Atemloser, raffinierter und realistischer Krimi um ein Brüderpaar, dessen Banküberfall aus dem Ruder läuft.

Kinostart: 02.11.2017

Die Handlung von Good Time

Conny überfällt mit seinem geistig minderbemittelten Bruder Nick im Schlepptau eine Bank. Mit dem erbeuteten Geld will er seine Vergangenheit hinter sich lassen und seinem Bruder eine bessere Zukunft ermöglichen. Aber im Flutchtauto explodiert in dem Beutel mit dem Geld eine Kapsel mit rotem Farbstaub. Dann wird auch noch Nick von der Polizei gefasst. Conny will ihn mit allen Mitteln befreien und tritt eine Kettenreaktion noch vertrackterer Situationen los.

Kritik zu Good Time

"Good Time" ist der dritte Film der Brüder Joshua Safdie und Benny Safdie, die sich mit ihren vorangegangenen Titeln "Mad Love in New York" (2014) und "Lenny and the Kids" (2009) einen Namen gemacht haben als Hoffnungsträger eines neuen realistischen Indepependentkino. Eine gute Zeit ist genau das, was man als Zuschauer hat, wenn man diesen atemlosen, ständig voranstürmenden Adrenalinstoß sieht. Eine gute Zeit ist das Gegenteil von dem, was die Figuren hier erleben, allen voran "Twilight"-Star Robert Pattinson, der schon seit ein paar Jahren versucht hat, sich mit mutigen Rollen in ambitionierten Filmen als ernst zu nehmender Schauspieler zu etablieren, und jetzt endlich den Stoff gefunden hat, um sich endgültig von seinem Ruf als Teenager-Liebling zu befreien. Für seinen starken Auftritt als Conny Nikas, der hier in einer Nacht in Brooklyn einmal durch die Hölle und wieder zurück marschiert, empfiehlt er sich für einen Preis.

An die raffinierten und doch so realistischen Krimis von Elmore Leonard muss man denken, an das schmutzige Siebzigerjahrekino von "Taxi Driver", "Hundstage" und "Die Warriors", an die alptraumhaften nächtlichen Großstadtbilder eines Michael Mann oder John Carpenter. Und an Kafka und Steinbeck. Ernsthaft. Und doch ist "Good Time" eine ganz eigene Bestie mit ihren nervösen, ihren Schauspielern auf die Pelle rückenden Handkamerabildern, ihrem sphärenhaften Score von Oneohtrix Point Never und einer ungewöhnlich intensiven Farbgebung, die den Film wie den Besuch in einem bizarren Funhouse wirken lassen. Und mittendrin Pattinson als Stehaufmännchen, immer in Bewegung, immer auf der Flucht, immer beseelt von dem Bedürfnis, auf seinen geistig minderbemittelten Bruder Nick - gespielt von Safdie-Bruder Benny, der obendrein noch für den Schmitt verantwortlich zeichnet - aufzupassen und ihm potenziell ein besseres Leben zu bescheren. Figuren platzen unvermittelt in den Film und sind kurz darauf wieder weg, auf Expositionen und umständliche Erklärungen wird verzichtet, "Good Time" ist immer Hier und Jetzt und man ist hautnah dabei, wenn Conny mit Nick im Schlepptau eine Bank überfällt - mit dem erbeuteten Geld will er eine Vergangenheit hinter sich lassen, die nur angedeutet wird, aber auf keinen Fall schön gewesen sein kann. Als aber im Flutchtauto in dem Beutel mit der Beute eine Kapsel mit rotem Farbstaub explodiert und Nick in der sich anschließenden Hatz von der Polizei gefasst wird, ist das der Startschuss für eine regelrechte Kettenreaktion immer noch vertrackterer Situationen, weil Conny seinen Bruder mit allen Mitteln befreien will.

Mehr zu erzählen, würde bedeuten, den Spaß zu verderben. Aber da sind einige so kühne Wendungen und Überraschungen dabei, dass man völlig gebannt verfolgt, wie Conny es schaffen will, aus dem immer unübersichtlicheren Labyrinth, in das er sich verirrt, befreien will: Am Ende ist "Good Time" schließlich endgültig zur absurden Komödie geworden, zu einem aberwitzigen Albtraum, dem man nicht entfliehen kann, egal wohin man sich zu ducken versucht. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 02.11.2017

USA/Luxemburg 2017

Länge: 1 h 41 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Good Time

Regie: Joshua Safdie

Drehbuch: Ronald Bronstein, Joshua Safdie

Musik: Daniel Lopatin

Produktion: Sebastian Bear-McClard, Oscar Boyson, Terry Dougas, Paris Kasidokostas Latsis

Kamera: Sean Price Williams

Schnitt: Ronald Bronstein

Ausstattung: Sam Lisenco

Website: http://www.temperclayfilm.de/site/index.php/verleih/215-good-time