Düsteres Verwirrspiel aus Fantasie und Wirklichkeit, mit dem der für "Fair Trade" preisgekrönte Regisseur sein Langfilmdebüt gibt.

Kinostart: 11.02.2010

Nikolai Kinski

Nikolai Kinski
als Daniel Shore

Katharina Schüttler

Katharina Schüttler
als Elli

Morjana Alaoui
als Iman

Sean Gullette
als Henry Porter

Judith Engel
als Frau Kowalski

Matthias Matschke
als G

Bernd Tauber
als Prof. H

Lukas Muckenfuß
als Martin

Susana Fernandes-Genebra
als Mutter von Martin

Handlung

In Marokko lebt der junge Deutsch-Amerikaner Daniel Shore in den Tag hinein. Er lernt eine verführerische Einheimische kennen und lieben. Doch der Mord an ihrem kleinen Sohn wirft ihn völlig aus der Bahn. Zurück in Deutschland versucht er, im alten Mietshaus seiner verstorbenen Großmutter Ruhe zu finden. Stattdessen steigert er sich immer mehr in einen Wahn hinein, einen Jungen vor einem angeblich pädophilen Nachbarn retten zu müssen.

Kritik

Nikolai Kinski gerät in seiner ersten großen Hauptrolle als Student in ein düsteres Verwirrspiel aus Fantasie und Wirklichkeit.

Mit seinem international preisgekrönten Kurzfilm "Fair Trade", in dem eine westeuropäische Frau in Marokko illegal ein Kind adoptierten will, gab Michael Dreher eine beachtliche Visitenkarte ab. Marokko scheint es ihm angetan zu haben, denn auch sein erster abendfüllender Spielfilm spielt teilweise in dem nordafrikanischen Land.

Zwischen Kashba, Disko und verwunschener Villa vertrödelt ein junger Deutsch-Amerikaner seine Tage, lernt eine verführerische Einheimische kennen und lieben. Sie drängt auf Heirat, um ins gelobte Europa zu gelangen. Der Mord an ihrem kleinen Sohn wirft ihn mit solcher Wucht aus der Bahn, dass er - von Schuldgefühlen geplagt - im alten Mietshaus seiner gestorbenen deutschen Großmutter Ruhe finden möchte, sich in den Wahn hineinsteigert, einen Jungen vor dem finstren Nachbar retten zu müssen.

Der Absolvent der Münchner Filmhochschule stürzt sich in ein Reich kafkaesker Alpträume. Konträr zum Licht durchfluteten Marokko ist Deutschland ein dunkler Ort mit einer skurrilen Spezies, die fast an Zombies erinnern. Da ist der Professor, der unwirsch die Doktorarbeit ablehnt, der undurchschaubare Nachbar mit möglichem Hang zur Pädophilie, die nervige Nachbarin, die permanent vor der Tür steht (in der Rolle optimal: Katharina Schüttler), oder die ehemalige Haushälterin, die spricht wie Domestiken im 19. Jahrhundert und ständig Unterlagen durcharbeiten möchte. Der lange und düstere Flur weckt Assoziationen an Roman Polanskis "Ekel". Warum die Figuren sich so seltsam und altmodisch benehmen, erfährt der Zuschauer nicht, Rückblenden sorgen für zusätzliche Verwirrung wie auch Verrätselungen und bedeutungsschwangere Gesten und Blicke. Wahn und Wirklichkeit bilden eine undurchschaubare Symbiose, die Schatten der Vergangenheit legen sich wie Mehltau auf Emotionen, das Schicksal hält den Protagonisten unbarmherzig im Griff.

Die beeindruckende Kameraarbeit von Ian Blumers unterstreicht die manchmal unheimliche Atmosphäre und lässt die Beklemmung ahnen, Nikolai Kinski mimt den paranoiden Mann, der durch den Türspion alles beobachtet, in einer Mischung aus Verlorenheit und Besessenheit. Zwei Leben sind manchmal etwas viel für einen Menschen. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 11.02.2010

Deutschland 2009

Länge: 1 h 35 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Zimmer

Regie: Michael Dreher

Drehbuch: Michael Dreher

Musik: Lorenz Dangel

Produktion: Stefan Sporbert, Rüdiger Heinze, Wasiliki Bleser, Rainer Kölmel, Karim Debbagh

Kostüme: Bettina Marx

Kamera: Ian Blumers

Schnitt: Wolfgang Weigl

Ausstattung: Anne Schlaich

Website: http://www.danielshore.kinowelt.de/