Kinostart: 22.06.2017

Handlung

Eine der Schülerinnen einer Mädchenschule in den amerikanischen Südstaaten findet mitten während des Bürgerkriegs beim Pilzsuchen im Wald einen schwer verletzten Offzier der Konföderation. Widerwillig nimmt Schulleiterin Miss Martha den Mann in ihrem Haus auf und lässt ihn pflegen. Die Anwesenheit von McBurney erweist sich schon bald als problematisch. Nicht nur Miss Martha scheint auf die Reize des Mannes anzusprechen, sondern auch die verklemmte Lehrerin Edwina und die aufreizende Jugendliche Alicia.

Ein verletzter Soldat stellt die Ordnung in einer Mädchenschule während des Bürgerkriegs auf den Kopf. Raffinierte Verfilmung des Romans von Thomas Cullinam, der 1971 bereits von Don Siegel adaptiert worden war.

Kritik

Sofia Coppola meldet sich 2017 zurück in Cannes mit einem Film, der auf den ersten Blick kaum weiter entfernt sein könnte von ihrer letzten Regiearbeit, "The Bling Ring", der vier Jahre zuvor in Un Certain Regard gelaufen war. "Die Verführten" spielt in den Südstaaten im Bürgerkriegsjahr 1864, "The Bling Ring" war im Los Angeles der Gegenwart angesiedelt. Und doch erkennt man unschwer eine Seelenverwandtschaft zwischen der Gang von High-Society-Gelegenheitsdiebinnen und den verbliebenen Bewohnern einer Mädchenschule, die isoliert von der Außenwelt darauf warten, dass der nicht weit entfernte Lärm der Kanonen endlich verstummt. Wie immer bei Coppola ist das Leben ihrer Frauenfiguren geprägt von Langeweile.

Selbst als in "Die Verführten" eines der Mädchen einen schwer verletzten Nordstaaten-Soldaten, gespielt von Colin Farrell, findet und seine Anwesenheit in der Schule sofort für eine spürbare sexuelle Spannung sorgt, entwickelt sich die Handlung stets aus einer Haltung des gepflegten Ennuis heraus. Was der größte Unterschied zu Don Siegels "Betrogen" von 1971 mit Clint Eastwood ist, die erste Verfilmung des Romans von Thomas Cullinan: Da springt Eastwood schließlich von Bett zu Bett und treibt mit den amourösen Eskapaden einen Keil zwischen die Frauen, was zu seinem Untergang führt. Coppola übt sich dagegen in Zurückhaltung, ihr Film ist mehr Southern Gothic, wie ihn sich eine Jacqueline Susann ausdenken hätte können, und weniger "Black Narcissus".

Der Wahn von sexueller Repression liegt zwar in der Luft, während die strenge Schulleiterin, ihre prüde Lehrerin und eine aufsässige Schülerin um die Aufmerksamkeit des Fremden kämpfen, aber sie wird überlagert von diesem schwül-schweren Gefühl, zum Nichtstun verdammt zu sein, an dem schon Coppolas Heldinnen in "The Virgin Suicides" und "Marie Antoinette" darbten. Daraus entwickelt sich ein einerseits sehr klassisch erzähltes Drama mit vielen schönen, eleganten Momenten, aber auch ein Film, der nicht so recht zu wissen scheint, warum es ihn überhaupt gibt. Es ist, als würde er sich selbst ein bisschen langweilen, während es doch hinter verschlossenen Türen um Leben und Tod geht. Etwas mehr Leidenschaft, etwas mehr Handfestigkeit hätte man sich doch gewünscht, wenn Nicole Kidman in ihrem vierten Auftritt in Cannes in diesem Jahr klaffende Wunden mit lilafarbenem Seidenfaden näht, Elle Fanning mit Schlafzimmerblick haucht: "Ich hoffe, Ihnen schmeckt mein Apfelkuchen." oder Kirsten Dunst endlich ihre hochgeschlossenen Kleider in den Schrank hängt und etwas Schulter zeigt, als es schon fast zu spät ist. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 22.06.2017

USA 2017

Länge: 1 h 33 min

Genre: Drama

Originaltitel: The Beguiled

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

Produktion: Roman Coppola, Anne Ross, Youree Henley, Sofia Coppola

Kostüme: Stacey Battat

Schnitt: Sarah Flack

Ausstattung: Anne Ross

Website: http://upig.de/micro/die-verfuehrten

Auszeichnungen

1 x Cannes:

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