Kinostart: nicht bekannt

Kritik

Catherine Deneuve in einer Doppelrolle und Michel Piccoli sind die hinreißenden Hauptdarsteller in einer der ungewöhnlichsten Komödien, die je das Kino bereicherten. In einem ironisch eleganten Vexierspiel mit mehrfachem Boden gehen sie einem Mörderspiel nach und führen die Methoden der Psychoanalyse ad absurdum. Das mag schrecklich kompliziert klingen, ist es aber nicht, weil die messerscharfen Dialoge und Wechselspiele in der Rollenübernahme des jeweiligen Partners die Regeln immer offenlegen und so den Spaß an der subversiven Unterminierung der Geisteswissenschaften vervielfältigen.

Der intelligente Trip in die Gefilde der Jünger und Abtrünnigen Sigmund Freuds geht von Saint-Justs Motto aus, daß nichts so sehr der Tugend gleiche als ein wahres Verbrechen. Catherine Deneuve ist die Tante des jungen René ("Sommer"-Lover Melvil Poupaud), der sie nach jahrelangem subtilen Vorspiel umbringt. Deneuve ist auch die Anwältin, die ihn verteidigt, von ihm fasziniert ist und ihrerseits den Bann nur durch mörderische Ausfälle lösen kann. In das Geflecht der beiden verwoben sind die überaus komischen Vertreter rivalisierender Therapieverfahren, die mit Rollenspielen und als lebende Gemälde nachgestellten Schlüsselsituationen arbeiten.

Die Geschichte basiert auf dem authentischen Fall der von ihrem Neffen 1920 ermordeten Analytikerin Hermine Hellmut van Hug, die nachweisen wollte, daß ein Kind bereits mit fünf Jahren vollkommen Charakter-determiniert ist, Der bei uns leider unbekannte, in Frankreich arbeitende Chilene Raoul Ruiz, der bereits über 30 Filme gedreht hat, hat das Psychodrama als grandiose Satire inszeniert, deren Reiz durch eine gekonnt manierierte Kameraführung verdoppelt wird: als visueller Genuß um zwei von Frankreichs größten Schauspielern, die dem Film bei uns dank ihrer Spielfreude ein entsprechendes Publikum sichern sollten.ger.

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Info

Plakat des Films: Généalogies d'un crime

Kinostart: nicht bekannt

Frankreich 1996

Genre: Komödie

Originaltitel: Généalogies d'un crime

Regie: Raoul Ruiz

Drehbuch: Pascal Bonitzer, Raoul Ruiz

Musik: Jorge Arriagada

Produktion: Paulo Branco

Kamera: Stefan Ivanov

Schnitt: Valeria Sarmiento

Ausstattung: Luc Chalon, Solange Zeitoun

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