TV-Drama um die Flugzeugkollision von Überlingen am Bodensee im Jahre 2002 und ihr tragisches Nachspiel.

Kinostart: nicht bekannt

Ken Duken

Ken Duken
als Johann Lenders

Jewgenij Sitochin
als Yuri Balkajew

Sophie Kessel

Sophie Kessel
als Katharina Rohl

Sabine Timoteo
als Marita Lenders

Peter Jecklin
als Albert Steiger

Mike Müller
als Peter Althaus

Heinrich Schmieder
als Bernd Wegmann

Charlotte Schwab
als Iris Hager

Leonardo Nigro
als Remo Ricci

Susanne-Marie Wrage
als Carla Wegmann

Tatjana Mösli
als Yulia Filipova

Michael Finger
als Beat B

Janina Lissovskaja
als Ludmilla Balkajewa

Kritik zu Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen

Es war die größte Nachkriegskatastrophe im deutschen Luftraum: In der Nacht des 1. Juli 2002 kollidierten im Himmel über Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge. Mit viel Feingefühl hat Till Endemann einen Film über die Folgen dieses Unglücks inszeniert.

Die beiden Dreiecke auf dem Monitor kommen einander immer näher, verschmelzen schließlich - und verschwinden. Eine schlichte Symbolik für die Tragödie, bei der 71 Menschen starben; 45 von ihnen waren Kinder aus Russland. Was im gängigen Katastrophenfilm den Höhepunkt bildet, nutzt Till Endemann jedoch nur als Auftakt. Er konzentriert sich auf die Zeit danach: Eineinhalb Jahre später erstach ein Russe, dessen Familie bei dem Absturz ums Leben gekommen war, den in der Unglücksnacht zuständigen Fluglotsen.

Frappierend an dieser authentischen Entwicklung ist die Analogie zum Unglückshergang: Auch diese tödliche Kollision hat sich lange angebahnt und wäre vermeidbar gewesen. Höchst wirkungsvoll setzt Endemann die parallelen Lebenswege der beiden Betroffenen in Szene: hier der traumatisierte Lotse, der nichts lieber tun würde, als sich bei den Hinterbliebenen zu entschuldigen; dort der schockierte Vater, der auf alle Entschädigungen verzichten würde, wenn sich die zuständige Flugsicherung zu einer Entschuldigung durchringen könnte.

Naturgemäß lebt der Film von der indirekten Konfrontation dieser beiden Figuren und ihrer Darsteller, die beim (vorweggenommenen) Ende ihre erste und letzte gemeinsame Szene haben. Ken Duken hat schon in der ebenfalls vom SWR in Auftrag gegebenen Afghanistan-Aufarbeitung "Willkommen zuhause" bewiesen, wie exzellent er jene Zwischentöne beherrscht, die für die nuancierte Verkörperung eines gebrochenen Mannes nötig sind. Der in Österreich lebende russische Schauspieler und Regisseur Jevgenij Satochin ist ein würdiger Gegenspieler. Gewissermaßen zwischen den beiden Männern steht Katharina Rohl (Sophie von Kessel), die Anwältin der AirGuideControl. Sie lässt nicht zu, dass sich Lenders entschuldigt, weil dies als Schuldeingeständnis gewertet werden könnte.

Endemann, der das Drehbuch mit dem erfahrenen Amerikaner Don Bohlinger schrieb, hat zuvor erst zwei Langfilme gedreht ("Das Lächeln der Tiefseefische", "Kometen"). Gerade dank der Führung seiner drei Hauptdarsteller ist die enorme Intensität von "Flug in die Nacht" um so eindrucksvoller. Abgesehen von einigen rauchenden Trümmern zu Beginn hält sich der optische Aufwand in Grenzen, das Geschehen konzentriert sich fast ausschließlich auf die tragischen Figuren. Endemann will den Film als Elegie auf die Ereignisse verstanden wissen. Entsprechend groß war sein Respekt vor den Opfern wie auch den Hinterbliebenen. Dieser Respekt zeichnet den Film ebenso aus wie seine große Sensibilität im Umgang mit den Fakten. Auf der anderen Seite lässt Endemann keinen Zweifel daran, dass der Lotse das 72. Opfer der Katastrophe war. tpg.

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Info

Plakat des Films: Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland/Schweiz 2009

Genre: Drama

Originaltitel: Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen

Regie: Till Endemann

Drehbuch: Don Bohlinger, Till Endemann

Musik: Fabian Sturzenegger

Produktion: Nils Reinhardt, Peter-Christian Fueter, Sabine Tettenborn

Kostüme: Bettina Marx

Kamera: Lars Liebold

Schnitt: Benjamin Fueter

Ausstattung: Reto Troesch