Lange überfällige Fortsetzung von "Das Schweigen der Lämmer", in der Hannibal Lecter von seinem Erzfeind den Schweinen zum Fraß vorgeworfen werden soll.

Kinostart: 15.02.2001

Anthony  Hopkins

Anthony Hopkins
als Hannibal Lecter

Julianne Moore

Julianne Moore
als Clarice Starling

Ray Liotta

Ray Liotta
als Paul Krendler

Frankie Faison
als Barney

Giancarlo Giannini
als Rinaldo Pazzi

Francesca Neri
als Allegra Pazzi

Zeljko Ivanek
als Dr. Cordell Doemling

Hazelle Goodman
als Evelda Drumgo

David Andrews
als FBI Agent Pearsall

Francis Guinan
als FBI Direktor Noonan

James Opher
als DEA Agent Eldridge

Enrico Lo Verso
als Gnocco

Ivano Marescotti
als Carlo

Fabrizio Gifuni
als Matteo

Ennio Coltorti
als Ricci

Gary Oldman
als Mason Verger

Johannes Kiebranz
als Mr. Konie

Handlung

Zehn Jahre nach seiner Flucht aus dem Gefängnis meldet sich Hannibal Lecter aus seinem Unterschlupf in Florenz bei Clarice Starling. Überraschende Aktivitäten des FBI haben ihn aufmerksam werden lassen. Er ahnt nicht, dass der Multimillionär Verger, den Lecter einst zwang, sich selbst das Gesicht abzuschälen, die Faszination Lecters für die FBI-Agentin nutzen will, um ihn zu fangen und buchstäblich den Schweinen zum Fraß vorzuwerfen.

Gut ein Jahrzehnt, nachdem Clarice Starling den Frauenmörder Buffalo Bill mit Hilfe des inhaftierten Serienkillers Hannibal Lecter zur Strecke brachte, gerät ihre einst steile FBI-Karriere in Turbulenzen. Just da meldet sich der zwischenzeitlich den Kerkermauern entwichene Lecter mit einer Art Liebesbrief aus Florenz bei ihr zurück. Lecter zu verhaften könnte ihren Ruf retten, doch muss Clarice sich beeilen: Der mysteriöse Milliardär Mason Verger, von Lecter einst verunstaltet, scheut keine Anstrengung, persönlich Rache zu üben.

Der aus dem Gefängnis enflohene Lecter meldet sich aus Florenz bei Clarice Starling, deren Karriere auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Die Verhaftung von Lecter könnte ihren Ruf retten, doch auch der einst von ihm verunstaltete Milliardär Verger ist hinter ihm her. Sequel mit dem charmantesten aller Kino-Serienmörder, in dem Julianne Moore die Rolle von Jodie Foster übernommen hat.

Kritik

Exakt zehn Jahre, nachdem Hannibal Lecter sich mit einem alten Bekannten zum Lunch verabredete, brechen die Lämmer ihr Schweigen: Von Ridley Scott ein knappes Jahr nach "Gladiator" nach der Vorlage des Bestsellers von Thomas Harris inszeniert, kommt es zum lange ersehnten zweiten Leinwand-Zusammentreffen von Hannibal the Cannibal und Clarice Starling, nachdem "Das Schweigen der Lämmer" Maßstäbe für den modernen Thriller gesetzt und en passant fünf Oscars abkassiert hatte. Diesmal steht jedoch nicht die FBI-Agentin (nach der Absage von Jodie Foster kompetent von Julianne Moore dargestellt) im Mittelpunkt, sondern der von Anthony Hopkins einmal mehr mit Hochgenuss gespielte Lecter selbst, der vom einzigen Überlebenden einer seiner Attacken mit allen Mitteln gejagt wird.

Das Warten hat ein Ende, weil der exzentrische Harris sich im vergangenen Jahr mit der Veröffentlichung von "Hannibal" sozusagen aus heiterem Himmel endlich zu einem dritten Lecter-Roman - nach "Roter Drache" (von Michael Mann 1987 als "Blutmond" verfilmt) und "Das Schweigen der Lämmer" - hinreißen ließ. Hoffnungen auf die Verfilmung wurden durch die Lektüre des sich mit perversem Gusto gleichzeitig in feinster Kunst und Kultur und extremem Ekel suhlenden Romans allerdings nur bedingt geweckt: Deutlicher als in der massierten Explosion aus überzogenen Gewaltfantasien hat wohl selten ein Autor seiner Verachtung für die eigene Fanbasis Ausdruck verliehen. Das Überraschende an der Adaption ist sicherlich, dass mit Ausnahme einer minimalen Änderung am Schluss und einer verständlichen Raffung der Handlung alle Elemente des Romans erhalten bleiben. Trotzdem oder gerade deshalb fasziniert der Film, und selbst in vereinzelten abstoßenden Szenen bietet er spannende Unterhaltung - auch wenn er weniger überwältigt als es der komplexere und packendere "Das Schweigen der Lämmer" tat. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass Jonathan Demme mehr wert darauf legte, die perfekt geölte Thrillermaschine mit vielschichtigen Inhalten und Figuren anzureichern. Wie der Roman "Hannibal" ist auch der Film weniger an Handlung als an Atmosphäre interessiert. Leinwand-Ästhet Scott erlaubt es sich, impressionistisch und opulent durch Palazzi, Museen und edelst ausgestattete Anwesen zu schwelgen, während die Geschichte von dem perversen Milliardär Mason Verger, den Lecter einst zwang, das eigene Gesicht in Stücke zu schneiden, nur langsam in Fahrt gebracht wird. Gespielt von einem unerkennbaren Gary Oldman, hat das abstoßende Hackfleisch-Gesicht eine hohe Summe ausgesetzt, wer Hinweise auf den Aufenthaltsort seines einstigen Peinigers geben kann, um ihn - buchstäblich - den Schweinen zum Fraß vorzuwerfen. Ein italienischer Inspektor in Florenz ist es, der Lecter auf die Spur kommt, der in Florenz die Stelle des Kurators übernehmen will und nach acht Jahren im Kerker die schönen Dinge des Lebens genießt. Obwohl der Polizist sich dem souveränen, mit Spaß überzeichneten Lecter geschlagen geben muss, löst er eine Kette von Ereignissen aus, die Hannibal in den USA wieder mit Verger zusammenkommen lassen - und mit Clarice Starling, die die damalige Begegnung mit dem kultivierten Kannibalen nie überwunden hat und von dem intriganten FBI-Ekel Krendler aufs Abstellgleis geschoben wurde. Natürlich ertappt man sich wieder dabei, sich auf die Seite von Lecter zu schlagen, weil er zwar Unaussprechliches tut, aber anders als sein Gegenspieler Verger und dessen willfährige sardinische Handlanger wenigstens gutes Benehmen, Eloquenz und Kultur an den Tag legt. Moore spielt eindeutig die zweite Geige, denn wenn Hannibal nach einer halben Stunde die Szene betritt, dann ist der Film nur noch seine Show. Und er ist ein Conferencier par excellence - auch wenn er beißt, tötet und entleibt, auch beim absurd abstoßenden Finale, über das gesprochen werden wird - und gesprochen werden muss: Es ist die vielleicht gleichzeitig extremste und groteskeste Szene, die es bislang in einem Mainstream-Film zu sehen gab. Wie sich hier Ekel und Lust überkreuzen, das gibt dem gängigen Horror eine völlig neue Qualität und wird unweigerlich passionierte Reaktionen hervorrufen. Aber sie weckt auch das Bedürfnis, unbedingt über das Gesehene zu sprechen, um es verarbeiten zu können. Sicherlich auch eine Aufgabe von Kunst, auch wenn sie wie hier hochglänzend in eine kommerzielle Hülle verpackt wurde. ts.

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Info

Plakat des Films: Hannibal
  • FSK ab 18/Keine Jugendfreigabe

FSK: ab 18

Kinostart: 15.02.2001

USA 2001

Länge: 2 h 13 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Hannibal

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Mamet, Steven Zaillian

Musik: Hans Zimmer, Klaus Badelt

Produktion: Ridley Scott, Dino De Laurentiis, Martha De Laurentiis

Kostüme: Janty Yates

Kamera: John Mathieson

Schnitt: Pietro Scalia

Ausstattung: Norris Spencer, David Crank

Website: http://www.hannibal-derfilm.de