Sinnliche, ironisch gebrochene, mysteriöse Adaption von "Der Club Dumas" mit Johnny Depp als Bücherjäger.

Kinostart: 09.12.1999

Johnny Depp

Johnny Depp
als Dean Corso

Frank Langella

Frank Langella
als Boris Balkan

Lena Olin

Lena Olin
als Liana Telfer

Emmanuelle Seigner
als M

Barbara Jefford
als Baronin Kessler

James Russo
als Rodero Bernie

Willy Holt

Jack Taylor
als Victor Fargas

Jose Lopez
als Pablo Ceniza / Pedro Ceniza

Tony Amoni

Maria Ducceshi

Jacques Collard

Handlung

Dean Corso erhält von einem reichen Sammler alter Bücher in Manhattan den Auftrag, die einzigen zwei weiteren Exemplare eines mit teuflischer Mitarbeit entstandenen Buches aus dem 17. Jahrhundert aufzutreiben. Das Buch hatte den Vorbesitzer zum Selbstmord getrieben. Dessen Witwe verfolgt Corso hartnäckig auf seiner Suche, aber auch ein geheimnisvolles Mädchen scheint über seine Schritte zu wachen.

Der Buchexperte Dean Corso schwatzt einer Klientin eine wertvolle Don-Quijote-Ausgabe für einen Spottpreis ab. Hilflos dabei zusehen muss der gelähmte Gatte, der nichts anderes tun kann, als seine Finger zornig in eine Decke zu krallen. Weil biblische Gerechtigkeit aber sein muss, geht Corso dann als moderner Faust durch die Hölle. Im Auftrag des dubiosen Boris Balkan vergleicht er die letzten drei Exemplare eines Buches miteinander, das Mephisto nicht nur mitverfasst, sondern auch als versteckten Schlüssel zu seinem Reich genutzt haben soll...

Buchexperte Dean Corso vergleicht die letzten drei Exemplare eines Buches miteinander, das Mephisto nicht nur mitverfasst, sondern auch als versteckten Schlüssel zu seinem Reich genutzt haben soll. Roman Polanskis bilderträchtige Verfilmung des spanischen Bestsellers "Der Club Dumas".

Kritik

Eine elegant ironische Teufelei, ein intensiver Film über die Stille, suggestiv erzählt wie ein fesselnd geschriebener Roman, in dem man sich gern versenkt, intellektuell wie emotional: Roman Polanskis Film ist ein spielerisch spannendes Kinovergnügen. Sinnlich, witzig, mysteriös und mit einer guten Dosis Zwielichtigkeit kommentiert er Okkultismus, Esoterik und andere Übernatürlichkeiten ziemlich originell. Johnny Depp ist eine Art phantastischer Philip Marlowe auf den Spuren eines satanischen Buches, sexuell verfolgt von einem furiosen Weibsteufel (Lena Olin) und erotisch beschützt von einem pfiffigen jungen Mädchen (Emanuelle Seigner).

Schon in "Tanz der Vampire" vor gut 30 Jahren hat er das Horror-Genre parodiert, das den Rationalisten Polanski jetzt wieder zu einer selbstironischen Leinwanderzählung inspiriert. Den spanischen Bestsellerroman "Der Club Dumas" von Arturo Perez-Reverte hat er filmisch bearbeitetet und sich dabei vor allem auf die Geschichte von den neun Toren zum Reich der Schatten konzentriert. Dean Corso (Depp) erhält von einem reichen Sammler alter Bücher in Manhattan den Auftrag, die einzigen zwei weiteren Exemplare eines mit teuflischer Mitarbeit entstandenen Buches aus dem 17. Jahrhundert aufzutreiben. Der Autor des Buches war auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, der New Yorker Sammler Boris Balkan (Frank Langella) besitzt das Exemplar, das den vorherigen Eigentümer in den Suizid getrieben hat. Dessen Witwe (Olin) will es unbedingt zurück haben und drangsaliert Corso deshalb auf heftige Weise. Die Ich-Erzählung des Films setzt den Zuschauer von Anfang an in die Situation des Bücherjägers Corso, der ein bißchen erinnert an Jack Nicholons Gittes in Chinatown, ein Privatdetektiv, der immer wieder in die Irre geführt, in Verlegenheit gebracht, manipuliert und provoziert wird. Der Film hat, trotz aller Leichtigkeit der Inszenierung, etwas Klaustrophobisches. Ganz im Sinne besten Suspense fühlt, man sich an jedem neuen Ort, den der Buchexperte Corso besucht, wohlig unwohl und unheimlich, ob in New York, Toledo, Cintra in Portugal oder Paris. Und überall taucht überraschend und immer gerade im richtigen Moment ein geheimnisvolles Mädchen in Jeans und Sneakers als eine Art Schutzengel auf und verhindert, daß er sich in dem teuflisch hermetischen Labyrinth total verheddert. Wird er die fehlenden zwei Bücher finden und, auf alle drei verteilt, jene neun Illustrationen ermitteln, die angeblich vom Teufel selbst stammen und das Geheimnis des Zugangs zu seinem Reich enthalten? Aus der Finsternis, die einen Geschmack von Asche hinterläßt, tritt am Ende das Licht - und Roman Polanski lacht sich ins Fäustchen. Er und sein Kameramann Darius Khondji spielen virtuos auf dem Klavier der Genres und deren Stereotypen und Klischees, um sie in der extrem sinnlichen Bildästhetik melancholisch bedrohlicher Brauntöne und imposanter Großaufnahmen zu brechen.

Wer einen Mainstream-Horror-Schocker erwartet, wird entweder enttäuscht oder angenehm überrascht sein. Das ist auch nie Polanskis Filmstil gewesen, weil er viel subtiler erzählt und die Ambiguität von Geschichten liebt. So dürfte er wieder eine künstlerisch anspruchsvolle, cineastische Zuschauergemeinde finden und ganz sicher noch all jene anlocken, die intelligent unterhalten werden wollen und sich gern eine klassisch spannenden Geschichte erzählen lassen, ohne daß die Spezialeffekte dauernd um die Ecke knallen. Denn auch die sind bei Polanski leise, subtil, unauffällig. fh.

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Info

Plakat des Films: Die neun Pforten
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 09.12.1999

Frankreich/Spanien 1999

Länge: 2 h 13 min

Genre: Horror

Originaltitel: The Ninth Gate

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, Enrique Urbizu, John Brownjohn

Musik: Wojciech Kilar

Produktion: Roman Polanski

Kostüme: Anthony Powell

Kamera: Darius Khondji

Schnitt: Hervé de Luze

Ausstattung: Dean Tavoularis, Gérard Viard

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