Eindringlich-absurdes Militärdrama über vier israelische Grenzsoldaten in der Mitte vom Nirgendwo.

Kinostart: 12.07.2018

Handlung

Ein Klopfen an der Tür verändert das Leben des wohlsituierten Tel Aviver Architekten Michael und seiner Frau Dafna. Die Nachricht vom Tod ihres 19-­jährigen Sohnes Jonathan, der gerade seinen Militärdienst leistet, wirft Leben, Psyche und Ehe des Paars aus der Bahn. Getrieben von tiefer Trauer und Verständnislosigkeit entwickelt sich in Michael ein Sturm aus rasender Wut, geprägt von Unsicherheiten und Traumata. Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine unvorhersehbare Wendung, die das Schicksal der ganzen Familie in eine neue Richtung lenkt. (Text: Verleih)

Kritik

Eindringlich-absurdes Militärdrama über vier israelische Grenzsoldaten in der Mitte vom Nirgendwo.

In seinem ersten Film," Lebanon", beschrieb Samuel Maoz auf sehr persönliche Weise die Erlebnisse von vier jungen israelischen Soldaten im Libanonkrieg 1982. Seine Innenansichten aus einem Panzer wurden in Venedig mit dem Goldenen Löwen belohnt. Acht Jahre mussten verstreichen, bis Maoz sich zurückmeldete - und noch einmal fast ein Jahr, bis sein zweiter Film, "Foxtrot", nach seiner Deutschlandpremiere beim Filmfest München, in die deutschen Kinos kommt. Der Start ist überfällig, nicht nur weil es sich um den Gewinner des Großen Preises der Jury in Venedig handelt, sondern weil man diese großartige und großartig menschliche Anklage gegen eine längst zum Alltag gewordene Kultur desMilitarismus nicht mehr länger dem Publikum vorenthalten darf. So prägnant und ergreifend erzählt Maoz seine zweiteilige,sich zwingend einmal um sich selbst drehende Geschichte über Trauer, Wut und die Absurdität der Existenz, ein "Warten auf Godot" in Gestalt von "Wege des Ruhms", dass sich sogar die israelische Kulturministerin gezwungen sah, sich zu Wort zu melden: "Es ist ungeheuerlich, dass israelische Künstler die junge Generation dazu anstiften, Lügen gegen die moralischste Armee der Welt mithilfe der Kunst zu verbreiten." Womit sie freilich nur Maoz' Argumentation bestätigt - und zeigt, dass sie sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, diesen mit der zwingenden Logik eines Escher-Gemäldes konzipierten Film zu verstehen, ein Werk in der Tradition absurder Antikriegsfilme von "Marx Brothers im Krieg" über "Der große Diktator" und "Wie ich den Krieg gewann" bis "M.A.S.H" und "Catch-22".

Er beginnt wie Oren Movermans "The Messenger", mit der Botschaft an ein Ehepaar aus der gehobenen Mittelschicht von Tel Aviv, dass ihr Sohn in der Erfüllung seiner vaterländischen Pflicht als Grenzsoldat gefallen ist. Maoz spielt diese Situation mit minimalen Mitteln so eindringlich wie möglich durch, um dann im zweiten Segment von "Foxtrot" die Geschichte des Sohnes mit drei weiteren jungen Soldaten vom gottverlassenen Grenzposten in der Mitte von Nirgendwo zu erzählen, ein einsames Höllenloch, das der Regisseur als buchstäblich sinkendes Schiff beschreibt und in dem Langeweile und Ödnis tonangebend sind, bis die Dinge bei der nächtlichen Kontrolle eines palästinensischen Wagens eskalieren. Hier sind die Parallelen zu "Lebanon" am offensichtlichsten, wenngleich der neue Film gewagter ist, irrer, ambitionierter. In der längst bekanntesten Szene des Films sieht man einen der jungen Männer, wie er einen furiosen Pas de deux mit seinem Sturmgewehr hinlegt, die Geliebte des Soldaten, wie man seit Kubricks "Full Metal Jacket" weiß. Dabei haben die meisten Momente diese fiebrige, leicht surreale Qualität in diesem elektrisierenden Film, in dem der Krieg in den Köpfen wütet und sich jederzeit im Alltag manifestieren kann. Und am Schluss wieder da anlangt, wo er begonnen hat. Weil der Kreislauf des Schreckens endlos ist und Krieg keine Moral kennt. Egal, wie moralisch zu sein, die beteiligten Militärkräfte glauben mögen. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 12.07.2018

Israel/Deutschland/Frankreich 2017

Länge: 1 h 53 min

Genre: Drama

Originaltitel: Foxtrot

Regie: Samuel Maoz

Drehbuch: Samuel Maoz

Musik: Amit Poznansky

Produktion: Eitan Mansuri, Marc Baschet, Viola Fügen, Cedomir Kolar, Michel Merkt, Michael Weber

Kostüme: Hila Bargiel

Kamera: Giora Bejach

Schnitt: Arik Leibovitch

Ausstattung: Arad Sawat

Website: http://foxtrot-derfilm.de

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