachvollziehbar und glaubwürdig. Die menschlichen Makel der Charaktere und die ständigen Wechsel der Vorzeichen machen es wiederum dem Zuschauer nicht einfach, Partei und Sympathien zu ergreifen. Eher hasst und liebt man gleichermaßen, wobei man jedoch seinen Blick vor allem von Jude Law in seiner bislang komplexesten Rolle nicht abwenden mag. Natalie Portman, deren Alice schon in der ersten Szene und der ersten Begegnung mit Dan Verletzungen davon trägt, entlockt der zerbrechlichen Schale ihrer mädchenhaften Figur schließlich eine erstaunlich starke Frau, die vielleicht als Einzige im Reigen aufrichtig genannt werden kann. Der Film stellt in seinem Beziehungsreigen die richtigen Fragen - nach der Liebe, der Existenz einer Liebe auf den ersten Blick, der Notwendigkeit von Wahrheit oder Lügen in Beziehungen, der Bedeutung von Sex und dem, was geschlechtsreife Großstädter im Jahr 2004 zusammenbringt. Er ist sehr sinnlich, erotisch, unterhaltsam und geht in seinen eindringlichsten Momenten wirklich unter die Haut. Und das ist vor allem Law, Roberts, Portman und Owen zu verdanken, die sich bei der Vergabe der Schauspieler-Oscars damit schon mal vorne anstellen dürfen. deg.

Wertung Questions?

FilmRanking: 71764 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Hautnah
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: nicht bekannt

USA 2004

Länge: 1 h 44 min

Genre: Drama

Originaltitel: Closer

Regie: Mike Nichols

Drehbuch: Patrick Marber

Produktion: Mike Nichols, Cary Brokaw, John Calley

Kostüme: Ann Roth

Kamera: Stephen Goldblatt

Schnitt: John Bloom, Antonia Drimmelen

Ausstattung: Mark Raggett, Tim Hatley, Hannah Moseley

Website: http://www.hautnah-derfilm.de/

Auszeichnungen

2 Golden Globes: