Christian Petzold kreuzt die Lebenswege eines streunenden Teenagers und einer Französin, die ihre vor vielen Jahren entführte Tochter sucht.

Kinostart: 15.09.2005

Aurélien Recoing
als Pierre

Benno Fürmann
als Oliver

Anna Schudt
als Kai

Claudia Geisler-Bading
als Heimleiterin

Philipp Hauß
als Mathias

Victoria Trauttmansdorff
als Mathias“ Mutter

Peter Kurth
als Vorarbeiter

Annika Blendl
als Agentin

Rosa Enskat
als Krankenschwester

Die Handlung von Gespenster

Vor vielen Jahren wurde die kleine Tochter von Françoise (Marianne Basler) in Berlin entführt. Jetzt reist die Französin wieder einmal mit ihrem geduldigen Lebensgefährten in die deutsche Hauptstadt, um nach einem Teenager mit charakteristischem Muttermal Ausschau zu halten. In der jungen Rumtreiberin Nina (Julia Hummer) wird sie scheinbar fündig. Doch die entdeckt gerade eine interessantere Identifikationsfigur in der Trickdiebin Toni (Sabine Timoteo).

Dysfunktionale Beziehungen und die Einsamkeit des Individuums in der modernen Welt stehen im Zentrum einer weiteren Verlierermeditation von Christian Petzold ("Die Innere Sicherheit").

Die Französin Francoise, deren Tochter als Baby in Berlin entführt wurde, glaubt nach jahrelanger, schmerzhafter Ungewissheit ihr verlorenes Kind in der Streunerin Nina wiedergefunden zu haben. Diese wächst in einem betreuten Wohnheim als "sozial auffälliger" Teenager auf und schlägt sich als Gelegenheitsdiebin durch.

Ein Mann reist auf der Suche nach seiner Frau von Paris nach Berlin. Er findet sie in einer psychiatrischen Anstalt und nimmt sie wieder zurück nach Paris. Die Frau fährt jedes Jahr nach Berlin, sucht dort verzweifelt ihre Tochter. 1989, als das Kind drei Jahre alt war, ist es entführt worden. Und verschwunden geblieben. Jetzt entdeckt sie ein Mädchen namens Nina, eine obdachlose, "sozial auffällige" Frau. Eine, die sich die Welt einfach nimmt. Eine Diebin. Und die Frau glaubt, in Nina endlich ihre Tochter wiedergefunden zu haben.

Kritik zu Gespenster

Schon die von der Kritik hochgelobte "Innere Sicherheit" wollte Christian Petzold "Gespenster" nennen, jetzt ist dieser Titel seines neuen Films Synonym für Menschen, die den Anschluss an das Leben verloren haben. Die rastlosen jungen Mädchen Nina und Toni ebenso wie die Französin Francoise, die immer wieder nach Berlin kommt, um ihre vor vielen Jahren entführte Tochter zu suchen. Ihre Lebenswege kreuzen sich.

Die Unbehaustheit der Seelen, das ist Christian Petzolds bevorzugtes Thema, ob in "Wolfsburg" oder "Toter Mann"- Individuen, die in ihrer Verlorenheit anfällig werden für tiefe Verletzungen, die irgendwann aber auch nicht mehr den Kopf einziehen, sondern handeln und sich wehren.

Wie in "Innere Sicherheit" ist Julia Hummer die Hauptfigur. Nina lebt in einem Betreuten Wohnheim und gilt wohl als sozial auffällig, wie man den Worten der Heimleiterin entnehmen kann. Am Anfang glaubt man sie den Schreien nach Zeugin einer Vergewaltigung, die etwas ältere Toni wird aber "nur" im Park von zwei Typen zusammengeschlagen. Fasziniert und fassungslos schaut Nina zu. Später hilft sie dem Opfer sich zu verstecken, gibt ihm ein T-Shirt und dann ziehen die beiden los. Für die schüchterne Nina eröffnet sich eine neue Welt, im Kaufhaus klauen, Geldbörsen entwenden, zu einem Casting gehen und abends auf einer Party tanzen, ein paar Küsse mit der coolen Diebin, die dann mit dem Regisseur verschwindet.

Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte eines französischen Paares, die Frau sucht auch nach Jahren noch ihr entführtes Kind, der Verlust schmerzt jeden Tag neu. Sie spricht Mädchen an, die der fürsorgliche Gatte dann mit ein paar Euro "entschädigt". Francoise kann ihr Töchterchen nicht vergessen und als sie auf Nina trifft, die genau die Narbe am Knöchel hat und ein Muttermal zwischen den Schultern wie das verschwundene Kind, glaubt sie sich am Ziel ihrer Sehnsucht.

Aber erfüllte Wünsche gehören nicht in Petzolds Universum. Was bleibt ist Verstörung, nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch beim Betrachter, der erst gutgläubig und neugierig die falschen Fährten aufnimmt, in die Falle tappt und sich dann ärgert, dem Regisseur blind gefolgt zu sein. Die Mädchen wissen nicht, was sie wollen, irrlichtern auf der Suche nach Sinn durch die große Stadt. Für Petzold ist dieses "In-einer-Blase-Leben", kein singuläres Phänomen, sondern Normalität nur eine Chimäre, wir leben alle in Parallelwelten, Gespensterzonen.

Julia Hummer ist wie immer gut, auch ihre Altersgenossin Sabine Timoteo überzeugt. Ausgestochen werden sie von Marianne Basler, deren Seele Schaden zugefügt wurde und in deren Gesicht Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnung sich wiederspiegeln. "Gespenster", eine deutsch-französische Koproduktion, will "très francais" sein, bleibt aber in seiner Bedeutungsschwere sehr deutsch trotz manchmal funkelnder Momente von Nähe und Glück. Ein Vexierspiel, das Feuilletonisten entzückt, sich die Zuschauer aber erobern muss. mk.

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Info

Plakat des Films: Gespenster
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 15.09.2005

Deutschland/Frankreich 2005

Länge: 1 h 25 min

Genre: Drama

Originaltitel: Gespenster

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Harun Farocki, Christian Petzold

Musik: Johann Sebastian Bach, Stefan Will, Marco Dreckkötter

Produktion: Michael Weber, Florian Koerner von Gustorf

Kostüme: Anette Guther

Kamera: Hans Fromm

Schnitt: Bettina Böhler

Ausstattung: Kade Gruber

Website: http://www.gespenster-der-film.de