Tony Gatlifs großartiges, in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnetes Drama um ein junges Paar, das von Paris nach Algerien, in die Heimat seiner Vorfahren wandert.

Kinostart: 26.01.2006

Die Handlung von Exil

Eines Tages haben der Algerienfranzose Zano (Romain Duris) und seine Freundin Naïma (Lubna Azabal) genug vom tristen Blick aus dem Hochhausfenster in der Pariser Vorstadt. Kurzentschlossen und ohne sonderliches Reisekaptal beschließen beide, dass Land ihrer Väter zu bereisen und in Nordafrika nach den Wurzeln der eigenen Identität zu graben. Nach anfänglichen Enttäuschungen gerät der Trip zum turbulenten Abenteuer voll bereichernder Erlebnisse und Begegnungen.

Den Preis für die beste Regie beim Cannes-Festival 2004 gab's für das bildgewaltige Drama von Regisseur und Drehbuchautor Tony Gatlif.

Lebenskünstler Zano schlägt seiner Freundin Naima aus heiterem Himmel vor, nach Algerien zu reisen, in das Land, aus dem ihre Eltern einst nach Frankreich geflohen sind. Weite Strecken legen die beiden zu Fuß zurück, teils reisen sie schwarz mit dem Zug, immer wieder begegnen sie Heimatlosen und Emigranten und allerorten Entwurzelung.

Kritik zu Exil

Zu Recht wurde Tony Gatlifs großartiges Drama in Cannes mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet: Das Roadmovie "Exils" ist eine Naturgewalt, die sich in einer atemberaubenden Tanzsequenz entlädt, die nicht nur für die Figuren auf der Leinwand von reinigender Kraft scheint.

Lebenskünstler Zano (Duris) und seine exzentrische Freundin Naima (Azabel) reisen spontan aus Frankreich ins Land ihrer Eltern, Algerien. Es ist ein ernüchternder Trip, der Versuch einer Annäherung an ihre Vergangenheit, aus der Begegnung mit anderen Heimatlosen, Gleichgesinnten, Fremden mehr über sich selbst und ihr Erbe zu erfahren. Abgesehen von dieser ernsthaften Intention sind hier einfach zwei lebenshungrige junge Menschen unterwegs: die beiden lieben sich, hassen sich, betrügen sich, sie reisen ohne einen Cent durch Frankreich und Spanien bis nach Nordafrika.

Tony Gatlif überwältigt den Zuschauer dabei mit kleinen, aber starken Momenten wie einem verspielten Tanz seiner Hauptdarstellerin oder Küssen in Pfirsichbäumen. Zwischendurch zeigt er Bilder von beinahe epischer und symbolischer Kraft - wenn die beiden Wanderer in das Land ihrer Vorfahren einziehen, die Kamera in die Vogelperspektive aufgezogen wird und zeigt, wie sie sich entgegengesetzt eines Stroms von Flüchtlingen bewegen. Der Film steigert sich auf ein kathartisches Finale, in dem Naima und Zana an einem spirituellen Ritual teilnehmen und sich in Trance tanzen. Ein Kunststück, dass die ungeschnittene, zehnminütige Szene, in der sich die Hauptfiguren mit jeder Bewegung mehr mit ihrer Vergangenheit und ihrem Ich aussöhnen, nicht eine Sekunde zu lang ist. Gatlif, selbst aus Algerien ausgewandert, lässt seine Charaktere wachsen wie die Bilder seines Films - von der Aufnahme eines kleinen Fleckchens Haut auf dem nackten Rücken des Hauptdarstellers in seiner Pariser Ghettowohnung bis hin zu der eines ganzen Völkerstroms. Ein gewaltiges, musikalisches Roadmovie, das nicht nur von Duris und Azabel getragen wird, sondern genau so von dem vielfältigen, von elektronischen bis zu Flamenco-Klängen reichenden, Percussionscore. deg.

Wertung Questions?

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Exil

Kinostart: 26.01.2006

Frankreich 2004

Länge: 1 h 44 min

Genre: Drama

Originaltitel: Exils

Regie: Tony Gatlif

Drehbuch: Tony Gatlif

Musik: Delphine Mantoulet, Tony Gatlif

Produktion: Tony Gatlif

Kamera: Céline Bozon

Schnitt: Monique Dartonne

Ausstattung: Brigitte Brassart

Website: http://www.arsenalfilm.de/exil/index.htm

Auszeichnungen

1 x Cannes: