Sehenswertes Sittengemälde des 19. Jahrhunderts mit Birgit Minichmayr als Erfinderin des Schneeballsystems.

Kinostart: nicht bekannt

Birgit Minichmayr

Birgit Minichmayr
als Adele Spitzeder

Sunnyi Melles

Sunnyi Melles
als Betty Vio

Alicia von Rittberg

Alicia von Rittberg
als Therese Ederer

Maximilian Krückl
als Georg Zeitler

Florian Stetter
als Balthasar Engel

Marianne Sägebrecht
als Edeltraud Staller

Karlheinz Hackl
als Eduard Pohlheim

Paula Kalenberg
als Silvia Berency

Uli Bauer
als Sepp Gschwendner

Robert Spitz
als Alois K

Johannes Herrschmann
als Pfandleiher Stangl

Michael Roll
als Kommiss

Michael Schönborn
als Graf Hochstein

Siegfried Walther
als Marco Tabli

Heinz-Josef Braun
als Pfarrer

Florian Fischer
als Redakteur

Handlung

Vor rund 150 Jahren hat die mittellose Schauspielerin Adele Spitzeder in einem Münchener Wirtshaus eine Bank eröffnet. Ihr anfangs überschaubarer Kundenkreis explodierte förmlich, als sich unter den Arbeitern und Handwerkern herumsprach, dass sie großzügige Zinsen vergab und diese in bar auszahlte. Die Geschäftsmethode funktionierte nach dem Schneeballsystem. Aber der Erfolg weckte die Missgunst mächtiger Konkurrenten. Ein Komplott führte schließlich zum Bankrott.

Kritik

Die Geschichte klingt, als sei sie an den roten Haaren der Hauptfigur herbeigezogen, doch sie ist wahr. Und sie zeigt, dass alles schon mal da gewesen ist:

Vor rund 150 Jahren hat die mittellose Schauspielerin Adele Spitzeder in einem Münchener Wirtshaus eine Bank eröffnet. Ihr anfangs überschaubarer Kundenkreis explodierte förmlich, als sich unter den Arbeitern und Handwerkern herumsprach, dass sie großzügige Zinsen vergab und diese in bar auszahlte. Die Geschäftsmethode funktionierte ähnlich wie beim Milliardenbetrüger Bernie Madoff nach dem Schneeballsystem, weil sich immer neue Anleger fanden, deren Einlagen die Zinsen der anderen finanzierten. Aber der Erfolg weckte selbstredend die Missgunst mächtiger Konkurrenten, zumal Adele einen offenbar höchst anstößigen Lebenswandel bevorzugte. Ein Komplott führte schließlich zum Bankrott.

Nach einem Drehbuch von Ariela Bogenberger erzählt Xaver Schwarzenberger (Kamera und Regie) die Geschichte der "Spitzederin" als Sittengemälde mit wunderbaren Dialogen, das seine Hauptfigur auch optisch regelrecht verklärt. Gerade in den Gegenlichtaufnahmen scheint die von Birgit Minichmayr gewohnt kraftvoll und energisch verkörperte Heldin fast von einer Gloriole umgeben. Es ist in der Tat nicht Gier, die sie antreibt, zumindest nicht allein. Wenn sie mit vollen Händen das Geld unter den Armen verteilt, dient das naturgemäß der Mehrung des eigenen Ruhms, ist also letztlich Reklame, doch die mildtätigen Gaben scheinen auch von Herzen zu kommen. Letztlich ist es ohnehin die Liebe zur Kunst, die sie antreibt, denn vom Erlös der Geldgeschäfte will sie im Herzen Münchens ein Theater errichten.

Der Film lebt selbstredend von seiner ungewöhnlichen Protagonistin und ihrem aufreizenden Geschäftsgebaren; in den Gemächern stapeln sich die Banknoten wie anderswo das Altpapier. Das Szenenbild (Michael Bauers) sorgt für die nötige Authentizität. Doch die große Stärke des Dramas sind die sorgfältig ausgewählten Darsteller, die ausgezeichnet zu ihren Rollen passen: Johannes Herschmann als von Adele erst benutzter und dann gedemütigter Pfandleiher; Maximilian Krückl als seiner Herrin in tiefer Zuneigung ergebenes Faktotum, dessen enttäuschte Liebe schließlich das Ende einleitet; Sunnyi Melles als herrlich überkandidelte Mutter der Heldin und gleichfalls Schauspielerin; Alicia von Rittberg als Spitzeders Mündel Theres, dem die Gönnerin zu Kultur verhilft; und schließlich in einer Schlüsselrolle Florian Stetter als Dichter und Dramatiker Balthasar, der früh ahnt, dass die Dinge kein gutes Ende nehmen werden. Er schreibt der Schauspielerin ein Mysterienspiel auf den Leib, doch sie wirft es erzürnt ins Feuer. Immerhin führt dies im Epilog zu einer originellen Begegnung Balthasars mit Hugo von Hoffmannsthal und somit zum krönenden Abschluss für diese sehenswerte Parabel auf aktuelle Ereignisse. tpg.

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Info

Plakat des Films: Die Verführerin Adele Spitzeder

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2011

Genre: Drama

Originaltitel: Die Verführerin Adele Spitzeder

Regie: Xaver Schwarzenberger

Drehbuch: Ariela Bogenberger

Musik: Thomas Bogenberger

Produktion: Rafaela Evers, Susanne Porsche

Kostüme: Heidi Melinc

Kamera: Xaver Schwarzenberger

Schnitt: Helga Borsche

Ausstattung: Annette Ganders

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