Um in Deutschland zu überleben, muss die Iranerin Fariba die Identität eines Mannes annehmen.

Kinostart: 20.10.2005

Handlung

Weil ihr im Heimatland für ihre homosexuelle Veranlagung die Todesstrafe droht, flüchtet die junge Fariba (Jasmin Tabatabai) vom Iran nach Deutschland, dessen Kultur sie bewundert und dessen Sprache die Dolmetscherin ein gutes Stück beherrscht. Dann aber begeht sie den Fehler, nur politische Gründe für ihre Flucht anzugeben, und das reicht nicht. Sie landet in Abschiebehaft und nimmt dort die Identität eines verstorbenen Zellennachbarn an. Nun ist sie ein fremder Mann in einem fremden Land - und frisch verliebt.

Kritisches Gesellschaftsdrama und ungewöhnliche Liebesgeschichte in einem ist diese sensible Meditation zum Thema Identitätssuche von Regisseurin Angelina Maccarone.

Weil der homosexuellen Fariba in ihrer Heimat Iran die Todesstrafe droht, flieht sie nach Deutschland, wo jedoch ihr Asylantrag abgelehnt wird. Sie muss stündlich mit ihrer Abschiebung rechnen. Durch den Selbstmord eines iranischen Mitinsassen eröffnet sich ein Ausweg: Sie nimmt seine Identität an und landet mit seiner Aufenthaltsgenehmigung in der schwäbischen Provinz - als Mann.

Kritik

Die Geschichte einer Asylbewerberin in Deutschland. Keines der üblichen Klischee von bösen Deutschen und guten Ausländern, sondern die glaubhafte Inszenierung eines unglaublichen Schicksals. Die junge Iranerin Fariba liebt Frauen, ein Grund, aus dem intoleranten Gottesstaat nach Deutschland zu fliehen, wo sie die Identität eines Landsmannes annimmt. In der tiefsten schwäbischen Provinz verliebt sie sich in eine blonde Kollegin. Die Illusion von Freiheit und Glück zerschellt an der Wirklichkeit.

"Verehrte Fluggäste. Soeben haben wir die Grenze überflogen". Nach der Ansage geht ein Aufatmen durch das Flugzeug, nehmen einige Frauen das Kopftuch ab. Die junge Fariba steht auf, legt den Schador auf der Toilette um den Rauchmelder und raucht erst mal eine Zigarette. Ein neues Leben liegt vor ihr, in Deutschland, dessen Literatur und Kultur die Dolmetscherin liebt. Kaum ist das Flugzeug gelandet, landet auch sie auf dem Boden der Tatsachen. Auffanglager, endlose Befragungen und bitte die Kopie des Todesurteils. Alles muss schließlich seine Ordnung haben. Dennoch - die Grenzbeamten sind differenziert dargestellt. Statt Homosexualität nennt sie "politische Gründe". Die reichen nicht zur Anerkennung als Asylbewerberin, Abschiebung droht. Sie nimmt die Papiere eines durch eigene Hand gestorbenen Leidensgenossen und schlägt sich unter seinem Namen Siamak durch. Endstation: ein Übergangsheim im schwäbischen Sielmingen. Ausgerechnet.

Was die Großstädterin aus Teheran dort erlebt, erzählt Angelina Maccarone in drei Themenfeldern: Identitätssuche, Asylrecht in Deutschland, Definition von "weiblich" und "männlich". Fariba flieht nicht nur ins äußere, sondern auch ins innere Exil, muss in eine Männerrolle schlüpfen. Eine "Lola" sollte Jasmin Tabatabai dafür sicher sein. Langsam baut sich die Spannung auf, auf der einen Seite die ständige Angst vor Entdeckung, auf der anderen, das sich Eingewöhnen in eine fremde Welt und das Eingezwängtsein in der fremden Haut, der immer engere Kontakt zur Schwäbin Anne, manchmal sogar ein Stück Normalität. Die Annäherung zwischen den beiden (wobei die Deutsche anfänglich nicht ahnt, wen sie vor sich hat) ist von Zärtlichkeit und Verständnis geprägt. Geschickt vermeidet Maccarone ein Happy End, es gibt Momente des kleinen Glücks aber nicht den verlogenen Kitsch einer gemeinsamen Zukunft. "Fremde Haut" ist kein explizit politischer Film, Frauen- oder Genderfilm, sondern die sensible Betrachtung eines in sich zerrissenen Menschen, der die alte Heimat verloren und eine neue noch nicht gefunden hat. Der Traum von einer besseren Welt - aufgeben sollte man ihn nicht. mk.

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Info

Plakat des Films: Fremde Haut
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.10.2005

Deutschland/Österreich 2005

Länge: 1 h 40 min

Genre: Drama

Originaltitel: Fremde Haut

Regie: Angelina Maccarone

Drehbuch: Judith Kaufmann, Angelina Maccarone

Produktion: Ulrike Zimmermann

Kamera: Judith Kaufmann

Schnitt: Bettina Böhler

Ausstattung: Thomas Stromberger