Film noir um die unerfüllten Beziehungen und emotionalen Niederungen dreier Menschen im kriminellen Milieu.

Kinostart: nicht bekannt

Die Handlung von Diebe der Nacht

Ein Polizist beginnt ein Verhältnis mit einer kleinen Gaunerin, die zur Bande seines kriminellen Bruders gehört. Gleichzeitig lernt er deren lesbische Freundin, eine sensible Philosophie-Professorin, kennen. Als das Mädchen nach einem mißlungenen Coup untertaucht und verschwindet, versuchen beide, damit fertigzuwerden. Während der Polizist zu altem Diensteifer zurückfindet, zerbricht die Frau an der verlorenen Liebe.

Film noir um die unerfüllten Beziehungen und emotionalen Niederungen dreier Menschen im kriminellen Milieu.

Kritik zu Diebe der Nacht

Der Film noir als Schaubühne emotionaler Abgründe hat im französischen Kino eine lange Tradition, und so ist es kein Zufall, daß André Téchiné dieses Genre für seinen Exkurs in die Düsternis menschlichen Zusammenlebens wählte: Vom Leben und von der Liebe in der Halbwelt der Diebe und Polizisten erzählt "Les Voleurs", ein komplex strukturierter, mit sozialen Statements beschwerter Cop-Thriller, der im Wettbewerb von Cannes lief.

Wie schon in "Meine liebste Jahreszeit" beginnt Téchiné damit, durch das sorgfältige Vorstellen der Figuren ein grobes Exposé zu zeichnen, ehe er aus dem Miteinander der Charaktere die Story sich entwickeln läßt. Das zentrale Ereignis in "Les Voleurs" ist der Tod des erfolgreichen Autodiebs Ivan (Didier Bezache), der bei einem fehlgeschlagenen Coup erschossen wird. In einzelnen, zeitlich vor oder nach Ivans Tod spielenden Kapiteln erzählen die anderen Personen aus ihrer eigenen Perspektive die Geschichte des Films: Alex (Daniel Auteuil) ist Polizist und seinem Bruder Ivan in Haßliebe verbunden. Als Alex die Straßengöre Juliette (Laurence Côte), die zu Ivans Bande gehört, aufgreift und mit ihr ein Verhältnis beginnt, lernt er auch Juliettes lesbische Freundin, die Philosophie-Professorin Marie (Catherine Deneuve), kennen. Während Marie in Juliette ihre große Liebe gefunden hat, reduziert Alex seine Beziehung zu dem Mädchen auf das rein Sexuelle. Der Tod Ivans treibt Juliette schließlich aus der Stadt und aus dem Leben der beiden.

Die Facettenartigkeit der Geschichte erlaubt es Téchiné einerseits, ein enorm dichtes Milieubild zu zeichnen: Da sind die professionellen Diebe mit ihren burgeouisen Träumen von sozialem Aufstieg und gesicherten Familienverhältnissen, die über drei Generationen hinweg ihr Gewerbe organisieren. Da ist der innerlich wie äußerlich verhärtete Polizist, der selbst seine späten Erkenntnisse von Liebe und Verantwortung nicht mit seinem gesellschaftlichen Auftrag kollidieren läßt. Und da ist die sensible Intellektuelle, die an ihrer Vorstellung von selbstloser Aufopferung und Glück zerbricht. Der Titel des Films, "Die Diebe", umfaßt alle diese Figuren und drückt Téchinés brutale und zugleich genreübliche Überzeugung von der Schlechtheit der Menschen aus.

Andererseits verlangt "Les voleurs" dem Zuschauer auch einige Geduld ab, sich von dem dichten Netz der Handlung einfangen und bis zum bittersüßen Ende tragen zu lassen. Vor allem die Leistung der fabelhaften Schauspieler lassen allerdings die Faszination an diesem dunklen, kantigen Film nie schwinden. "Les voleurs" mag als Genrebeitrag mit einigen Sehgewohnheiten brechen. Als Schauspielerfilm ist er schlicht großes französisches Kino. evo.

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Info

Plakat des Films: Diebe der Nacht
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: nicht bekannt

Frankreich 1996

Länge: 1 h 58 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Les voleurs

Regie: André Téchiné

Drehbuch: Gilles Taurand, André Téchiné

Musik: Philippe Sarde

Produktion: Alain Sarde

Kamera: Jeanne Lapoirie

Schnitt: Martine Giordano