Packendes Drama von Clint Eastwood über einen greisen Koreakrieg-Veteranen, der nicht mehr länger mit ansehen will, wie seine Nachbarschaft vor die Hunde geht.

Kinostart: 05.03.2009

Clint Eastwood

Clint Eastwood
als Walt Kowalski

Ahney Her
als Sue Lor

Bee Vang
als Thao Lor

Christopher Carley
als Pater Janovich

Brian Haley
als Mitch Kowalski

Geraldine Hughes
als Karen Kowalski

Dreama Walker
als Ashley Kowalski

Brian Howe
als Steve Kowalski

John Carroll Lynch
als Barbier Martin

William Hill
als Tim Kennedy

Cory Hardrict
als Duke

Nana Gbewonyo
als Monk

Handlung

Der Vietnam-Veteran Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist ein alter Knochen, der strikt an seinen Vorurteilen festhält. Als in seine durch und durch amerikanische Nachbarschaft koreanische Einwanderer ziehen, bestätigen diese zunächst seine Befürchtungen, zumal die Bandenkriminalität stetig zunimmt. Doch als deren Kinder bedroht werden, schreitet der Witwer entschlossen ein. Das macht ihn nicht nur zum Lokalhelden, es ruft auch Feinde auf den Plan.

Gerade erst ist das Oscar-Drama "Der fremde Sohn" im Kino, schon packt Clint Eastwood das nächste fesselnde Stück Kino-Konflikt aus. Trotz seiner 78 Jahre dreht die Leinwandlegende nicht nur regelmäßig, sondern steht in dieser berührenden Anti-Rassimus-Parabel auch wieder selbst vor der Kamera.

Nach dem Tod seiner Frau igelt sich Koreakriegsveteran Walt Kowalski ein, zieht sich zurück auf die Veranda seines Häuschens in einer Vorstadt von Detroit und sieht zu, wie sein Amerika vor die Hunde geht. Das Fass zum Überlaufen bringt der Nachbarsjunge der verhassten Hmong-Familie, der auf Geheiß einer ansässigen Gang Walts 72er Gran Torino stehlen soll. Als die Tochter der Nachbarn belästigt und deren Sohn eines Nachts von einer Gang angegriffen wird, schlägt sich Walt auf deren Seite. Genug ist genug. Das macht ihn zum Helden der Nachbarschaft, aber bringt ihn auch in akute Lebensgefahr.

Nach dem Tod seiner Frau igelt sich Walt Kowalski ein, zieht sich zurück auf die Veranda seines Häuschens in einer Vorstadt von Detroit und sieht zu, wie sein Amerika vor die Hunde geht. Das Fass zum Überlaufen bringt der Nachbarsjunge der Hmong-Familie, der auf Geheiß einer Gang Walts 72er Gran Torino stehlen soll. Als die Tochter der Nachbarn belästigt und deren Sohn eines Nachts angegriffen wird, schlägt sich Walt auf deren Seite. Genug ist genug. Das macht ihn zum Helden der Nachbarschaft, aber bringt ihn auch ihn in akute Lebensgefahr.

Kritik

In seiner 29. Arbeit als Regisseur setzt Clint Eastwood sich und seiner archetypischen Figur in einer stillen Ballade ein nachdenklich stimmendes Denkmal.

In der letzten Szene von "Million Dollar Baby" lässt die Kamera Clint Eastwood in einem Gasthaus zurück, den Rücken zum Publikum gekehrt, allein mit sich und seiner Schuld, seinen Dämonen. Einen besseren Abschied, so glaubte man damals, könne der Regisseur Eastwood dem Schauspieler Eastwood nicht schenken: ein Farewell, das auch verdeutlicht, wie der Filmemacher heute zum leichtfertigen Morden eines Harry Callahan steht. Nun hat sich Clint Eastwood im Alter von 78 Jahren doch noch einmal vor die Kamera gewagt, in einer wohl allerletzten Performance als allamerikanischer Bockerer, die ihm einen Abgang beschert, der nicht den Hauch einer bittersüße Note anklingen lässt, sondern endgültig den Deckel auf all die verschiedenen Variationen des Mannes ohne Namen, der Eastwood in den Sechzigern berühmt machte, packt.

"Gran Torino" ist ein kleiner, stiller und wehmütiger Film und doch von höchster Dringlichkeit, eine unverkennbar persönliche Arbeit. Der Film wurde in nur fünf Wochen vor Ort in einer Vorstadt des einst stolzen, mittlerweile aber seit Jahren darbenden Autoindustriezentrums Detroit gedreht, mit einer Spontaneität und gezielt kunstlosen Unmittelbarkeit, dass die anderen Werke des notorisch schnell arbeitenden Eastwood, der beim Dreh Wiederholungen von Szenen bekanntermaßen ohnehin scheut wie der Teufel das Weihwasser, dagegen wirken lässt wie die penibel durchkomponierten Epen eines David Lean. Das Lauteste in dieser Geschichte eines Witwers aus der Arbeiterklasse, der sich durch seine unerwartete Freundschaft zu den zwei jugendlichen Kindern der verhassten asiatischen Nachbarsfamilie gezwungen sieht, sich der eigenen Weltsicht und Dämonen der Vergangenheit zu stellen, ist Eastwoods Schauspiel.

Seinen Walt Kowalski, einst hochdekorierter Kriegsheld und braver Arbeiter im Ford-Werk, nunmehr aber nur noch verbitterter und engstirniger Eigenbrötler, der sein Amerika nicht mehr wieder erkennt, spielt er hart am Rande zur Karikatur, als sprächen durch seine zusammengekniffenen Augen und rau hervorgepressten Sätze gleichzeitig Harry Callahan, der Mann ohne Namen, der Outlaw Josey Wales, William Munny und all die archetypischen Figuren aus "Der Mann, der niemals aufgibt", "Heartbreak Ridge" oder "Weißer Jäger, schwarzes Herz" in einem regelrechten Chor die Summe der Stimmen vermeintlich echter Kerle aus Schrot und Korn. Wenn Walt, verraten von seinen Kindern und verfolgt von dem jungen Pfarrer der Gemeinde, nicht über Gott, Einwanderer und die Welt flucht, sieht er von seiner Veranda bei einem kalten Bier und Beef Jerky zu, wie seine einst heile Welt vor die Hunde geht. Jedes Vorurteil sieht der Korea-Veteran bei seinen Beobachtungen bestätigt. Bis er förmlich gezwungen wird, seine Passivität aufzugeben und zur Aktion zu schreiten, als er miterlebt, wie die Kinder der Hmong-Nachbarn von einer Gang drangsaliert werden. "Get! Off! My! Lawn!", schnarrt der Rentner im besten Vigilantenstil und wird mit seinem Akt des Widerstands unfreiwillig zum Helden der Nachbarschaft und schließlich über manch auch humorige Umwege zum väterlichen Freund der Kids. Als Walt schließlich feststellt, dass er mit seiner Bereitschaft zur Gewalt alles noch schlimmer macht, sucht er nach einem Ausweg aus dem Dilemma.

Was nach einem Drehbuch des Newcomers Nick Schenk ganz geradlinig beginnt wie der feuchte Traum jedes aufrechten Republikaners, entwickelt sich mehr und mehr zu einem komplexen und durchaus widersprüchlichen Spiel mit Eastwoods beliebtesten Themen: Um Rassismus geht es und die Last vergangener Gewalttaten, um die Falschheit von Heldenverehrung und natürlich um die verheerenden, nicht wieder gutzumachenden Auswirkungen von Gewalt. Unmöglich kann man ausblenden, wie Eastwood Bezug nimmt auf seine "Dirty Harry"-Filme, wie er inhaltlich Verbindungen knüpft zu "Erbarmungslos" und dem offenkundigen Schwesterfilm, "Million Dollar Baby". Um dann anzuerkennen, dass diese wie mit der heißen Nadel gestrickte Ballade auch mühelos auf eigenen Beinen steht, gleichzeitig blendend unterhält und zur Auseinandersetzung einlädt. Dass der erste Film der Ära Obama von einem bekennenden Republikaner stammt, mag verblüffen. Dass dieser Republikaner Clint Eastwood heißt, dann wieder nicht: Weiter ist es verblüffend, wie dieser fast 80-jährige Mann bereit ist, mit jedem neuen Film dazuzulernen, nicht auf seiner Position zu verharren, längst Akzeptiertes wieder auf den Prüfstand zu stellen. Da gesteht man ihm dann auch gerne zu, mit seiner dünnen Reibeisenstimme den Abspannsong zu hauchen. Clint darf das. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 05.03.2009

USA 2008

Länge: 1 h 56 min

Genre: Drama

Originaltitel: Gran Torino

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk

Produktion: Clint Eastwood, Bill Gerber, Robert Lorenz, Jenette Kahn, Adam Richman

Kostüme: Deborah Hopper

Kamera: Tom Stern

Schnitt: Joel Cox, Gary Roach

Ausstattung: James J. Murakami

Website: http://www.GranTorino-derFilm.de

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