Kompromissloser Kriegsfilm über den Pazifisten Desmond Doss, der in Okinawa zum Helden wird, ohne eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Kinostart: 26.01.2017

Die Handlung von Hacksaw Ridge

Bei einer Rangelei trifft Desmond Doss seinen Bruder mit einem Schlag so schwer, dass dieser beinahe stirbt. Geschockt beschließt der Junge, Waffen fortan abzulehnen. Als Amerika in den Zweiten Weltkrieg eintritt und die Jungen seines Dorfs sich bei der Armee melden, will auch Desmond dabei sein, als Sanitäter an vorderster Front. Bei der Ausbildung wird dem vermeintlichen Drückeberger das Leben schwer gemacht, aber er kann sich vor Gericht durchsetzen. Mit seiner Kompanie landet er in Okinawa - und erlebt die Hölle auf Erden.

Kritik zu Hacksaw Ridge

Kompromissloser Kriegsfilm über den Pazifisten Desmond Doss, der in Okinawa zum Helden wird, ohne eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Die Filme von Mel Gibson sind eindrucksvolle Angelegenheiten. Egal, wie man persönlich dazu steht, wer könnte jemals das hervorgequälte "Freiheit!!!" am Ende von "Braveheart" vergessen, die dornigen Ketten, die in "Die Passion Christi" ganze Fleischfetzen aus dem Körper von Jesus Christus reißen, oder der abgetrennte Kopf, der in "Apocalypto" die Treppen der Maya-Pyramide hinunterrollt? Gibsons Regiearbeiten sind auf maximale Wirkung angelegte Galerien menschlicher Grausamkeit und menschlichen Leids, Kino, das körperlich spürbar ist in der Klarheit und Schroffheit seiner Erzählung, und zugleich immer zutiefst persönlich, untrennbar verbunden mit der Person, das es erschaffen hat.

"Hacksaw Ridge" mag nach einer zehnjährigen, nicht ganz freiwilligen Pause folgen, ist aber keinen Deut weniger wild und extrem und aufregend als die Filme davor. Außer dass es diesmal eine Stunde dauert, bis die Hölle auf Erden losbricht, in Szenen auf dem Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges, die vielleicht weniger virtuos inszeniert sind als bei Spielberg, aber in ihrer Deutlichkeit eine wilde Entschlossenheit offenbaren, die einen unweigerlich in ihren wahnwitzigen Bann schlägt. Vermutlich wirkt diese unablässige Abfolge von explodierenden Körpern und zu Matsch geschossenen und gebombten Köpfen und Gliedmaßen, immer wieder unterbrochen von Bildern spuckender Flammenwerfer, die die Leinwand buchstäblich in Flammen setzen, deshalb so intensiv, weil ihnen ein moralisches Drama vorausgeht, das die nachfolgende unverblümt gezeigte Wut des Krieges in einen ganz anderen Zusammenhang bettet.

Man wähnt sich zunächst in einem Film aus den Fünfzigerjahren, wenn die verbürgte Vorgeschichte von Desmond Doss ausgebreitet wird, der vor einem ganz besonderen Dilemma steht. Aufgrund eines Kindheitstraumas und seiner erzkatholischen Erziehung als Seventh-Day-Adventist weigert er sich, Waffen in die Hand zu nehmen. Andererseits will er es sich nicht nehmen lassen, in vorderster Front für sein Land einzutreten, allerdings nicht als Soldat, sondern als Sanitäter. Verspottet von seinen Kameraden, drangsaliert von seinen Vorgesetzten, bedroht mit einer Gefängnisstrafe, erstreitet er sich das Recht zu Dienen schließlich vor Gericht. Und erweist sich dann bei seinem Einsatz in Okinawa als unerschrockener Held, als er 75 zum Teil schwerstverletzte Kameraden trotz Dauerbeschusses der Japaner vor dem sicheren Tod rettet. Der Pazifist auf dem Schlachtfeld, Gewaltlosigkeit im Angesicht nicht enden wollender Grausamkeit:

"Hacksaw Ridge" ist ein Film, der seine besondere Spannung aus seinen vermeintlichen Gegensätzen und Widersprüchen bezieht, mit einem Helden, der von Andrew Garfield an der Seite der Creme de la Creme der australischen Schauspielerei - Hugo Weaving, Sam Worthington, Rachel Griffiths, Luke Bracey - mit einer Gutherzigkeit gespielt wird, dass James Stewart im Vergleich zu ihm wie ein Homunkulus wirkt. Mag diese Splatterversion von "Sergeant York" noch so sehr mit der Eleganz eines Vorschlaghammers erzählt sein, die Geschichte funktioniert und fesselt. Auch weil Mel Gibson sich dabei augenscheinlich so tief in die eigene gequälte Seele blicken lässt, noch so ein in Flammen stehendes Schlachtfeld, auf dem Pazifismus und das schiere Ergötzen an Gewalt und Schmerz um Dominanz kämpfen. Und er lässt sein Publikum Anteil haben an den inneren Kämpfen, indem er es mitten hinein befördert in diesen körperlich erfahrbaren Höllenritt. ts.

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Info

  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 26.01.2017

USA/Australien 2016

Länge: 2 h 20 min

Genre: Drama

Originaltitel: Hacksaw Ridge

Regie: Mel Gibson

Drehbuch: Robert Schenkkan, Andrew Knight

Musik: Rupert Gregson-Williams

Produktion: Bruce Davey, David Permut, William D. Johnson, Paul Currie, Terry Benedict, Bill Mechanic, Brian Oliver

Kostüme: Lizzy Gardiner

Kamera: Simon Duggan

Schnitt: John Gilbert

Ausstattung: Barry Robison

Website: http://www.hacksaw-ridge-film.de

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