Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Elfriede Jelinek um die seelischen Abgründe einer Klavierlehrerin.

Kinostart: 11.10.2001

Isabelle Huppert

Isabelle Huppert
als Erika Kohut

Benoît Magimel

Benoît Magimel
als Walter Klemmer

Annie Girardot

Annie Girardot
als Mutter

Anna Sigalevitch
als Anna Schober

Susanne Lothar
als Frau Schober

Udo Samel
als Dr. Blonskij

Cornelia Köndgen
als Frau Blonskij

Rudolf Melichar
als Direktor

Philipp Heiss
als Naprwnik

Thomas Weinhappel
als Bariton

Gabriele Schuchter
als Margot

Handlung

Pianolehrerin Erika Kohut, Anfang 40, steht noch immer unter der Fuchtel ihrer Mutter. Sexuelle Befriedigung sucht die verbitterte Frau in Pornokinos. Ihr psychischer Niedergang scheint unaufhaltbar. Liebe ist ihr fremd, bis sich ein junger Schüler in sie verliebt. Doch damit wird erst so richtig der Startschuss gegeben für einen atemberaubenden Akt der Selbstzerstörung.

Erika Kohut, gescheiterte Konzertpianistin und eifersüchtig bewachter "Besitz" ihrer kaltherzigen Mutter, fristet ihre Tage als Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium. Gefangen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Dominanz ihrer Mutter flüchtet sich die verbitterte Mittvierzigerin in Voyeurismus und Selbstverstümmelung. Bis sich eines Tages der zwischen jugendlicher Unschuld und brutaler Triebhaftigkeit pendelnde Student Walter Klemmer in den Kopf setzt, den emotionalen Panzer der Frau zu durchdringen. Die Folgen sind verheerend...

Gefangen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Dominanz ihrer Mutter flüchtet sich die verbitterte Klavierlehrerin Erika Kohut in Voyeurismus und Selbstverstümmelung. Bis sich eines Tages der Student Walter Klemmer in den Kopf setzt, den emotionalen Panzer der Frau zu durchdringen. Mit seiner Verfilmung des Bestsellers von Elfriede Jelinek lieferte Michael Haneke ("Funny Games") ein mit Preisen überhäuftes, verstörendes Psychodrama ab.

Kritik

Das soll ihm mal ein österreichischer Regisseur nachmachen: Zum dritten Mal nach "Funny Games" und "Code: Inconnu" schritt Michael Haneke als Wettbewerbs-Teilnehmer über den roten Teppich der berühmten Stufen. Für seine Verfilmung des Elfriede-Jelinek-Romans "Die Klavierspielerin" wurde er mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, seine beiden Hauptdarsteller Isabelle Huppert und Benoit Magimel mit dem Preis für die Beste darstellerische Leistung.

Michael Haneke provoziert gerne, auch wenn er es nicht zugibt. Mit "Die Klavierspielerin" stieß er auf Begeisterung wie auf Ablehnung, so mancher Mainstream-Anhänger oder Schöngeist musste hart schlucken bei diesem unbarmherzigen Trip durch seelische Abgründe, so manches nervöse Lachen hallte bei heiklen Szenen durchs Kino. Erika Kohut lehrt am Wiener Konservatorium Piano, steht noch mit Anfang 40 unter der Fuchtel ihrer Mutter, die sie permanent kontrolliert und wie ein kleines ungezogenes Kind behandelt, wenn sie mal nachts spät nach Hause kommt. Sexuelle Befriedigung sucht die verbitterte Frau in Pornokinos. Wenn Isabelle Huppert dort an gebrauchten Kleenex-Tüchern ihre Sehnsucht stillt, im Autokino Paaren beim Liebesspiel zuschaut, sich mit einer Rasierklinge die Vagina verstümmelt, oder sich in einer Mischung aus Hassliebe und Wahn im Bett auf ihre Mutter wirft, möchte man sich abwenden und schaut dennoch diesem psychischen Niedergang gebannt zu. Liebe ist Terra incognita - bis sich ein junger Schüler in sie verliebt, Auftakt zu einem atemberaubenden Akt der Selbstzerstörung. Erika will keine Intimität, sondern präsentiert einen sexuellen Forderungskatalog, in dem sie die körperliche Akrobatik auflistet, die sie aus Pornos kennt, wandelt dadurch das Begehren des Mannes in Abscheu. Haneke inszeniert die Sezierung menschlicher Verhaltensdeviation als Psycho-Drama ohne Pardon, trifft Seele, Bauch und Kopf. Die Huppert, die vor vier Jahren ein Angebot für "Funny Games" ausschlug, brilliert in der Titelrolle, durchlebt alle Extreme, ist mal abweisend, dominant oder verwundbar, mit der kleinsten Geste oder minimalsten Mimik lässt sie tiefe Einsamkeit ahnen, die Vereisung der Gefühle. Sie geht an Grenzen, spielt alle Nuancen von Demütigung, Selbsthass und verdrängten Gefühlshunger aus. Ihre Rigorosität erschreckt und weckt gleichzeitig Mitleid mit der Heldin. Künstlerisch und atmosphärisch zählte "Die Klavierlehrerin" zu den herausragenden Wettbewerbsbeiträgen, fordert Positionen heraus. Natürlich ist diese Piano-Lesson bei Haneke weder harmonisch oder angenehm, sondern ein schmerzhaftes und verstörendes Purgatorium, aber niemals degoutant. Nach diesem Preisregen sollte sich ein Arthouses-Publikum aufgeschlossen zeigen. mk.

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Info

Plakat des Films: Die Klavierspielerin
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 11.10.2001

Frankreich/Österreich 2001

Länge: 2 h 10 min

Genre: Drama

Originaltitel: Die Klavierspielerin

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Produktion: Alain Sarde, Marin Karmitz, Veit Heiduschka

Kostüme: Annette Beaufays

Kamera: Christian Berger

Schnitt: Mona Willi, Nadine Muse

Ausstattung: Christoph Kanter, Hannes Salat

Auszeichnungen

3 x Cannes: